Bloody Mary, Manhattan, Sex on the Beach: Das waren die klassischen Cocktails der achtziger und neunziger Jahre. Heute sind nicht nur auf Silvesterpartys eher Mojito, Long Island Icetea oder Swimming Pool gefragt. "Als Bartender sollte man schon alle Klassiker und die gängigsten Cocktailrezepte kennen", sagt Andreas Beyer. Er arbeitet als Barkeeper in einer Szenebar in Bremen. Und räumt gleich mit einem Vorurteil auf: Keineswegs wirbeln Barkeeper ständig mit Flaschen und dem Mixer herum. Dieser Part ist eher Unterhaltung für die Gäste. "Die überwiegende Mehrzahl der Barkeeper mixt aber einfach nur gute Cocktails – ohne große Sperenzien", sagt Beyer.

Unterhaltung ist dennoch wichtig. Barkeeper sind Entertainer, Zuhörer und Seelsorger. Sie brauchen Ausstrahlung, Kontaktfreudigkeit und Einfühlsamkeit. "Man sollte nicht auf den Mund gefallen sein. Und man muss offen sein und sich in den Gast hineinversetzen können", sagt Beyer. Denn oft kennen die Besucher nur wenige Cocktailsorten und fühlen sich bisweilen unsicher. Viele wissen nicht, was ihnen außerdem schmecken würde oder welcher Drink gerade angesagt ist. Darum sollten die Männer und Frauen an der Bar auch beraten können. Mag der Gast es eher süß, fruchtig oder herb?     

Entscheidend ist die Qualität. Eine gleich bleibende Qualität der Cocktails ist schließlich auch ein entscheidender Faktor für den Erfolg einer Bar. So sollten stets hochwertige Alkoholika sowie Fruchtsäfte und Früchte verwendet werden. Dazu sollte man sich gut mit Zutaten und der Verarbeitung auskennen. Das exakte Mischungsverhältnis der Zutaten macht den Unterschied. "Wenn der Cocktail beim ersten Besuch gut und dann wieder ganz anders schmeckt, kommt der Gast womöglich nicht wieder", sagt Beyer.  

Da der Beruf nicht staatlich anerkannt ist, gibt es keine einheitlich geregelte Ausbildung. Spirituosenhersteller wie etwa Diageo haben spezielle Ausbildungen zum Bartender im Programm. In Hotelbetrieben mit angeschlossener Bar oder angesagten Szenebars kann der Job als Barkeeper im Rahmen einer Ausbildung erlernt werden. Um eine freie Stelle zu ergattern, ist eine abgeschlossene Ausbildung im Gastro- oder Hotelgewerbe hier auch gern gesehen, aber nicht immer Bedingung. Zudem gibt es eine Vielzahl privater Ausbildungseinrichtungen, die eine Ausbildung zum Barkeeper für Hotelfach- oder Restaurantfachfrauen und -männer anbieten. In diesen Schulen können sich Barkeeper auf die IHK-Prüfung zum geprüften Barmixer IHK vorbereiten.

Von der Qualität hängt der Ruf der Bar ab

Mit diesen Qualifikationen steht einer Laufbahn in gehobenen Bar- und Gastrobetrieben meist nichts mehr im Wege. Allerdings tummeln sich in der Branche ebenso viele, die sich die nötigen Kenntnisse für den Beruf durch learning-by-doing angeeignet haben. Nicht wenige arbeiten nebenberuflich, etwa während des Studiums, in dem Beruf. Viele sind jedoch auch hauptberuflich als Barkeeper tätig. Die Zahl der Hauptberuflichen ist sogar in den letzten Jahren gestiegen. Denn Cocktails sind ein Lifestyleprodukt – und ähnlich wie der Beruf als Barista hat auch die Tätigkeit als Bartender ein attraktives Image, das viele Quereinsteiger anzieht. 

Getränke servieren, womöglich in der eigenen Bar, mit Gästen unterhalten und lachen, jeden Abend eine große Party mit vielen netten Menschen – ist Bartender ein Traumberuf? "Das kann so sein, muss es aber nicht unbedingt", sagt Beyer. Denn das Nachtleben ist oft anstrengend und fordernd. Arbeiten bis in den frühen Morgen, und das nicht nur am Wochenende, oft Stress und Hektik über mehrere Stunden – das kann körperlich an die Substanz gehen. Belastbar müsse man als Barkeeper auf jeden Fall sein, sagt Beyer. Auch ist die Entlohnung nicht immer üppig. Häufig liegen die Stundenlöhne nur knapp über Mindestlohn. Trinkgeld kommt aber häufig dazu. Und auch der ständige Umgang mit Alkohol ist nicht zu unterschätzen. "Manche Gäste erwarten, dass der Barkeeper auch etwas trinkt. Da muss man aufpassen."

Er selbst arbeitet seit neun Jahren als Bartender. Ans Aufgeben denkt Beyer aber nicht.  "Man lernt viele interessante Menschen kennen. Wenn die Bar rappelvoll ist, ein guter DJ auflegt und die Leute Spaß haben, dann weiß ich, dass ich den richtigen Beruf habe."

  • Gehalt: variiert, ab etwa 9 Euro aufwärts;
  • Arbeitszeit: variiert, bis zu 10 Stunden täglich, bis zum frühen Morgen;
  • Ausbildung: keine Ausbildung nötig, kostenpflichtige Ausbildung an privaten Ausbildungsstätten aber möglich