Ich bin immer mal wieder für meinen Arbeitgeber mit meinem privaten Pkw unterwegs. Jetzt hatte ich auf einem solchen Botengang einen Unfall. Mein Chef sagt, den Schaden an meinem Auto muss ich selbst tragen. Ist das rechtens?, fragt Stefanie Hoffmann.

Sehr geehrte Frau Hoffmann,

in der Regel muss unterschieden werden, ob ein Mitarbeiter bei der Fahrt zwischen seinem Wohnort und seinem Arbeitsplatz einen Unfall hat, oder ob er im Auftrag seines Arbeitgebers unterwegs ist.

Aufwendungen sowie Unfallkosten, die zwischen Wohnort und Arbeitsplatz anfallen, müssen von Mitarbeitern selbst getragen werden. Diese Fahrten sind erforderliche Handlungen des Arbeitnehmers, um die Tätigkeit am Arbeitsplatz aufnehmen zu können, argumentiert das Bundesarbeitsgericht in seiner Rechtsprechung. Anders sieht es aus, wenn ein Schaden an einem privaten Pkw entsteht, weil ein Mitarbeiter im Auftrag seines Arbeitgebers unterwegs ist.

Passiert auf einer betrieblich veranlassten Fahrt ein Unfall, müssen Arbeitgeber vom Grundsatz her die Kosten für den Schaden übernehmen. Das ist auch dann der Fall, wenn ein Mitarbeiter auf dem Nachhauseweg vorher noch die Unternehmenspost wegbringt und auf dieser Stecke einen Unfall hat. Denn in diesen Fällen beginnt der Nachhauseweg erst ab dem Briefkasten bzw. der Postfiliale. Für beruflich veranlasste Fahrten mit dem Privat-Pkw hat der Arbeitgeber demnach die Schäden zu bezahlen. Ist die Nutzung auf Verlangen des Arbeitgebers erfolgt, fällt die Fahrt – auch wenn diese außerhalb der Arbeitszeit stattfindet – in den Risikobereich des Arbeitgebers.

Wenn Sie im Auftrag Ihres Arbeitgebers mit Ihrem privaten Auto einen Unfall hatten, muss Ihr Chef den entstandenen Schaden nach den Regeln des innerbetrieblichen Schadensausgleichs übernehmen. Ein Ersatzanspruch kann daher nur in dem Umfange bestehen, in dem der Arbeitgeber eine Beschädigung seiner eigenen Sachmittel hinzunehmen hätte.

Doch Vorsicht: Hier kommt es auch darauf an, wie Ihr Verschuldungsgrad ist. Das heißt, wenn Sie nur leicht fahrlässig gehandelt haben, wird Ihr Arbeitgeber Ihren Schaden in voller Höher tragen müssen. Haben Sie aber grob fahrlässig gehandelt, werden Sie keinen Ersatzanspruch gegen Ihren Arbeitgeber haben.

Denn der Gesetzgeber unterscheidet drei Fahrlässigkeitsstufen: Das typische Missgeschick beispielsweise ist eine leichte Fahrlässigkeit. Das bedeutet, der Mitarbeiter haftet nicht. Passiert ein Schaden, weil Mitarbeiter nicht sorgfältig agieren, spricht man von einer mittleren Fahrlässigkeit. Dann kann es passieren, dass Arbeitgeber und Mitarbeiter sich die Schadenskosten teilen. Um Mitarbeiter aber nicht in Not zu bringen, ist hier auch immer die Einkommenshöhe des Arbeitnehmers entscheidend.

Wer hingegen grob fahrlässig handelt, wird den Schaden im Regelfall allein tragen müssen. Bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung wird allerdings der Arbeitnehmer, der einen Anspruch auf volle Erstattung des erlittenen Unfallschadens geltend macht, darzulegen und zu beweisen haben, dass er den Unfall nicht grob fahrlässig verursacht hat. 

Ihr Ulf Weigelt