Wann immer Tobias Babel um einen Termin gebeten wird, heißt es: Haare schneiden im Akkord. Babel arbeitet nebenberuflich als Kuhfriseur, im Fachjargon auch Kuhfitter genannt. Wenn Milchkühe für einen Schauwettbewerb aufgehübscht werden sollen, muss er mit der Schermaschine ran. Bis zu 20 Kundinnen hintereinander muss er dann frisieren, föhnen und toupieren.

"Ich arbeite dann auch bis in die frühen Morgenstunden vor der Schau. Da kann es auch passieren, dass ich zwei Tage durcharbeite, damit die Kühe vor der Vorführung optimal gestylt sind", sagt Babel. Das Herrichten vor einer Schau ist wichtig, um das Idealbild einer Kuh herauszustellen. Eine gerade Oberlinie, so wird die Haarpartie auf der Wirbelsäule der Kuh genannt, ein gleichmäßiger Rippenbogen sowie ein gut durchblutetes und mit Adern durchzogenes Euter sind Kennzeichen für eine gute Milchkuh. Denn ein gut durchblutetes Euter bedeutet eine hohe Milchabgabe. "Auch ein großer Bauch gilt als Schönheitsideal. Das bedeutet, dass die Kuh viel frisst und viel Milch gibt", sagt Babel. Diese Idealmerkmale können durch unterschiedliche Haarlängen und Haarschnitttechniken betont werden. Wichtig ist ein stufenloser Übergang vom kurzen auf das lange Fell.

Vorne ein bisschen mehr, hinten bitte nicht soviel wegnehmen – der Kuh ist es egal. Wohl aber nicht dem Züchter, geht es doch bei den Leistungsschauen um einen optimalen Eindruck bei potenziellen Käufern. Je schöner die Kuh, desto mehr verdient der Züchter.

Bevor es für die Kuh ans Haareschneiden geht, bedarf es einer ausgiebigen Körperwäsche. "Das Haar muss fettfrei sein", sagt Babel. Erst dann geht es mit der Schermaschine weiter. Bis zu zehn unterschiedliche Schermesser verwendet Babel, um dem perfekten Look zu erreichen. Mit einem Haarschnitt beim Menschen-Friseur ist das nicht zu vergleichen. "Jede Kontur, jeder Knochen soll gut herauskommen. Die Beine werden anders geschoren als das Euter", sagt Babel.

Extravaganzen gibt es bei der Kuh nicht. Allerdings geht es je nach Zucht und Rasse darum, bestimmte Merkmale besonders herauszustellen. Besondere Hilfsmittel und Kosmetika sind beim Kuhstyling also fehl am Platze? Nicht ganz, denn auch Kuhfitter arbeiten mit ein paar Tricks. So werden die Haare der Oberlinie mit einem speziellen Gel fixiert und in Form gebracht. Kuhfitter schmieren Euter auch mal mit Babyöl ein und sprühen Lackspray auf die Klauen. Und auch die längeren Haare am Ende des Schweifes werden mitunter aufgeföhnt. "Einige Besitzer möchten auch, dass ich bei der Kuh ein Toupet verwende, wenn an bestimmten Stelle die Haare nicht lang genug sind", sagt Babel.

Und wie sieht es mit den Jobchancen aus? In Deutschland kann man nicht ausschließlich von der Tätigkeit leben. Zumeist sind es Landwirte, die nebenberuflich als Kuhfitter arbeiten. In den USA dagegen gibt es viele hauptberufliche Kuhfitter.

Ein guter Friseur wird schnell weiterempfohlen

Für die Arbeit sollte man viel Geduld mitbringen und den Umgang mit Kühen kennen, beherrschen und mögen. Wie verhält sich das Tier? An welcher Stelle des Körpers ist die Kuh empfindlich? Ein landwirtschaftlicher Background ist daher sinnvoll. Manuelles Geschick, Fingerspitzengefühl und Ausdauer sind außerdem unabdingbar. "Pro Tier benötige ich etwa zwei Stunden, wenn die Kuh ruhig ist, geht's schneller. An zwei Tagen können es schon mal 15 oder sogar 20 Tiere sein", sagt Babel.

Eine Ausbildung zum Kuhfitter im klassischen Sinne gibt es nicht. An der Europan Young Breeders School (E.Y.B.S.) in Battice, Belgien besteht jedoch die Möglichkeit, das Kuhfitting in speziellen Kursen für Jungzüchter zu erlernen. Der Einstieg in den Job sei nicht ganz einfach, sagt Babel. Hat man es einmal geschafft, sei die Auftragslage aber gut. "Es spricht sich schnell herum, wenn jemand gute Arbeit leistet." Bezahlt wird Babel pro Kuh, je nach Umfang liegt der Preis zwischen 40 und 70 Euro pro Tier.

Wirkliche Schattenseiten hat der Kuhfriseur an seinem Job bisher nicht entdecken können. Zwar sei die  Nachtarbeit anstrengend, alles in allem mache dies aber auch Spaß und gehöre eben dazu. "Die Arbeit mit den Tieren ist auch nach Jahren immer noch toll. Und es ist auch nach wie vor eine Ehre, wenn ich eine schon mehrmals prämierte Kuh fitten darf."

  • Verdienst: je nach Erfahrung zwischen 40 und 70 Euro pro Tier;
  • Ausbildung: keine Ausbildung nötig, aber möglich;
  • Arbeitszeit: je nach Auftragslage mehrere Kuhfitting-Termine mit zwei bis vier Tagen pro Jahr;