Wächter für den Luftverkehr

Ein Bildschirm voller kleiner farbiger Vierecke, die sich hin- und her bewegen, darunter jeweils kryptischen Zahlen- und Buchstabenfolgen: Was auf Laien wie ein undurchschaubares Konstrukt wirkt, ist für Fluglotse Ralf Theelen ein ganz normaler Teil seines Arbeitsplatzes. "Für Laien ist das, was auf unseren Monitoren dargestellt wird, bestimmt Böhmische Dörfer. Fluglotsen können da aber leicht den Überblick behalten. Dafür wurden wir schließlich ausgebildet", sagt Theelen, der am Flughafen Bremen arbeitet.

Die Aufgabe eines Fluglotsen ist es, die Flugzeuge sicher durch den Luftraum, für den er zuständig ist, zu leiten. Dazu gibt er Richtungs- und Höhenanweisungen und achtet darauf, dass die Luftfahrtfolge, die anhand des Flugplanes erstellt wurde, eingehalten wird. "Wie es normale Verkehrsstraßen gibt, so gibt es auch Luftfahrtstraßen, also festgelegte Strecken in der Luft, auf denen sich die Flugzeuge in verschiedenen Höhen bewegen", sagt Theelen. Die Flugzeuge fliegen auf den Flugstraßen in mehreren Hundert Metern Höhenabstand zueinander ihre Ziele an.

Bei Fluglotsen wird zwischen Centerlotsen und Towerlotsen unterschieden. Letztere arbeiten – wie der Name verrät – im Tower eines Flughafens und sind dafür zuständig, den Rollbetrieb in unmittelbarer Nähe des Flughafens sowie am Boden zu koordinieren. Dazu gehören alle an- und abfliegenden Flugzeuge in einem festgelegten Bereich rund um den Flughafen. Dieser Bereich umfasst rund zehn Meilen, also etwa 18 Kilometer. "Towerlotsen beaufsichtigen die Maschine am Boden, geben die Start- und Landeerlaubnis und erklären die Windverhältnisse", sagt Theelen.

Ab etwa 1.000 Fuß, also etwa 300 Metern Höhe, übernimmt der Centerlotse die Koordination der Maschine. Centerlotsen sind für einen fest zugewiesenen Luftraum verantwortlich. "Etwa 20 bis 25 Minuten, bevor ein Flugzeug in den Zuständigkeitsbereich einfliegt, bekommt der Lotse alle relevanten Infos über die Maschine", sagt Thelen. Die Centerlotsen geben dann insbesondere Anweisungen zu Höhe und Richtung an die Piloten.

Es gibt in Deutschland nur einen Arbeitgeber

Die Anzahl der Maschinen, für die Theelen als Centerlotse gleichzeitig zuständig ist, variiert und ist abhängig von Tageszeit und Luftraum. Nachts können es nur ein bis zwei Flugzeuge sein, um die er sich kümmern muss – am Tag zu Spitzenzeiten aber auch zehn bis 15 Flugzeuge gleichzeitig. Die Maschinen, die der Bremer Fluglotse koordinieren muss, werden auf einem Display als Viereck in einer bestimmten Farbe dargestellt; neben dem Viereck stehen Rufzeichen und Luftfahrtzeichen als Buchstaben-Zahlen-Kombination. Außerdem werden Flughöhe und Geschwindigkeit angezeigt.

Die Ausbildung zum Fluglotsen ist staatlich anerkannt und dauert drei Jahre. Einziger Arbeitgeber und Ausbilder in Deutschland ist die Deutsche Flugsicherung (DFS). Eine Lehrstelle zu bekommen, ist jedoch schwer. Nur etwa jeder zehnte Bewerber besteht den Einstellungstest; das Abitur müssen Bewerber auf jeden Fall vorweisen.

Wer zu den Glücklichen gehört, die einen Ausbildungsplatz ergattert haben, hat ein umfangreiches Programm vor sich. In einem ersten Theorieteil, der mehrere Monate dauert, stehen Wetterkunde, Luftfahrtrecht, andere gesetzliche Vorschriften, die technische Ausrüstung und die Funktionen sowie Englisch – insbesondere die vielen englischen Fachbegriffe – auf dem Lehrplan.

Dreidimensional denken können

Ralf Theelen © DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

Erst dann folgt die praktische Ausbildung in einem Fluglotsen-Simulator. Hier werden verschiedene realitätsnahe Szenarien mit einem fiktiven Luftraum nachgespielt, darunter Situationen mit weniger oder mehr Verkehr, aber auch brenzlige Situationen, etwa wenn ein Flugzeug technische Probleme hat. Hier ist der Azubi-Fluglotse dann gefordert: Wie muss man im Notfall reagieren? Welche Vorschriften sind in bestimmten Notfällen zu beachten?

"Während der Ausbildung lernen die zukünftigen Fluglotsen auch das Cockpit eines Passagierflugzeugs kennen, um zu sehen, wie das ist", erläutert Theelen. "Dazu werden sie im Cockpit-Simulator unterrichtet, müssen dann die Flughöhe und den Kurs halten."

Erst mit einem gewissen Erfahrungsschatz folgt der weitere praktische Teil der Ausbildung direkt in einem entweder in einem Tower der DFS oder einer Kontrollzentrale der DFS als Center- oder Towerlotse – schon während der Ausbildung spezialisiert man sich für einen der beiden  Lotsenjobs, wie Theelen erklärt. "Man wird dann von einem erfahrenen Lotsen bei der praktischen Arbeit begleitet."

Nach zwei Stunden folgt eine längere Pause

Sehr gute Englisch- und Mathematikkenntnisse sind für die Arbeit ebenso vonnöten wie ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. "Was vielen schwer fällt, ist das dreidimensionales Denken", sagt Theelen. Wichtig sind außerdem Organisationstalent, Belastbarkeit und die Fähigkeit, sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren zu können. Denn die Arbeit ist je nach Verkehrsaufkommen sehr anstrengend und fordernd.

Darum ist die Tätigkeit als Fluglotse auch kein Job, bei dem man acht Stunden ohne große Unterbrechungen arbeitet: "In Frankfurt und München wird maximal zwei Stunden am Stück gearbeitet, an weniger frequentierten Flughäfen höchstens 2,5 bis 3 Stunde", sagt Theelen. Dann ist eine Stunde Pause.

Etwa 2.000 Fluglotsen arbeiten an den deutschen Flughäfen. Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, kann sich 100-prozentig darauf verlassen, von der Deutschen Flugsicherung übernommen zu werden. Dafür müssen Fluglotsen aber Schichtdienst, Nachtschichten und Wochenendarbeit in Kauf nehmen.

Davon abgesehen bietet der Beruf jedoch auch viele positive Aspekte. "Die Arbeit ist immer wieder eine Herausforderung, insbesondere die hohe Verantwortung reizt mich stets aufs Neue", sagt Theelen.

  • Gehalt: Einstieg bei etwa 5.800 Euro pro Monat (brutto), steigert sich mit zunehmender Erfahrung;
  • Arbeitszeit: variiert, zwischen 34 und 38 Stunden in der Woche;
  • Ausbildung: duale, staatlich anerkannte Ausbildung mit drei Jahren Dauer bei der Deutschen Flugsicherung.