Die Forderung nach Flexibilität und Erreichbarkeit setzt Beschäftigte unter Druck: Wer auch in seiner Freizeit für den Job verfügbar ist, neigt eher zu Erschöpfungszuständen und Vereinbarkeitsproblemen. Das geht aus einer Umfrage der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) hervor, die von Kranken- und Unfallversicherungen getragen wird.

Von einem Fünftel (22 Prozent) der Befragten wird demnach erwartet, dass sie auch im Privatleben für dienstliche Angelegenheiten zur Verfügung stehen. Das belaste jeden dritten Betroffenen. Etwa 18 Prozent der Befragten lassen wegen der Forderung nach Erreichbarkeit private Aktivitäten ausfallen. 23 Prozent fühlen sich zu erschöpft, privaten Verpflichtungen nachzukommen. In geringerem Umfang habe ständige Erreichbarkeit auch emotionale Erschöpfung zur Folge, heißt es in dem Bericht der iga. Abhilfe könnten klare Absprachen und ausreichende Zeitpuffer schaffen.

Der Umfrage zufolge leisten zudem zwei Drittel der Erwerbstätigen regelmäßig Überstunden. Jeder Fünfte von ihnen fühlte sich durch die Erwartung der Mehrarbeit durch den Arbeitgeber belastet.

Die SPD und die Gewerkschaften fordern schon seit Längerem eine Anti-Stress-Verordnung, die die Verfügbarkeit von Arbeitnehmern grundsätzlich regeln soll. Von der Bundesregierung hieß es dazu, man beobachte die wachsende Zahl psychischer Erkrankungen mit großer Aufmerksamkeit. Allerdings reiche der Wissensstand noch nicht aus, um derzeit gesetzliche Regelungen umzusetzen. Es solle aber noch in dieser Legislaturperiode konkrete Handlungsempfehlungen geben. Auf deren Basis wolle die Bundesregierung prüfen, ob und wie diese umzusetzen seien, sagte eine Sprecherin.

Arbeit bedeutet der iga-Umfrage zufolge aber keineswegs nur Belastung: Etwa 80 Prozent der Befragten meinen, dass ihre Arbeit sie fit hält, 86 Prozent empfinden sie als vielseitig und abwechslungsreich. Für 79 Prozent der Männer und 84 Prozent der Frauen bringt das Berufsleben Anerkennung. 50 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen sind der Ansicht, dass sich Privates und Berufliches in einem ausgewogenen Verhältnis befinden. Lediglich 21 Prozent der Befragten würden den Beruf, die Branche oder den Arbeitgeber gerne wechseln.