Artisten mit einem Vertrag über "freie Mitarbeit" bei einem Zirkus können nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts nicht auf Arbeitnehmerrechte pochen. Ein solcher Vertrag sehe das für Arbeitsverhältnisse charakteristische Weisungsrecht des Arbeitgebers nicht vor, begründeten die höchsten Arbeitsrichter am Dienstag in Erfurt ihr Urteil. 

Konkret ging es um einen Fall aus Sachsen-Anhalt, in dem ein Zirkus einer Gruppe von vier Hochseilartisten gekündigt hatte, weil diese nach einem schweren Unfall darauf bestanden, dass der Zirkus eine Krankenversicherung für sie abschließt. Die Artisten wehrten sich gegen ihren Rauswurf mit einer Kündigungsschutzklage.

Die Künstler standen 2011 für acht Monate bei dem Zirkus unter Vertrag. Die Artisten hatten eine Todesrad-Nummer im Programm. Bei der Premiere verunglückte jedoch ein Mitglied der Truppe schwer und kam ins Krankenhaus. Die anderen drei traten noch für etwa zwei Monate in dem Zirkus auf. Nachdem sie feststellten, dass der Inhaber sie nicht krankenversichert hatte, stellten sie die Arbeit ein.

Mit dem Richterspruch scheiterte nun in letzter Instanz die Kündigungsschutzklage der Artisten. Die Vorinstanzen in Sachsen-Anhalt hatten unterschiedlich entschieden. Der Neunte Senat des Bundesarbeitsgerichts sah kein Arbeitsverhältnis im arbeitsrechtlichen Sinne zwischen den Künstlern und dem Zirkus begründet. Er bewertete ihren Status als den eines "freien Dienstnehmers" – somit bestand für den Arbeitgeber auch keine Pflicht, eine Krankenversicherung für die Artisten abzuschließen.