Wenn auf den Umzügen in der Karnevalshochburg Düsseldorf bekannte Politiker in Form von bunten Skulpturen durch den Kakao gezogen werden, hat sicher Jacques Tilly seine Finger im Spiel gehabt. Der studierte Designer ist Inhaber eines Unternehmens, das "für Film und Theater Kulissen und Dekorationen anfertigt".

Sein Spezialgebiet ist allerdings der Bau von Karnevalswagen. Witzig und kritisch zugleich soll es sein. Da kann ein Putin als kraftstrotzender Muskelprotz oder eine Merkel im Bikini nicht schrill genug sein. Tilly baut die Umzugswagen aber nicht allein, sondern mit einem Team von Bühnenplastikern zusammen.

"Was wir machen, ist Satire in 3D. Meist arbeiten Bühnenplastiker im Theater, wo sie die Kulisse der Bühnen gestalten. Bei uns bauen sie in den Wochen vorm Karneval komplette Wagen", sagt Tilly. Jeder Wagen wird in mühevoller Handarbeit gefertigt und ist immer ein Unikat.

Bevor es jedoch überhaupt an den Bau der übergroßen Plastiken geht, bedarf es einer umfangreichen Planung. Was soll gemacht werden, welche Details sind wichtig, welche Stimmung soll das Ganze ausdrücken? "Die Idee muss klar kommuniziert werden", sagt Tilly. Er fertigt Skizzen an und legt sie den Kunden vor. Die Kunden, das sind in der Regel Karnevalsvereine. Ist die Idee abgesegnet, entwerfen Tilly und sein Team detaillierte Baupläne.

Dabei muss er penibel arbeiten und allerlei berücksichtigen. Wie sieht das Grundgerüst aus? Wie viel Material wird benötigt? Welche Abmessungen hat das Projekt? Bei Film- und Theaterproduktionen werden die Kulissen aus Styropor detailgenau herausgeschnitzt. "Da werden Unmengen an Styropor benötigt. Die Arbeit mit Styropor ist sehr aufwendig, dauert entsprechend lange und produziert Unmengen an Abfall. Daher bevorzugen wir für die Karnevalsaufbauten ein Holzinnengerüst, auf dem Maschendraht befestigt wird", sagt Tilly. Der Maschendraht wird dann durch Biegen in die gewünschte Form gebracht und mit einem speziellen Papier verkleidet. Anschließend wird das in Knochenleim getunkte Spezialpapier mit Acrylfarben bemalt. Der Vorteil dieser Bauweise: Die Figuren sind sehr leicht, die Fertigung geht sehr schnell. Und trotz der nur dünnen Außenhaut aus Papier halten die Aufbauten sogar Wind und Regen stand.

"Ein aktueller Wagen kann auch in zwei Tagen gebaut werden"

Einige Tage bis hin zu mehreren Wochen dauert die komplette Fertigung eines Karnevalwagens, je nach Größe und Schwierigkeitsgrad. "Ein Karnevalswagen, der einen Aufbau mit aktuellen politischen Inhalten hat, kann auch innerhalb von zwei Tagen fertiggestellt werden", sagt Tilly.

Bevor der Wagen fertig ist, prüft Tilly das Werk genau. Sind die Farben zu dunkel oder zu hell? Stimmen die Abmessungen? Ist der dargestellte Inhalt und sind die dargestellten Personen erkennbar? Ganz zum Schluss werden die Figuren auf den Wagen gehoben und in Position gebracht. Meist setzt sich ein Karnevalswagen aus mehren Teilen zusammen. "Auf diese Weise ist fast alles realisierbar, dennoch gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade. Porträts sind immer schwierig. Wir müssen einen hohen Wiedererkennungswert schaffen und die Figuren gleichzeitig lustig aussehen lassen", sagt Tilly.

Der Beruf des Bühnenplastikers ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf und dauert drei Jahre. Innerhalb der Ausbildung lernen die Azubis alles über die verwendeten Materialien, das Anfertigen von Entwürfen und Zeichnungen, den Umgang mit Werkzeugen und das Bearbeiten von Oberflächen. Ganz wichtig ist auch Kunstgeschichte, insbesondere die unterschiedlichen Merkmale der geschichtlichen Epochen wie etwa Barock oder Gothik. Für die Arbeit wird überdurchschnittliches handwerkliches Geschick, Kreativität sowie künstlerisches Talent benötigt. Man müsse, so Tilly, Inhalte und Abläufe aus unterschiedlichen Gewerken beherrschen, denn es wird nicht nur mit Holz und Styropor, sondern auch mit Stahl, Holz, Kunststoff und Schaumstoff gearbeitet. Zudem sollten Bühnenplastiker ein Gefühl für Proportionen und Anatomie sowie ein Auge für Formen und Farben haben. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, Organisations- sowie Improvisationstalent runden das optimale Profil eines ab.

Für Tilly bietet der Beruf fast ausschließlich positive Seiten. Die mitunter körperlich belastende Arbeit sowie Schmutz und Staub gehören für ihn zum Job dazu. "Jede neue Produktion ist eine Herausforderung. Keine Kulisse gleicht der anderen. Man braucht viel Kreativität und genau das reizt immer wieder aufs Neue."

  • Gehalt: variiert und ist abhängig von der Erfahrung und der Region, in der man arbeitet. Im Theater liegt der Verdienst monatlich zwischen 1.500 und 1.800 Euro brutto.
  • Arbeitszeit: etwa 40 Stunden in der Woche.
  • Ausbildung: dreijährige, duale, staatlich anerkannte Ausbildung.