Ich habe einem Angestellten die Kündigung ausgesprochen, möchte die jetzt aber wieder zurücknehmen. Geht das?, fragt Sebastian Breid.

Sehr geehrter Herr Breid,

eine einmal ausgesprochene und zugegangene Kündigung kann nicht ohne Weiteres einseitig zurückgenommen werden. Möchte ein Arbeitgeber das tun, muss der betroffene Mitarbeiter damit einverstanden sein. Ist er das nicht, bleibt die Kündigung wirksam und das Arbeitsverhältnis endet zum Beendigungszeitpunkt.

Sie haben jetzt nur die Möglichkeit, sich mit Ihrem Mitarbeiter zu einigen. Suchen Sie das Gespräch mit ihm und erklären Sie ihm, dass Sie vorschnell und unüberlegt gehandelt haben. Machen Sie den Vorschlag, die Kündigung zurückzunehmen und das Arbeitsverhältnis unverändert fortzusetzen.

Um Missverständnissen vorzubeugen, rate ich Ihnen, das schriftlich festzuhalten. Die Vereinbarung sollte enthalten, dass die Kündigung (mit Angabe des Datums der Kündigung) gegenstandslos ist und das Arbeitsverhältnis zu den Bedingungen des Arbeitsvertrags (mit Angabe des Datums des Arbeitsvertrages) zu unveränderten Bedingungen fortgesetzt wird. Mit Orts- und Datumsangabe sollten Sie und Ihr Mitarbeiter diese Vereinbarung unterschreiben.

Hat Ihr Mitarbeiter bereits eine Kündigungsschutzklage bei Gericht eingereicht, können Sie Ihre Erklärung in der Güteverhandlung zu Protokoll geben oder Sie teilen dem Arbeitsgericht schriftlich mit, dass Sie an der bereits ausgesprochenen Kündigung nicht weiter festhalten und das Arbeitsverhältnis zu unveränderten Bedingungen fortgesetzt werden soll. Dann wiederum ist es Sache des klagenden Arbeitnehmers, hierauf zu reagieren.

Möchte Ihr Mitarbeiter an der Kündigung dennoch festhalten, sollten Sie trotzdem ein Schreiben aufsetzen, in dem Sie erklären, dass die Kündigung zurückgenommen wird und Sie den Arbeitnehmer auffordern, unverzüglich seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. So sind Sie als Arbeitgeber nämlich bezüglich der Gefahr des Annahmeverzugs auf der sicheren Seite.

Ihr Ulf Weigelt