Jedes Quartal habe ich mit meiner Abteilung für einen Tag einen Ideen-Workshop. Dazu verlassen wir vier Mal im Jahr unsere Arbeitssituation und suchen uns Locations aus, die zum Brainstorming geeignet sind. Die letzten zwei Workshops waren allerdings eine Katastrophe, denn meine Mitarbeiter waren allesamt ideenlos. Was kann ich tun?, fragt Bernhard Rothermund.

Sehr geehrter Herr Rothermund,

es gibt viele Gründe, warum in einer Abteilung Ideenlosigkeit herrschen kann. Fühlen sich beispielsweise Führungskräfte von kreativen Mitarbeitern belästigt, geben sie ihnen nicht selten das Gefühl, ihre Ideen seien nicht ausgereift, funktionieren nicht, sind veraltet oder passen weder zum Produkt noch Unternehmen. Oder sie schmettern Ideen ab, weil sie unter (Zeit-)Druck stehen, ihre Mitarbeiter hinhalten wollen oder eine Idee als ihre eigene verkaufen möchten.

Dabei ist es letztendlich egal, warum Führungskräfte sich so verhalten und ob es bewusst oder unbewusst erfolgt. Werden Mitarbeiter derart abgewatscht, ziehen sie sich demotiviert zurück und machen im schlechtesten Fall Dienst nach Vorschrift.

Gute Ideen entstehen nicht durch Zufall. Eine Umgebung zu schaffen, die kreativ und inspirierend ist, in der gedacht und entwickelt werden kann, ist nicht der Ort, an dem Sie sich mit Ihren Mitarbeitern zum Brainstorming treffen, sondern der Arbeitsplatz an sich.

Dafür braucht es eine Kultur der Ideenentwicklung. Fördern Sie die Kreativität Ihrer Mitarbeiter aktiv, indem Sie Ihnen vor dem Workshop genügend Zeit einräumen, um überhaupt Ideen entwickeln zu können – allein oder auch gemeinsam. Sie sollten auf keinen Fall davon ausgehen, dass Ihre Mitarbeiter das in ihrer Freizeit erledigen.

Ein neuer Blick führt häufig auch zu neuen Denkanstößen. Daher ist eine weitere Möglichkeit, der Ideenlosigkeit entgegenzuwirken, Teams zu bilden bzw. neu durchzumischen. So signalisieren Sie Ihren Mitarbeitern, dass die Kreativität ein wichtiger Aspekt für Sie ist und genügend Freiraum erhält.

Geben Sie Ihren Mitarbeitern nicht das Gefühl, weder Zeit für sie zu haben, noch sich nicht für ihre Ideen zu interessieren. Belohnen Sie vielmehr jeden neuen Vorschlag. Auch solche, die nicht umgesetzt werden. Denn auch wenn eine Idee (noch) nicht ausgereift ist, hat sie doch Zeit und Energie gekostet. Und das sollte für Mitarbeiter nicht umsonst gewesen sein.

Und da für die Ideenentwicklung ein schnelles Feedback unabdingbar ist, sollten Sie Ihren Mitarbeitern regelmäßig eine Rückmeldung geben, was funktioniert und wo es noch hakt. Passen Vorschläge nicht ins Konzept, reagieren Sie nicht zu kritisch – denn das verschreckt Mitarbeiter in der Regel.

Das heißt nun aber nicht, dass Sie die Schwachstellen einer Idee ignorieren sollten. Vielmehr geht es darum, Mitarbeitern mit den richtigen Ratschlägen weiterzuhelfen. Damit die Teammitglieder nicht erst in die falsche Richtung laufen, sollten Sie alle mit ausreichend Informationen versorgen. Manchmal kann auch ein Impuls (z.B. Vorträge, Austausch mit Experten usw.) von außen hilfreich sein.

Ihre Sabine Hockling