Auf die Optik kommt es an – Seite 1

Das Brathähnchen glänzt appetitlich, Obst und Gemüse sind makellos. Foodstylisten wie Andreas Miessmer helfen mit Tricks nach, damit Lebensmittel in Hochglanzprospekten oder auf Produktverpackungen ansprechend aussehen. "Für den Verzehr zubereitete Speisen sehen oft nach kurzer Zeit schon nicht mehr ansehnlich aus. Foodstylisten bereiten die Lebensmittel so zu, dass sie vor der Kamera auch mal eine halbe Stunde oder länger gut aussehen. Das Auge isst schließlich mit", sagt Miessmer.

Dazu hat er als ausgebildeter Koch im Laufe der Zeit seine ganz persönlichen Tricks entwickelt. "Jeder Foodstylist hat seine eigenen Methoden, damit Lebensmittel länger gut aussehen. Einige arbeiten mit Lack und Haarspray oder sonstigen ungewöhnlichen Mitteln, um die Lebensmittel vor der Kamera möglichst lange gut aussehen zu lassen", sagt Miessmer. Er bevorzuge jedoch natürliche Methoden, um die Speisen und Getränke gut aussehen zu lassen. "Damit etwa eine Tomatensuppe keine Haut bekommt, richte ich sie einfach kalt oder nur lauwarm an."

Andere Hilfsmittel sind ebenfalls nicht ungewöhnlich. Ein kleiner Pinsel und ein bisschen Olivenöl sorgen für den richtigen Glanz, kleine Wassertröpfchen aus der Sprühpistole lassen das Produkt frisch aussehen. Mittlerweile sei erkennbar, dass einige Hersteller von Lebensmitteln vermehrt Wert darauf legen, dass bei der Produktpräsentation nicht zu sehr manipuliert wird, sagt Miessmer. "Hilfsmittel wie Eischaum im Bier oder Altöl auf der Schokolade, um die Produkte aufzuhübschen, sind immer häufiger unerwünscht."

Als Grund dafür vermutet Miessmer: Kochsendungen im TV sensibilisieren die Zuschauer für die wahre Optik von Lebensmitteln. Zu sehr gestylte Lebensmittel kommen beim Verbraucher oft nicht mehr gut an, entsprechend denken die Hersteller um.

Hier kommt gelernten Köchen die Ausbildung zugute, für das ansehnliche Herrichten der Lebensmittel auch authentische Wege finden zu können. Ein anderer Aspekt ist für Miessmer beim Foodstyling dennoch viel wichtiger. "Gute und qualitativ hochwertige Ware zu haben, ist enorm hilfreich. Je besser die Ware, desto leichter die Arbeit", sagt der Foodstylist. Die Warenbeschaffung ist daher oft die größte Hürde.

Eine Ausbildung zum Foodstylisten gibt es nicht, ebenso wenig ein einheitliches Berufsbild. Die meisten Foodstylisten kommen aus dem Kochhandwerk. Nicht wenige haben eine Ausbildung zum Fotografen absolviert und sind durch ihre Affinität zum Kochen zum Foodstyling gekommen. "Das nötige Knowhow hat sich jeder Foodstylist selbst angeeignet, durch Ausprobieren und Learning by doing, manchmal auch durch ein Praktikum bei einem erfahrenen Koch oder Foodstylisten", sagt Miessmer.  

"Die Arbeit ist extrem kreativ und abwechslungsreich"

Zusätzliches Hintergrundwissen über das Handwerk des Fotografen könne für die Arbeit als Foodstylist nicht schaden, meint Miessmer. Der Dialog mit dem Fotografen erleichtere die Arbeit meist. Wie stellt sich der Kunde das Produkt vor? Welche Farben und welches Licht wünscht er? Was soll das Bild letztlich ausdrücken? "Es ist hilfreich, wenn man ungefähr weiß, wie das Licht gesetzt werden muss und welche Verschlusszeit bei den vorhandenen Lichtverhältnissen sinnvoll ist", sagt Miessmer.

Geduld, Präzision, Disziplin, Verschwiegenheit und Seriosität sowie gute Menschenkenntnisse sind für die Arbeit wichtig. Auch Improvisationstalent sollten Foodstylisten mitbringen, denn oft werden Pläne während des Shootings oder des Drehs umgeworfen. Darauf muss der Foodstylist schnell reagieren und lösungsorientiert handeln können.

Mitunter sei die Arbeit deshalb nicht einfach. "Es kommt vor, dass man ein Gericht drei, vier oder sogar fünf Mal neu zubereiten und anrichten muss, weil das Ergebnis im Bild nicht gefällt", sagt Miessmer. Überhaupt sei die Arbeit bisweilen stressig, lange Arbeitstage mit zwölf oder mehr Stunden seien keine Seltenheit. Reisebereitschaft, auch an Wochenenden, gehört ebenfalls zum Beruf.

Stellen als Angestellte sind in der Branche rar. Nur wenige Foodstylisten gehen dem Beruf im Angestelltenverhältnis nach, die überwiegende Mehrzahl arbeitet freiberuflich. Als Schattenseite sieht Miessmer das aber nicht. "Ich bin viel unterwegs, lerne viele Städte und interessante Menschen kennen", so beschreibt er Gründe, warum ihm sein Beruf gefällt. "Die Arbeit ist extrem kreativ und abwechslungsreich. Von Getränken und Backwerk über Käse bis hin zu vegetarischen, Fleisch- oder Fischgerichten – jeder Auftrag ist anders und immer wieder spannend."

  • Gehalt: Tageshonorar zwischen 300 und 1.100 Euro, abhängig von Art und Umfang des Auftrags;
  • Arbeitszeit: variiert, zwölf Stunden und mehr pro Tag sind keine Seltenheit;
  • Ausbildung: keine Ausbildung möglich, Ausbildung als Koch und/oder Fotograf hilfreich bzw. empfehlenswert.