Ein Verkehrskreisel hier, eine neue Abbiegespur dort. Und was ist mit dem Bürgersteig und dem Fahrradweg? Wenn einzelne Straßenabschnitte umgebaut oder eine komplette Straße verändert werden sollen, ist das ein Job für Verkehrsplaner. Auch die Planung von Eisenbahnstrecken, Landstraßen und Autobahnen fällt in ihren Aufgabenbereich. Mitunter müssen sie auch Konzepte für die Erschließung großer Brachflächen wie etwa einer früheren Militäranlage erstellen. "Die Aufgaben sind vielfältig. Alles, was irgendwie mit Stadt- und Verkehrsplanung zu tun hat, gehört dazu", sagt Konrad Rothfuchs. Er ist Geschäftsführer eines Hamburger Stadt- und Verkehrsplanungsbüros und Vorsitzender des Verbandes freier Ingenieure für Straßenbau in Hamburg e.V.

Insbesondere innerstädtisch ist die Neuplanung der Infrastruktur oft eine Herausforderung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Städte unter Berücksichtigung der damals aktuellen Pkw-Nutzung neu aufgebaut. Ein Problem für die heutigen Verkehrskonzepte. Die Planer stehen immer wieder vor der Frage, wie sie die Verkehrswege optimieren und wie die vorhandenen Flächen optimal für die veränderten Ansprüche genutzt werden können.   

Zugleich müssen sie zukünftige Entwicklungen berücksichtigen. "In den Städten etwa wird es zukünftig darum gehen, eine Mobilität zu ermöglichen, die allen Verkehrsteilnehmern gerecht wird und gleichzeitig ökologisch sinnvoll ist und zum Stadtbild passt", sagt Rothfuchs. Die meisten gesellschaftlichen Entwicklungen wirken sich auch auf den Verkehr aus. Trends wie Carsharing oder die fortschreitende Digitalisierung der Verkehrsmittel spielen schon heute eine große Rolle bei der Verkehrsplanung.

"Das automatisierte Fahren wird bald immer stärker im Straßenverkehr zu finden sein. Auf solche Entwicklungen muss das Verkehrsnetz ausgelegt werden", sagt Rothfuchs. Bevor es an die Erstellung eines Konzeptes für die Umgestaltung einer Straße oder einer Eisenbahnstrecke geht, muss er zunächst die Bedingungen vor Ort analysieren. Wie bewegen sich die Menschen? Lohnen sich Erweiterungen und Veränderungen der Verkehrsmittel und –wege? Anhand von Verkehrszählungen etwa kann er wichtige Daten erfassen und diese in seine Planungen einfließen lassen. Dabei muss er auch berücksichtigen, welche Auswirkungen ein Um- oder Neubau auf die Region vermutlich haben wird.

Dazu tauschen sich die Verkehrsplaner auch mit den betroffenen Anwohnern aus. "Man kann viel bewirken, wenn man die Menschen früh in Planungen mit einbezieht", sagt Rothfuchs. Das sei insbesondere in puncto Sicherheit wichtig. Bei der reinen Konzepterstellung bleibt es für die Verkehrsplaner jedoch nicht. Während der Umsetzung eines Straßenneubaus betreuen sie, wie ein Architekt beim Hausbau auch, die Baumaßnahmen direkt vor Ort.

In der Regel spezialisieren sich Verkehrsplaner auf einen bestimmten Bereich innerhalb der Verkehrsplanung. Das kann beispielsweise  motorisierter Individualverkehr, öffentlicher Nahverkehr oder Fußgänger- und Radverkehr sein. Dennoch müssen Verkehrsplaner bereichsübergreifendes Wissen für ihre Arbeit mitbringen. "Interdisziplinäres Denken ist trotz Spezialisierung wichtig, weil alle Bereiche des öffentlichen Lebens miteinander vernetzt sind", sagt Rothfuchs. 

Für die Arbeit sind überdurchschnittliche mathematische Kenntnisse, gute Kommunikationsfähigkeiten und eine gute Organisation vonnöten. Auch ein Gespür für aktuelle Trends sollten Verkehrsplaner haben. Außerdem sollten sie kreativ sein. "Mitunter müssen wir unkonventionell denken und besondere Lösungen für besondere Orte finden", sagt Rothfuchs. Um als Verkehrsplaner arbeiten zu können, ist ein abgeschlossenes Studium des Verkehrs- oder Bauingenieurwesens notwendig. Innerhalb des Studiums lernen die angehenden Experten alles über Straßenplanung und Straßenentwurf. Sie bekommen gezeigt, wie man Prognosen und Verkehrskonzepte erstellt und lernen die Verkehrsträger kennen. Und sie müssen über Ausschreibungen, Bauvorbereitungen sowie die Betreuung einer Baustelle vor Ort Bescheid wissen. Anstellungen finden Verkehrsplaner in auf die Stadt- und Verkehrsplanung spezialisierten Büros sowie in Behörden, Verkehrsbetrieben und Baufirmen. 

Aufgrund der vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten sind die Aussichten, einen Job als Verkehrsplaner zu ergattern, recht gut.
Schattenseiten hat Rothfuchs an seinem Beruf bisher nicht entdecken können. Lediglich die mitunter recht emotionale Kommunikation mit einigen Menschen sei nicht immer einfach. "Wir können leider nicht immer alle Wünsche umsetzen. Daher kommt es auch vor, dass wir persönlich angegangen werden", sagt Rothfuchs. Davon einmal abgesehen überwiegen für ihn die positiven Seiten seines Berufes. "Die Arbeit ist abwechslungsreich, wir sind sowohl im Büro als auch auf der Baustelle aktiv. Wir betreuen ein Projekt von A bis Z. Und nicht zuletzt ist es auch immer spannend zu beobachten, wie sich ein Stadtbild im Laufe der Jahre verändert."

  • Gehalt: Das Einstiegsgehalt liegt, abhängig von der Region, in der man arbeitet, zwischen 35.000 und 42.000 Euro brutto.
  • Arbeitszeit: Je nach Bauphase innerhalb eines Projektes kann die Arbeitszeit variieren und zwischen 40 und 55 Stunden in der Woche liegen.
  • Ausbildung: Ein abgeschlossenes Studium des Verkehrs- oder Bauingenieurwesens ist für die Arbeit als Verkehrsplaner notwendig.