Welche Probleme können auftreten, wenn eine Führungskraft Teilzeit arbeiten möchte? Und welche Möglichkeiten gibt es, dem entgegenzuwirken?, fragt Oliver Gabriel, Führungskraft im mittleren Management.

Sehr geehrter Herr Gabriel,

Umfragen zeigen, dass (auch immer mehr männliche) Führungskräfte in Deutschland sich zunehmend Teilzeit wünschen. Allerdings überwiegt in vielen Unternehmen die Skepsis gegenüber Teilzeitführungskräften. Ein Grund: In deutschen Betrieben herrscht eine starke Präsenzkultur und die steht den Teilzeitwünschen entgegen. 

Eine weitere Herausforderung für Teilzeitkräfte insgesamt ist das Arbeitspensum: Mit der reduzierten Arbeitszeit geht nicht immer auch eine Aufgabenreduzierung einher. Dann droht trotz eines effektiven Zeitmanagements die Überforderung.

Im Management kommt erschwerend hinzu, dass Führungsaufgaben in der Regel nicht klar definiert und daher schwer abzugrenzen sind. Um nicht in diese Falle zu tappen, sollten Führungskräfte vor der Teilzeit ihre konkreten Aufgaben auflisten, um anschließend eine sinnvolle Aufteilung vornehmen zu können. 

Wichtig beim Delegieren ist die Unterscheidung der Aufgaben, denn grundsätzlich ist es nicht sinnvoll, die Personalführung an Dritte zu übertragen. Ein Problem können darum sehr unselbständige Mitarbeiter sein. Und nicht immer können oder wollen Kollegen zusätzliche Aufgaben übernehmen. Klug ist, frühzeitig auf Autonomie zu setzten und die Mitarbeiter zu fördern, die selbstständig und organisiert arbeiten können – und so fähig sind, einige Aufgaben zu übernehmen.

Überstunden fallen trotzdem oft an

Eine weitere Herausforderung kann fehlende Arbeitszeitflexibilität sein. Schwanken beispielsweise die Anforderungen, sind sehr starre Systeme kontraproduktiv. Meist sind Führungskräfte dann gezwungen, außerhalb ihrer vereinbarten Arbeitszeit zu arbeiten.

Flexible Arbeitszeitkonten und die Möglichkeit zur Arbeit aus dem Homeoffice sind hilfreich, um das aufzufangen. In Notfällen allerdings sollten Führungskräfte generell für ihre Mitarbeiter erreichbar sein. Nehmen solche Rückfragen unverhältnismäßig zu, sind fest vereinbarte Zeiten sinnvoll, in denen der Vorgesetzte außerhalb seiner Arbeitszeit erreichbar ist. 

Trotzdem kann es vorkommen, dass Teilzeitführungskräfte es schwer haben, von Mitarbeitern, Kollegen und der Unternehmensleitung akzeptiert zu werden. In vielen Unternehmen herrscht ein traditionell geprägtes Führungsbild vor, dann kann die Arbeitszeitreduzierung zum Karrierekiller werden. Denn oft gelten Führungskräfte in Teilzeit als nicht mehr am Aufstieg interessiert – ihre Chancen auf eine Beförderung sinken, ihre Meinung zu wichtigen Entscheidungen ist nicht mehr gefragt oder wichtige Treffen finden außerhalb ihrer Arbeitszeit statt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für das Führen in Teilzeit auf eine kluge Verteilung der Aufgaben sowie klare Richtlinien bezüglich Arbeitszeit, Konferenzen und Entscheidungsfindung ankommt. Und zu guter Letzt braucht es eine Unternehmensleitung und -kultur, die den Teilzeitwunsch ihrer Führungskräfte nicht nur akzeptiert, sondern unterstützt und fördert.

Ihre Sabine Hockling