Spitzenjobs in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft werden laut einer Untersuchung der Beratungsfirma Kienbaum immer riskanter. Im laufenden Jahr seien bereits zum jetzigen Zeitpunkt sechs Vorstände großer börsennotierter Unternehmen unfreiwillig abgetreten und damit so viele wie im gesamten Jahr 2013.

2009 hätten im Vergleich dazu nur insgesamt vier Top-Manager nach Querelen mit dem Aufsichtsrat oder mit Mitarbeitern gehen müssen, wie aus der Berechnung hervorgeht.

Es zeige sich ein Trend, den der Personalberater Hermann Sendele mit einer wachsenden "Hire and Fire"-Mentalität begründete. Viele Kontrolleure scheuten öffentliche Kritik und ließen die fürs operative Geschäft verantwortlichen Manager zu schnell fallen. "Uns fehlen die Aufsichtsräte, die bereit sind, einem medialen Shitstorm entgegen zu treten", sagte Sendel der Welt am Sonntag.

Zuletzt hatte Hessens ehemaliger Ministerpräsident Roland Roch als Vorstandschef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger seinen Hut nehmen müssen. Außerdem waren eine Reihe Spitzenmanagerinnen zurückgetreten. Viele von ihnen gaben persönliche Gründe für ihre Entscheidung an. Und auch weitere Top-Manager hatten aus gesundheitlichen Gründen den Chefsessel geräumt.

Der zunehmende Druck auf die Spitzenpositionen in der Wirtschaft ist schon seit Monaten immer wieder Gesprächsthema. Die Anforderungen an Führungskräfte haben sich in den letzten Jahren zunehmend verschärft. Einerseits ist Empathie gefragt, andererseits müssen Chefs schnell entscheiden und sich auch durchsetzen können.

Im folgenden zeigen wir zehn Tipps, wie sich Führungskräfte oben halten können:  

1. Ein perfekter Chef macht Fehler
Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

2. Eine gute Führungskraft ist nicht perfekt
Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

3. Ein guter Chef verbessert sich ständig
Darin liegt die Größe eines wirklich kompetenten Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, "jemand zu sein", sondern verstehen sich als "jemand, der wird" und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

4. Ein guter Chef ist Menschenfreund
Eine wesentliche Eigenschaft von guten Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

5. Eine gute Führungskraft versteht sich auch als Teamplayer
Eine kompetente Führungskraft sagt und meint "Wir!" und nicht "Ich!" Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

6. Gute Chefs fordern Menschen
Sie fordern Menschen heraus, wollen Leistung erleben und regen Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientieren sich gute Führungskräfte nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen.

7. Eine gute Führungskraft ist allerdings fachlich selten der Beste
Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Ein guter Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

8. Ein guter Chef verkörpert Werte
Grundvoraussetzung einer kompetenten Führungskraft sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

9. Eine gute Führungskraft bewirkt etwas 
Letztlich geht es um das wesentliche: Ein guter Chef bewirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

10. Ein guter Chef ist offen für andere Wirklichkeiten
Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Ein gute Führungskraft setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

Quelle: Perspektive Mittelstand