Meine Frau und ich sind Naturwissenschaftler und an öffentlichen Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg tätig. Trotz der hohen Arbeitsbelastung und der prekären Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft entschieden meine Frau und ich uns für die Gründung einer Familie. Im Oktober 2014 wurde unsere Tochter geboren. In den ersten beiden Monaten nahmen wir gemeinsam Elternzeit.

Vergangenes Jahr bewarb ich mich erfolgreich um ein Forschungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Seit Januar 2015 forsche ich für insgesamt 18 Monate in Kalifornien. Meine Frau befindet sich währenddessen weiterhin in Elternzeit und begleitet mich mit unserer Tochter. Nun mussten wir allerdings feststellen, dass meiner Frau für die Zeit des Auslandsaufenthaltes kein Elterngeld gezahlt wird. Aus unserer Sicht ist dies nicht nachzuvollziehen bzw. widerspricht den bisherigen Absichtserklärungen der deutschen Wissenschafts- und Familienpolitik. Für uns sprechen mehrere Punkte für ein Anrecht auf Elterngeld:

Unser Wohnsitz und Lebensmittelpunkt ist und bleibt Deutschland. Unser Mietverhältnis besteht während unseres Auslandsaufenthalts fort, eine vorzeitige Rückkehr nach Deutschland wäre jederzeit möglich. Hinzu kommt, dass sowohl meine Frau als auch ich während des Auslandsaufenthalts gültige, ruhende Arbeitsverträge im Öffentlichen Dienst haben. Die Förderung durch die DFG ist zudem auf 18 Monate festgelegt, der Auslandsaufenthalt ist also eindeutig zeitlich befristet und dient der beruflichen Weiterqualifikation. Die erworbenen Erkenntnisse kommen später der deutschen Forschung und Lehre zugute. Nach Ablauf des Stipendiums kehren wir nach Deutschland zurück, um eine berufliche Zukunft in Deutschland zu suchen. Schlussendlich haben sowohl die DFG als auch mein deutscher Arbeitgeber bestätigt, dass es sich bei diesem Forschungsaufenthalt um eine wissenschaftliche Entsendung handelt. All diese Argumente wurden jedoch von der zuständigen Elterngeldstelle nicht anerkannt, da es sich bei einem Stipendium nicht um ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis handelt (s. § 4 SGB IV)

Widersinnig ist, dass meine Frau Elterngeld bekommen würde, wenn wir ein Jahr lang unbezahlten Urlaub auf Mallorca machen würden. Ebenso bekäme sie Elterngeld, würde sie alleine mit unserer Tochter in Deutschland bleiben. Findet unsere Regierung es etwa familienfreundlich, uns nur dann Elterngeld zu zahlen, wenn Frau und Baby in Deutschland bleiben und damit vom Vater getrennt sind? Wir fühlen uns von der Politik bzw. der Gesetzeslage diskriminiert und sind der Meinung, dass die Förderung von deutschen Staatsbürgern durch Elterngeld nicht vom vorübergehenden Aufenthaltsort abhängen sollte.

Das Stipendium sichert derzeit nur unseren Lebensunterhalt. Renten-, Pflege- und Arbeitslosengeldansprüche gehen mir in dieser Zeit verloren. Dass uns nun auch noch ein fünfstelliger Betrag nicht gezahlt wird, nur weil wir sowohl Familie als auch berufliche Weiterentwicklung wollen, lässt uns daran zweifeln, ob die viel zitierte Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich angestrebt wird oder es nur eine der vielen Worthülsen deutscher Politiker ist.

Für mich und meine Frau bleibt das Fazit: Unser Auslandsaufenthalt in den USA ist eine wissenschaftlich und persönlich sehr bereichernde Zeit. Von der deutschen Sozial- und Familienpolitik sind wir jedoch maßlos enttäuscht. Welche Partei hat den Mut, endlich die drei Punkte "Vereinbarkeit von Familie und Beruf", "Förderung von Nachwuchswissenschaftlern" und "Unterstützung von jungen Familien" gemeinsam in Angriff zu nehmen?

*Der Name des Autors wurde anonymisiert. Er ist der Redaktion bekannt.