Ganz gleich ob Zobel, Nerz oder Chinchilla: Pelze sind exklusive und teure Luxuskleidungsstücke, die bis heute von Kürschnern in Handarbeit hergestellt werden. "Das kann keine Maschine selbstständig machen, da kein Fellteil gleich ist. Wir arbeiten im Grunde noch genauso, wie Kürschner vor hundert Jahren", sagt Stephanie Metz. Sie ist Geschäftsführerin eines Kürschnerbetriebes. Die Berufsbezeichnung leitet sich übrigens vom mittelhochdeutschen "Kürsen" ab, das übersetzt soviel wie Pelzrock bedeutet.

Prinzipiell kann man alle Fellsorten für einen Mantel oder ein anderes Kleidungsstück verwenden. Kuh- und Bärenfelle werden aber selten verarbeitet. Sie sind zu schwer.

Nach der Sichtung schneiden die Kürschner die Felle auf und glätten sie vor. Dann werden sie nach Farbe, Haarlänge und Qualität sortiert, sodass daraus eine gleichmäßige Fläche zusammengenäht werden kann. Dabei müssen Kürschner einige Faktoren beachten. Welche Fellteile passen von der Struktur, der Haarlänge und von der Farbe zusammen? Welche Optik ist erwünscht?  

Später werden die Felle auf der Lederseite mit Wasser befeuchtet und dann in Breite und Länge gestreckt, damit die Felle glatt liegen. Dann kann ein erster Zuschnitt für das künftige Kleidungsstück erfolgen. Genäht wird mit einer speziellen Pelznähmaschinen. "Das ist eine sehr diffizile Arbeit, es sollten möglichst keine Haare in die Naht eingenäht werden", sagt Metz.

Sind alle Teile vernäht, wird das Fell gezweckt. Auch dabei wird das Fell mit dem Leder nach oben auf einer Holzplatte aufgespannt und mit Wasser befeuchtet, um anschließend erneut gestreckt zu werden. Jetzt erfolgt der exakte Zuschnitt, im Fachjargon wird dieser Arbeitsschritt "Abgleichen" genannt.

Schließlich kommen die Fellteile in die Näherei, wo die einzelnen Teile etwa zu einem Mantel zusammengefügt werden. Zu guter Letzt werden noch Innenfutter, Einlagestoffe oder Dekorationselemente, Knöpfe oder ein Reißverschluss hinzugefügt. "Insgesamt umfasst der Herstellungsprozess bis zu 70 verschiedene Arbeitsschritte", sagt Metz. Und das dauert mitunter.

Auch die Reparatur, Umgestaltung oder Reinigung und Konservierung von Pelzen gehören zu den Aufgaben von Kürschnern. Für die Arbeit ist handwerkliches Geschick, Kreativität, Geduld sowie ein Auge für Formen und Farben notwendig. Der Job ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, die Ausbildung selbst dauert drei Jahre. Der theoretische Unterricht erfolgt an der aktuell einzigen Berufsschule in Fürth. Hier lernen die Azubis alles über die Beurteilung der Fellqualität, die unterschiedlichen Arten sowie über die Herkunft und Lebensweise der Tiere. Ganz wichtig: der Artenschutz.  

Pelzträger werden kritisiert, Kürschner aber eher nicht

Welche Tiere sind geschützt und dürfen nicht verarbeitet werden? "Die meisten Kürschner schauen bei den Fellen, die sie geliefert bekommen, ganz genau hin und verwenden nur Felle aus kontrollierten Zuchten", sagt Metz. Auf Felle aus Fernost, bei der Herkunft und Zuchtbedingungen oftmals nicht kontrolliert werden könne, würde in der Branche weitgehend verzichtet werden. Die Ausbildung wird mit einer praktischen und theoretischen Prüfung abgeschlossen. Die Zahl an neuen Azubis pro Jahr ist jedoch gering.

"Pro Jahr sind es fünf bis 15 Lehrlinge", sagt Metz. Die geringe Zahl resultiere aus der deutlich zurückgegangenen Anzahl an ausbildenden Kürschnereien in Deutschland. Etwa 600 Betriebe gibt es noch in Deutschland, viele davon sind kleine Familienbetriebe. Auch habe das Interesse an dem Beruf nachgelassen.

Als Grund vermutet Metz die Kritik am Pelztragen. Das wirke sich auf die Branche aus, so die Kürschnerin. Sie selbst habe aber noch nie Kritik an ihrer Tätigkeit erfahren. Für Metz bringt der Beruf viele positive Aspekte mit sich. "Die Arbeit ist kreativ und abwechslungsreich. Ich muss immer wieder neu überdenken, wie man das Material am Besten bearbeitet. Das reizt mich immer wieder aufs Neue."

  • Gehalt: bei Berufsanfängern liegt das Gehalt zwischen 1.900 und 2.400 Euro brutto;
  • Ausbildung: dreijährige, duale Ausbildung;
  • Arbeitszeit: etwa 38 Stunden pro Woche;