Ich arbeite seit Langem am Limit. Gibt es einfache und schnelle Tipps, um nicht in einer tiefen Erschöpfung zu enden?, fragt Stefan Sahr, selbstständiger Architekt.

Sehr geehrter Herr Sahr,

Ihre guten Vorsätze sind schon einmal der erste Schritt zur Besserung. Damit es aber nicht nur bei einem Lippenbekenntnis bleibt, sondern auch in die Tat umgesetzt wird, sollten Sie sich nicht mit allzu komplizierten Maßnahmen überfordern.

Berufliche Belastungen verarbeiten Sie beispielsweise besser, wenn Sie ausgeruht sind. Daher sollten Sie generell darauf achten, genügend Schlaf zu bekommen. Sind Sie bereits in einem derart unruhigen Zustand, der Sie nicht schlafen lässt, versuchen Sie mit Ritualen (etwa immer wieder zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen), dem Beseitigen von Störquellen (beispielsweise den Fernseher aus dem Schlafzimmer verbannen) oder auch mit einem strikten Alkoholverzicht wieder zum Schlaf zu finden.

Den Überblick behalten Sie, wenn Sie Ihren Arbeitstag planen. Klingt einfach, ist aber sehr hilfreich. Räumen Sie Aufgaben wie zum Beispiel E-Mails beantworten, Telefonate führen oder Besprechungen mit Kollegen feste Zeiten ein. Und halten Sie für anspruchsvolle Aufgaben, bei denen Sie konzentriert sein müssen, ausreichend Zeit frei. Dazu gehören auch bewusste Pausen, in denen Sie nicht an Ihr Handy gehen, keine Mails beantworten oder den nächsten Termin gedanklich vorbereiten. Der Vorteil des kurzen Innehaltens hilft, Druck abzubauen.

Zudem sollten Sie sich beim Erledigen von Aufgaben immer wieder selbst überprüfen und sich fragen, ob das, was Sie gerade tun, sinnvoll ist und zum geeigneten Zeitpunkt erfolgt? Wer nicht zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheidet, verzettelt sich. Lernen Sie daher, die unwichtigen Aufgaben zu delegieren. Dazu müssen Sie aber klar kommunizieren, was Sie möchten und was nicht.

Wer rund um die Uhr arbeitet, riskiert seine Gesundheit und ist nicht mehr kreativ und leistungsfähig. Neben regelmäßigen Urlauben braucht der Mensch daher auch regelmäßige Auszeiten. Blocken Sie dafür jede Woche zwei bis drei feste Abende für Freizeitaktivitäten mit Familie und Freunden, bei denen Ihre Arbeit tabu ist. Zusätzlich sollten Sie Zeit für die Entspannung einplanen. Dabei ist es egal, ob Sie spazieren gehen, Musik hören oder meditieren – wichtig ist, dass Sie relaxen! Sie waren noch nie in der Oper? Sie haben noch nie eine Leinwand bemalt? Sie waren noch nie segeln? Dann machen Sie es. Brechen Sie auch aus Ihrem Alltagstrott aus und feiern eine Premiere.

Achten Sie dabei auch auf eine gesunde Ernährung. Das heißt nicht, dass Sie wie ein Asket leben müssen, Sünden dürfen durchaus auch mal sein. Grundsätzlich sollten Sie aber viel Obst und Gemüse und wenig Fleisch essen, Kaffee und Alkohol nur in Maßen genießen und von Zigaretten am besten ganz die Finger lassen.

Für einen langfristigen Erfolg bei der Umsetzung dieser Maßnahmen, sollten Sie sich Ihre Erfolge immer wieder bewusst machen. Auch sollte Ihnen klar sein, dass ein Erschöpfungszustand ein Prozess ist und nicht von heute auf morgen eintritt. Das hat allerdings auch den Vorteil, dass schon einfache Maßnahmen bald zu einer Verbesserung führen. Sicher ist allerdings auch, dass der Weg umso mühsamer wird, je weiter Betroffene in der Erschöpfung stecken.

Ihre Sabine Hockling