Steinzeitliche Siedlungen, altertümliche Werkzeuge oder legendäre Goldschätze: Wenn bei Ausgrabungen spektakuläre Funde gemacht werden, stehen oft nur die leitenden Archäologen im Rampenlicht. Zu Unrecht, denn ohne die Hilfe von Grabungstechnikern würde manch Ausgrabung gar nicht erst stattfinden. 

"Wir arbeiten eng mit Archäologen und archäologischen Einrichtungen zusammen, denn wir übernehmen die technische Leitung bei Ausgrabungen, unterstützen bei der Auswertung und der Laborarbeit, koordinieren das sachgerechte Bergen der Funde. Wir bereiten eigentlich jede Grabung vor – und sorgen auch für die Nachbereitung", sagt Maria Malina, die selbst in diesem Beruf arbeitet.

Zum Job gehört noch mehr: Grabungstechniker verwalten die gesammelten Daten, arbeiten bei Ausstellungen mit und sind an der Öffentlichkeitsarbeit beteiligt.

Vor einer geplanten Grabung müssen sie mit den Vorbereitungen beginnen: Ausrüstung organisieren, das Team zusammenstellen. Im Gelände – also am Ort der Grabung – wird das Vorgehen besprochen und die Grabungstechnik festgelegt. Dabei dokumentieren Malina und ihre Kollegen schon während der Ausgrabung den kompletten Ablauf, vermessen Grabungsstelle, halten Art, Umfang, Lage und Position sowie die Abmessungen der Funde akribisch fest. Sie erstellen Pläne der Fundstellen und digitalisieren diese. Dann werden die gesammelten Daten mit den bereits vorliegenden Zahlen verglichen.

"Alles, was während einer Ausgrabung passiert, halten wir fotografisch fest, wir schreiben es mit und wir fertigen Zeichnungen an", sagt Malina. Außerdem reinigen, inventarisieren und verpacken sie und ihre Kollegen die Funde. Später helfen die Grabungstechniker bei der Untersuchung der Funde, archivieren sie und geben sie an die Archäologen weiter.

Reges Interesse für Archäologie und Geschichte, gute Englischkenntnisse, ein Sinn für Ordnung sowie Genauigkeit und Geduld sind für die Arbeit wichtig. Außerdem brauchen Grabungstechniker Organisationstalent, Verantwortungsbewusstsein, Eigeninitiative und Liebe fürs Detail.

"Eine Ausgrabung ist ja immer auch eine Zerstörung des Fundplatzes. Was nicht an Daten gesammelt wurde, das ist unwiederbringlich verloren. Daher müssen Dokumentation und Datenerfassung so genau wie möglich sein", sagt Malina.

Die Ausbildung ist nicht staatlich anerkannt und kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. So besteht die Möglichkeit eines Bachelor-Studiums der Grabungstechnik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Ein Master-Studium kann im Anschluss zusätzlich erfolgen. An einem archäologischen Landesamt kann außerdem eine Fortbildung zum geprüften Grabungstechniker gemacht werden. Als Voraussetzung für die dreijährige Fortbildung muss zuvor eine Ausbildung in einem handwerklichen oder technischen Beruf abgeschlossen worden sein. Parallel dazu bietet die Universität Tübingen eine zweijährige Ausbildung zum Techniker für Archäologiewissenschaften, kurz Archäotechniker, an. Die Ausbildungsinhalte von Grabungstechnikern und Archäotechnikern sind nahezu identisch.

In der Ausbildung wird ein sehr umfangreiches Wissensspektrum gelehrt, am wichtigsten ist aber die Arbeit im Gelände. Und das wird nicht nur theoretisch sondern auch praktisch vermittelt. Wie plane ich eine Ausgrabung? Was muss vorbereitet werden? Welche Grabungstechniken eigenen sich wo? "Wir sind aber nur etwa 20 Prozent unserer Arbeitszeit wirklich im Gelände unterwegs. Die meiste Zeit verbringen wir mit Auswertung, Dokumentation und Publikation der Exponate", sagt Malina.

Freie Stellen sind rar

Ein weiterer wichtiger Arbeits- und Ausbildungsbereich ist daher der Bereich Dokumentation und Auswertung. Welche Dokumentations- und Auswertungstechniken gibt es? Wie werden Funde veröffentlicht und ausgestellt? Wie fertigt man Handzeichnungen an? Die akribische Datenaufnahme ist besonders wichtig. "Bei einer Ausgrabung kommen schnell mehrere Tausend Datensätze pro Fundplatz zusammen", sagt Malina.

Die Jobsuche ist allerdings schwierig. Arbeitgeber sind das Landesdenkmalamt, Museen, Grabungsunternehmen und Forschungseinrichtungen. Freie Stellen sind aber rar. "Der Bedarf ist sehr gering", sagt Malina. Wer das Glück hat, als Grabungstechniker bei einem Projekt dabei sein zu dürfen, bekommt in der Regel nur einen befristeten Arbeitsvertrag.

Auch Reisebereitschaft gehört zum Job, zudem muss man bereit sein, auch längere Zeit in der Natur bei den Ausgrabungsplätzen zu verbringen. Unempfindlichkeit gegenüber Schmutz und kalten oder heißen Temperaturen sind da von Vorteil. Und Überstunden gehören auch dazu, denn die Arbeit als Grabungstechniker ist kein Nine-to-Five-Job.

Maria Malina würde dennoch keinen anderen Beruf ausüben wollen. "Jede neue Ausgrabung ist anders, man erlebt und sieht immer wieder neue spannende Dinge. Außerdem ist man viel unterwegs, lernt fremde Kulturen, Länder und Menschen kennen. Es gibt kaum einen anderen Beruf, in dem man derart einzigartige Erlebnisse hat."

  • Verdienst: zwischen 1.500 und 2.900 Euro brutto im Monat. Das Gehalt variiert stark und ist abhängig vom Arbeitgeber, dem zugeordneten Projekt sowie der Erfahrung.
  • Ausbildung: sowohl Studium als auch dreijährige Fortbildung und zweijährige Ausbildung zum Grabungstechniker bzw. Archäotechniker möglich;
  • Arbeitszeit: variiert stark, offizielle etwa 40Stunden proWoche, Überstunden sind die Regel;