Wer kommt als Model infrage? Anja Tillack hat den Blick dafür. Sie ist Geschäftsführerin der größten Sportmodelagentur Europas und kann mit wenigen Blicken entscheiden, ob ein Model für ihre Kunden interessant ist. "Wir müssen immer schauen, wer zum Kunden passt", erzählt sie. Dazu wird in einem detaillierten Briefing festgehalten, was sich der Kunde wünscht.

Mehr als 1.000 Models befinden sich in Tillacks Kartei. Die Agentur trifft eine Vorauswahl und lädt die favorisierten Models zum Casting mit dem Kunden ein. "Hier kann sich der Kunde die Vorschläge live ansehen", sagt die Agenturchefin.

Bei der Auswahl kommt es nicht nur auf das Aussehen an. Ebenso wichtig seien Ausstrahlung, Willen und Talente der Models, sagt Tillack. Wird etwa jemand für die Präsentation von Surfbekleidung gesucht, ist es natürlich besser, wenn das Model selbst surfen kann, um vor der Kamera natürlich zu wirken. "Das Model muss zum Thema passen, authentisch und glaubhaft wirkten", sagt Tillack. Dabei geht es auch um die Frage, welche Stimmung vermittelt werden soll. Im Casting stellen sich die Models persönlich vor. Der Kunde soll einen Eindruck von der Persönlichkeit gewinnen. Als Geschäftsführerin ist Tillack bei großen Castings vor Ort dabei, berät und steht für Fragen seitens des Kunden, aber auch seitens der Models zur Verfügung. Im Vorfeld klärt sie ihr Team über alle notwendigen Details auf.

Beobachten ist dann ihre wichtigste Aufgabe. Wie treten ihre Models auf, können sie sich bewegen und in Szene setzen?

Oft wünschen sich Kunden aber ein ganz frisches Gesicht, sprich: jemand, der noch nicht in der Kartei der Agentur ist. Dann suchen Tillack und ihr Team über Aufrufe nach neuen Models oder beauftragen Scouts. Die wichtigsten Kriterien für Tillack an ein Model sind: gutes Aussehen, Fitness und Sportlichkeit und eine gewisse Einzigartigkeit. "Die Ausstrahlung ist immer unterschiedlich und genauso wichtig wie das Aussehen", sagt sie. Hat sich der Kunde für ein Model entschieden, finden Shooting oder Filmaufnahmen statt. Auch dabei ist die Agenturchefin oft anwesend.

Der Arbeitsalltag besteht für Tillack aber nicht nur aus Castings oder Shootings. Als Geschäftsführerin ist sie für die strategische Ausrichtung der Agentur verantwortlich. Wie können neue Models gefunden werden, wie neue Kunden akquiriert und langfristig gebunden werden? Als Chefin macht sie sich auch Gedanken über die Außendarstellung ihrer Agentur und überlegt, welche PR-Maßnahmen das Unternehmen voranbringen können. Auch viel andere Schreibtischarbeit gehört zu ihrem Job: So koordiniert nicht nur ihre Mitarbeiter, sie er- und überarbeitet Konzepte für Castings oder Shootings und pflegt Kontakte mit Models und Kunden. Dafür muss sie viele Veranstaltungen besuchen und ihre Agentur repräsentieren. "Kontakte aufbauen, halten und pflegen ist in unserer Branche enorm wichtig", sagt Tillack. Einen typischen Arbeitstag gibt es daher für sie kaum.  

Marketingkenntnisse sind vorteilhaft

Eine Ausbildung für den Job als Modelagentur-Chefin gibt es nicht. "Man hat gute Voraussetzungen, wenn man aus dem Bereich Künstlermanagement kommt oder als Modelbooker gearbeitet hat. Auch ein wirtschaftlicher Background und Marketingkenntnisse können nicht schaden", sagt Tillack. Eines muss man aber nicht: selbst als Model vor der Kamera gestanden haben.

Organisationstalent, Kontaktfreudigkeit, die Fähigkeit, Mitarbeiter zu führen sowie ein ausgeprägtes Gespür für Ästhetik und Trends sind gute Voraussetzungen für die Arbeit. Welcher Typ ist in, welcher könnte bald gefragt sein?

Wenn ein Auftrag in die finale Phase geht, kann die Arbeit einnehmend sein. Dann arbeitet die Chefin auch mal 14 Stunden am Tag. Manchmal muss sie sich zwingen, vom Job abzuschalten. Die positiven Seiten überwiegen für sie jedoch. "Wenn man einen Auftrag vom ersten Casting bis zum letzten Shooting begleitet hat und dann die fertige Kampagne sieht, ist man stolz auf seine Arbeit."

  • Gehalt: keine Angaben;
  • Arbeitszeit: variiert stark, in der Regel 40 bis 50 Stunden in der Woche, in Hochzeiten auch darüber hinaus;
  • Ausbildung: keine Ausbildung im klassischen Sinne möglich, Agentur,- Booking,- oder Managementerfahrung sind vor Vorteil.