Manche Menschen verteilen Lob und Komplimente nur sparsam. Entsprechend vorsichtig sind sie mit netten Worten – oder verzichten ganz darauf. Gerade beim Chef wollen sich viele nicht anbiedern.  

Nachvollziehbar, findet Karriereexperte Martin Wehrle: "Komplimente sind nicht ungefährlich, denn Feedbacks fließen in der Regel nach den Gesetzen der hierarchischen Schwerkraft: von oben nach unten, nicht umgekehrt", sagt der Coach und Buchautor.

Trotzdem kann sich das Lob auf den Chef auszahlen: "Auch Führungskräfte bekommen viel zu selten positive Rückmeldungen. Deshalb kann eine solche Rückmeldung die Arbeitsbeziehung verbessern."

Lob hilft der Laufbahn

Und das lohnt sich. Eine gute Arbeitsbeziehung treibt die eigene Laufbahn voran, bestätigt die Berliner Karriereberaterin Martina Bandoly: "Bei einem Lob werde ich anderen Menschen viel sympathischer. Und mit Menschen, die wir sympathisch finden, umgeben wir uns auch gerne und fördern sie."

Kurzum: Je näher man dem Chef ist und je positiver man ihm auffällt, desto besser ist man bei ihm verankert. Und das kann von Vorteil sein, wenn es um ein interessantes Projekt oder eine höhere Position geht.

Damit diese Rechnung aufgeht, gilt es einiges zu beachten: Komplimente müssen ehrlich und nachvollziehbar sein, lieber sachbezogen als persönlich, weder aufdringlich noch übertrieben – und den Kollegen sollten sie nicht negativ auffallen, um als Schleimer abgestempelt zu werden.

Allerdings ist Loben ist nicht dasselbe wie Schleimen, sagt Martin Wehrle. "Die Grenze zum Schleimen ist überschritten, wenn das Lob nicht mehr spezifisch, sondern allgemein und verherrlichend ausfällt."

Präzise formulieren

Soll heißen: Schmeicheln Sie dem Chef nicht für "die besten Ideen", sondern drücken Sie sich so präzise wie möglich aus. So können sich Angestellte beispielsweise im Mitarbeitergespräch für eine konkrete Phase bedanken, in der sich der Chef für sie eingesetzt hat, oder auf die exakten Punkte einer Präsentation eingehen, die der Chef gehalten hat.

Ein weiterer Vorteil: "Je präziser das Lob, desto aussagekräftiger ist es für einen Menschen", sagt Martina Bandoly. Aus genereller Lobhudelei wird man nicht schlauer.