Ich leite seit Jahren eine Abteilung. Die Zusammenarbeit und der Umgang miteinander war bisher eigentlich immer respektvoll. Seit einiger Zeit fallen immer häufiger Kollegen krankheitsbedingt aus, es wird über das zunehmende Arbeitsaufkommen geklagt und der Ton untereinander wird immer rauer. Wie kann ich als Abteilungsleiter gegensteuern?, fragt Jochen Laumann.

Sehr geehrter Herr Laumann,

ein Grund für den Anstieg erkrankter Mitarbeiter kann die steigende Arbeitsbelastung (und der damit einhergehende Stress) sein.

Zunächst sollten Sie Ihre Zielvorgaben überprüfen, ob diese (noch) realistisch sind. Auch ist es ratsam, die Projekte und Aufgaben unter die Lupe zu nehmen.

Sind die zeitlichen Abstände zwischen einzelnen Projekten zu eng getaktet, haben Ihre Mitarbeiter zu wenig Verschnaufpausen. Aber die braucht es, um mit neuem Elan die nächste Aufgabe angehen zu können. Eine weitere Belastung sind die modernen Kommunikationsmittel, mit denen man jederzeit und überall erreichbar ist. Wer bereits früh morgens und auch noch nach Feierabend auf Anfragen reagiert, schaltet gar nicht mehr ab. 

Steigt der Druck, sinkt auch die Identifikation mit dem Team oder dem Unternehmen. Und auch andersrum gibt es einen Effekt: Der Sozialpsychologe Rolf van Dick hat in diversen Studien herausgefunden, dass Mitarbeiter weniger Stressreaktionen zeigen, je stärker sie sich mit ihrem Arbeitgeber und ihrem Team identifizieren. Diese Identifikation erreichen Sie, indem Sie die Teamarbeit fördern. Das reduziert nicht nur den Stress, sondern senkt auch die Fehlerquote. Eine Studie von dem Organisationspsychologen Michael West von der Lancaster University bestätigt dies. 

West untersuchte die Zusammenarbeit in britischen Krankenhäusern. Er fand heraus, dass die Patientensterblichkeit sank, je mehr das Personal im Team arbeitete. Den Zusammenhalt fördern Sie, indem Sie Gemeinsamkeiten schaffen. Wer Erfolge gemeinsam feiert sowie Ausflüge miteinander unternimmt, fördert und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Auch brauchen Unternehmen ein klares Leitbild nach innen, ist van Dick überzeugt. Das zeigt den Mitarbeitern, was der Arbeitgeber tut und warum er so handelt. Interessant dabei ist: Je mehr sich eine Firma von der Konkurrenz abgrenzt, desto stärker ist Studien zufolge die Identifikation der Beschäftigten mit ihrem Arbeitgeber.  Nichts schweißt schließlich stärker zusammen als ein gemeinsamer "Gegner".

Ihre Sabine Hockling