Wenn Ulrike Goldmann von ihrer Arbeit als Pathologin erzählt, heißt es oft: Oh, sie sind Gerichtsmedizinerin? Die Arbeit mit Verbrechensopfern ist sicher spannend. Dann muss Goldmann einiges richtig stellen. "Der Beruf des Pathologen wird oft verwechselt mit dem des Gerichtsmediziners, der sich mit den Opfern von Straftaten beschäftigt. Meine Arbeit hat damit jedoch nichts zu tun", sagt Goldmann. Ganz im Gegenteil: Nur ein ganz kleiner Teil der Arbeit hat auch mit der Untersuchung von verstorbenen Menschen zu tun. "Wir ermitteln die Todesursache, wenn sie nicht eindeutig ist", sagt die Pathologin. Doch der überwiegende Teil der Arbeit betrifft lebende Menschen: Denn in der Pathologie werden vor allem Gewebeproben untersucht. Entfernt ein Arzt beispielsweise bei einem Patienten einen Leberfleck mit Verdacht auf Krebs, so ist es Goldmanns Job, herauszufinden, ob es sich wirklich um eine bösartige Veränderung handelt.

Auch andere Krankheiten, etwa bakterielle Infektionen können Pathologen anhand des Gewebes unter dem Mikroskop erkennen. Selbst Transplantate, Organe wie Leber, Niere und Gliedmaßen, werden von den Pathologen vor der Transplantation untersucht.

Oft müssen Pathologen während einer Operation frisches Gewebe untersuchen. Im Fachjargon wird das Schnellschnitt genannt. "Manchmal ergeben sich innerhalb einer OP Fragestellungen hinsichtlich des Gewebezustandes. Meistens geht es dabei um Krebs", sagt Goldmann.  Ein Teil des Gewebes wird eingefroren und in dünne Scheiben geschnitten und dann auf zwei Glasplatten gegeben. Die Probe wird anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Untersucht wird insbesondere der Bereich in unmittelbarer Umgebung des Tumorgewebes, um festzustellen, ob in gesundem Gewebe weitere Tumorzellen sind. "Man möchte sichergehen, dass der Tumor komplett entfernt wurde, um dann, falls dies nicht der Fall ist, gleich weiter operieren und korrigieren zu können", sagt die Pathologin. Bei solchen Schnellschnitten kommt es auf die Zeit an. Häufig dauere so eine Untersuchung 15 bis 30 Minuten, dann wissen die Chirurgen, wie sie weitermachen müssen.

Den Großteil der Arbeit machen aber konservative Gewebeproben aus, bei denen sich die Pathologen mehr Zeit nehmen können. Hier wird zunächst die Vorgeschichte des Patienten begutachtet. Welche Vorerkrankungen gab es bereits? Wie lange liegen diese zurück? Gab es bereits therapeutische Maßnahmen?

Im Normalfall wird immer der Bereich an der Grenze vom gesunden zum kranken Gewebe untersucht. Das ausgesuchte Gewebe wird über Nacht in Parafin eingelegt und so für die Ewigkeit haltbar gemacht. Meistens wird die Probe zudem eingefärbt, um Unterschiede im Gewebe besser sichtbar zu machen. "Eine auf diese Weise konservierte Gewebeprobe ergibt eine wesentlich bessere Untersuchungsqualität", sagt Goldmann.

Auch hier schneiden die Pathologen die Probe in dünne Scheiben und geben sie auf Objektträger, um sie unter dem Mikroskop untersuchen zu können. Die Ergebnisse werden dokumentiert und weitergegeben. "Als Arzt in der Pathologie arbeitet man in erster Linie mit dem Mikroskop. Es dreht sich immer alles um die Frage, ob krankes Gewebe vollständig entfernt wurde", sagt Goldmann.

Die Ausbildung  ist langwierig und beginnt mit einem normalen Medizinstudium. Das Studium allein dauert sechs Jahre, anschließend folgt ein Praxisjahr. Erst dann folgt die eigentliche Spezialisierung als Weiterbildung zum Pathologen oder zur Pathologin, etwa in der Pathologie einer Klinik. Zu den Inhalten gehört etwa die Vorbereitung und Bearbeitung von Gewebeproben, die Diagnostik sowie auch die Obduktion. Welche Teile des Präparates werden bearbeitet? Wie erfolgt die Untersuchung?

Pathologen in Weiterbildung werden immer von einem erfahrenen Facharzt begleitet, jeder Arbeitsschritt wird begutachtet und kontrolliert. "In den sechs Jahren muss man bestimmte Aufgaben erfüllen und beherrschen, unter anderem muss man etwa 500 Schnellschnitte bearbeitet haben und etwa 100 Obduktionen durchgeführt haben", sagt Goldmann. Jede Aufgabe wird in einem Leistungskatalog festgehalten. Erst wenn alle Aufgaben in vorgeschriebener Anzahl absolviert wurden, darf sich der Pathologe in spe mit einem Referenzschreiben eines leitenden Pathologen für die Facharztprüfung anmelden.

In der Prüfung werden Fallbeispiele von erfahrenen Fachärzten vorgelegt, die die angehenden Pathologen diskutieren und erklären müssen. Wer die Prüfung besteht, hat den Facharzt geschafft. "Und erst dann darf man eigenständig Diagnosen stellen", sagt Goldmann.

Stressresistenz, gute Nerven sowie Genauigkeit sind für die Arbeit nötig. Außerdem braucht man ein gutes Gedächtnis, denn man muss Gewebemuster erkennen können und diese einzuordnen wissen. Auch Durchhaltevermögen ist wichtig, denn Pathologen müssen sich stets weiterbilden und auf den neuesten Stand der Wissenschaft bringen. Zu guter Letzt ist natürlich auch ein stabiler Magen für die Arbeit unerlässlich. Denn Pathologen sehen bei ihrer Arbeit einiges. "Aber man gewöhnt sich schnell daran", sagt Goldmann.

Schattenseiten hat die Pathologin an ihrem Beruf bisher nur wenige finden können. Lediglich der direkte Patientenkontakt fehle ihr bisweilen. "Man wüsste oft gerne: Was wird aus den Leuten? Das erfährt man in der Regel nicht", sagt sie. Für sie überwiegen dennoch eindeutig die positiven Seiten ihres Berufes. Denn im Gegensatz zu vielen Kollegen, die in anderen medizinischen Bereichen als Arzt arbeiten, hat Goldmann verhältnismäßig stabile und damit familienfreundliche Arbeitszeiten. Und sie mag die Abwechslung in ihrem Job. "Ich weiß morgens nicht, was mich am Tag erwartet. Außerdem habe ich es als Pathologin nicht nur mit einem Bereich des Körpers zu tun, sondern sehe von Kopf bis Fuß alles vom Menschen. Das fasziniert mich immer wieder aufs Neue."

  • Gehalt: Das Gehalt variiert und liegt abhängig von Arbeitsort, Alter und Erfahrung zwischen 4.000 und 10.500 Euro brutto/Monat;
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden/Woche;
  • Ausbildung: sechsjähriges Studium der Medizin inklusive einjährigem Praxisjahr ist Voraussetzung für eine sechsjährige Weiterbildung zum Pathologen oder zur Pathologin;