Ich möchte demnächst einen Tag zur Probe arbeiten. Sollte ich dafür auf einen Vertrag bestehen, der alle Rechte und Pflichten regelt?, fragt Manuel Kaiser.

Sehr geehrter Herr Kaiser,

solch eine, wenn auch stark verkürzte, Probearbeit ist nicht unüblich. Dafür braucht der Betrieb Sie auch noch nicht einmal einzustellen, weil ein Vertrag eigener Art begründet wird. Die Rechtsprechung ermöglicht die Probearbeit vor der Einstellung eines Mitarbeiters. Ein solches Einfühlungsverhältnis (auch Schnupper-Praktikum genannt) kann jederzeit begründet und auch mündlich gekündigt werden.

Das Besondere an einer Probearbeit ist, dass der potenzielle Mitarbeiter sich zwar im Unternehmen bewegt und auch hier und da tätig wird. Eine Pflicht zur Arbeit besteht allerdings nicht. Der Chef hat kein Weisungsrecht dem potenziellen Mitarbeiter gegenüber. In der Regel vereinbaren Arbeitgeber und Probearbeiter sogar für die Probearbeit eine kleine Aufwandsentschädigung – vor allem, wenn dieser auch verwertbare Arbeitsleistungen erbringt (siehe dazu auch ein Urteil des LAG Bremen vom 25.07.2002, Az.: 3 Sa 83/02). 

Anders sieht es aus, wenn der Arbeitgeber dem Probearbeiter Anweisungen gibt, dann muss eine Vergütung nicht ausdrücklich vereinbart werden. Denn in diesem Fall kann ein Probearbeiter davon ausgehen, dafür entlohnt zu werden – wie ein Urteil des LAG Schleswig-Holstein zeigt (Az.: 4 Sa 11/05). Entscheidend ist auch, wie lange der potenzielle Mitarbeiter eingesetzt wurde. Für ein Arbeitsverhältnis sprechen die Länge, die ein potenzieller Mitarbeiter im Betrieb tätig war, und die Anzahl der Tage, die er tatsächlich vollwertige Arbeiten erledigte.

Eine schriftliche Vereinbarung über die Probearbeit ist daher generell sinnvoll.

Dafür braucht es lediglich ein Schreiben, in dem festgehalten wird, wer wann und wo zu welchem Zweck zur Probearbeit erscheint. Ist der Probearbeiter an diesem Tag in einer bestimmten Abteilung oder Bereich im Einsatz, sollte auch das erwähnt werden. Der Hinweis, dass keine Arbeitspflicht besteht, sollte genauso Bestandteil der Vereinbarung sein wie der Vermerk, dass beide Seiten die Probearbeit jederzeit mündlich beenden können. Und soll der Probearbeiter für seinen Einsatz nicht entlohnt werden, sollte diese Anmerkung ebenfalls enthalten sein. So entstehen gar nicht erst Missverständnisse. 

Oft ist nicht bekannt, dass kein Versicherungsschutz durch die gesetzliche Unfallversicherung besteht, wenn ein Bewerber im Betrieb mitarbeitet, um einen Einblick zu erhalten. Grundlage für einen Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung ist der Status als in den Betrieb integrierter Arbeitnehmer, den ein Probearbeiter nach Einschätzung der Unfallversicherungsträger nicht erfüllt.

Ihr Ulf Weigelt