ZEIT ONLINE: Sind Jahresauftakt-Veranstaltungen für Führungskräfte Pflicht, um ins neue Jahr zu starten, Frau Becker?

Linda Becker: Ich persönlich finde es sehr wichtig, als Führungskraft gemeinsam mit den Mitarbeitern ins neue Jahr zu starten. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit dem Team einen solchen Start zu vollziehen.

Große Unternehmen bieten ihren Mitarbeiten hier nicht selten eine große Veranstaltung mit Motivationstrainer oder einer besonderen Location. Kleinen Unternehmen ist das meist aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Ich persönlich finde bei einem so genannten Kick-off-Meeting den strukturierten Ausblick wesentlich wichtiger als Teambildungsmaßnahmen.

ZEIT ONLINE: Und was gehört zu so einem Ausblick?

Becker: Vorgesetzte sollten kommunizieren, wohin sich das Unternehmen im kommenden Jahr entwickeln soll. Auch sollten sie darauf eingehen, was sie von jedem einzelnen Mitarbeiter erwarten. Kommt es bei den Zielen zu Fragen oder auch Vorbehalten, sollte die Führungskraft sich dem stellen und darauf eingehen und auch Korrekturen erwägen.

Wichtig ist, dass die Führungskraft sowohl die Herausforderung klar benennt als auch Antworten parat hat.

Auf keinen Fall würde ich bei diesem Anlass umfassend zurückblicken, das sollte stets am Jahresende stattfinden. Kick-off-Meetings dienen dazu, nach vorn zu schauen. 

ZEIT ONLINE: Wie konkret sollte man sein? Vieles lässt sich zum Jahresanfang nur vage skizzieren.

Becker: Verliert sich eine Führungskraft in unklaren Aussagen, bekommen Mitarbeiter kein Bild, was konkret von ihnen erwartet wird. Dahinter steckt bei den Führungskräften oft Unsicherheit oder aber auch schlechte Vorbereitung. Oder die Führungskraft hat bereits bei mit Widerstand in der Belegschaft gerechnet und möchte diesen gerne umgehen. Dann verlieren sich manche Chefs bewusst in vagen Aussagen. Die Folge ist jedoch, dass die Mitarbeiter verunsichert werden oder sich distanzieren. Zudem wird es dann auch schwierig, die Ziele tatsächlich zu erreichen. Denn das klappt nur, wenn jeder Einzelne die Erwartungshaltung an seinen Beitrag kennt.

Führungskräfte sollten daher Ziele immer klar und konkret kommunizieren.

Eine Jahresauftaktveranstaltung sollte man außerdem nutzen, um Vertrauen aufzubauen und zu festigen. Denn stellt sich das Management Fragen und Vorbehalten und gesteht gegebenenfalls auch Fehler ein, ist das glaubwürdig. Zahlen, Daten und Fakten sind wichtig, sie sorgen aber allein noch nicht für einen gelungenen Auftritt.

Außerdem ist wichtig, als Mensch aufzutreten und diese Aufgabe nicht einfach nur abarbeiten zu wollen.