Wie viele Menschen haben überhaupt ein Burn-out?

Das Robert-Koch-Institut hat dies erst kürzlich erstmals detailliert herausgearbeitet. Laut der DEGS-Studie (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland) diagnostizieren Ärzte bei 4,2 Prozent (Frauen: 5,2 Prozent und Männer: 3,3 Prozent) der Deutschen ein schweres Burn-out-Syndrom. Bei reicheren Patienten betonen die Behandler überdurchschnittlich häufig den Einfluss der Arbeit am psychischen Problem. Bei Ärmeren wird häufiger nur die Diagnose "Depression" gestellt.

Ist Burn-out also einfach ein hübscheres Wort für Depression?

Nicht unbedingt. Studien zeigen immer wieder: Menschen, bei denen ein Burn-out diagnostiziert wurde, haben häufig auch Depressionen. Aber nicht immer. Manche Ärzte beobachten, dass sich die Erschöpfung durch zu viel Stress dadurch auszeichnet, dass es eine fließende Entwicklung von gesund zu krank gibt. Burn-out wäre demnach eher ein Prozess. Zu Beginn ist man etwas erschöpft, bekommt durch den Stress vielleicht Schlafprobleme und Schmerzen. Wenn der Dauerstress anhält, kommen Gereiztheit und der Rückzug aus dem Sozialleben hinzu. Die Arbeit wird immer wichtiger, aber man entscheidet immer weniger bewusst, sondern arbeitet alle Anforderungen nur noch ab. Es entwickelt sich ein Tunnelblick. Wenn man es jetzt immer noch nicht schafft, den Stresspegel zu drosseln, kann sich in Folge des Dauerstresses eine Depression entwickeln. Oder ein Bandscheibenvorfall. Oder Bluthochdruck. Burn-out kann also in eine Depression führen – muss aber nicht.

Einmal Burn-out, immer Burn-out?

Nein. Mit Unterstützung einer guten Behandlung können viele Menschen wieder gesund werden. Dauerhafte Schäden können allerdings trotzdem zurück bleiben, zum Beispiel ein Tinnitus (Ohrsummen).

In Deutschland gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Kliniken, die auf psychiatrische und psychosomatische Probleme spezialisiert sind und auch Burn-out behandeln. Auch Ärzte sind aufmerksamer geworden. Allerdings ist die Genesung häufig eine sehr langwierige Sache. Betroffene sind im Schnitt 37 Tage lang krank geschrieben (länger als bei Krebserkrankungen) und viele berichten davon, dass ihre Genesung letztlich genauso lange dauerte wie die Phase der Überlastung vor dem Zusammenbruch. Und es gibt auch eine ganze Reihe von Betroffenen, die in der Stress-Spirale hängen bleiben. Sie werden immer weniger belastbar bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Psychische Probleme sind derzeit der Grund Nummer eins für Frühberentungen.

Und wie schützt man sich, damit man nicht selbst ausbrennt?

Ein erster Schritt ist, überhaupt zu erkennen, dass ständiger Stress im Job krank machen kann. Das kann sogar passieren, wenn man den Stress eigentlich positiv findet – zum Beispiel weil man immer spannende Projekte zu bearbeiten hat. Wer jedoch über längere Zeit ohne Ruhepausen vom "Leistungs-Ich" lebt, kommt fast automatisch in eine Art Daueranspannung. Und das ist schlicht ungesund. Gesund ist dagegen der Wechsel von An- und Entspannung.

Erste Hilfe im Stress ist deshalb: Pausen machen. Und zwar genau dann, wenn man das Gefühl hat: "Heute ist wirklich gar keine Zeit für Mittagspause!" In den Pausen sollte man nicht über Job-Probleme reden oder grübeln. Das ist nicht leicht, erfordert Disziplin und Übung. Auch ist es sinnvoll, nicht von einer spannenden Sache sofort in die nächste zu springen. Das kann heißen, dass man das Wochenende betont ruhig gestaltet. Das kann auch heißen, dass man nach dem fordernden Planungsmeeting erst einmal eine Viertelstunde um den Block geht, bevor man sich in die Budget-Verhandlung mit dem Kunden wirft. Führungskräfte sollten bewusst Ruhephasen für ihr Team planen und parallel zum Großprojekt nicht gleich das nächste beginnen.

Wichtig ist auch, im Job die Belastung so gut es geht zu steuern. Wenn Sie zu den Personen gehören, deren Schreibtisch und Terminkalender immer zu voll sind, fragen Sie sich bei jeder nächsten Aufgabe: Ist das wirklich meine? Kann ich einen Teil davon delegieren? Mir mehr Zeit dafür erbeten? Wann ist diese Aufgabe gut gelöst – und wo fängt mein Perfektionismus an, mir Extraarbeit zu verursachen?

Privatleben ist auch ein guter Schutzfaktor. Wann haben Sie das letzte Mal Freunde getroffen? Etwas gemacht, was Sie gerne tun (ohne Leistungsdruck). Mal nicht auf Effizienz, sondern einfach auf Lebensfreude gespielt? Wer bereits Anzeichen von Erschöpfung bei sich feststellt und einen Hausarzt hat, dem er vertraut, kann dies dort ansprechen.