Flüchtlingsunterkunft, Kinderhospiz oder Naturschutzprojekt: Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist ungebrochen. 2013 haben die Bundesbürger 4,71 Milliarden Euro gespendet. Kein Wunder, dass Geld sammeln mittlerweile ein Beruf geworden ist und immer mehr gemeinnützige Vereine, Stiftungen oder Einrichtungen professionelle Fundraiser beschäftigen. Vom Sammeln mit der Spendendose über den Stand in der Fußgängerzone bis zum Online-Fundraising – die Methoden der Geldsammler sind vielfältig, sagt Arne Peper. Er ist Geschäftsführer des Deutschen Fundraising Berufsverbands.

"Fundraiser müssen wissen, wen sie mit Aktionen ansprechen wollen. Hier ist zielgerichtetes Marketing gefragt", sagt Peper. Die Haupteinnahmequelle für gemeinnützige Organisationen ist in der Regel der klassische Spendenbrief. Klingt einfach, erfordert aber einiges an Know-how. Denn der Spendenaufruf an einen internationalen Konzern muss anders formuliert werden als ein Spendenaufruf, der sich an die Bevölkerung richtet.

"Fundraiser müssen für ihr Projekt und ihre Organisation brennen. Und das muss man auch merken, wenn sie einen möglichen Spender persönlich ansprechen", sagt Peper. Kontaktfreudigkeit und eine positive Ausstrahlung sind daher unerlässlich.

Bei den meisten größeren Verbänden und Vereinen leiten Fundraiser Teams von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen, die verschiedene Kompetenzen mitbringen. Sie arbeiten außerdem eng mit der Geschäftsleitung, Projektplanung oder Marketing- und Finanzabteilung zusammen. Denn ein Spendenaufruf ist in der Regel Teil einer größeren Kampagne.   

Neben Personalführungskompetenzen müssen Fundraiser auch Medien- und Marketingprofis sein. Sie müssen gut texten können und brauchen einen Blick für Bilder. Aber nicht nur inhaltlich sprechen sie mit, sie definieren oft auch die Rahmenbedingungen für eine Kampagne mit – etwa wie groß ein Projekt werden soll und was es kosten darf. Daher müssen Fundraiser gut in Buchhaltung und Controlling sein. Wer sich außerdem mit Vereins- und Steuerrecht sowie Datenschutz auskennt, gut organisieren kann, kreativ ist und andere begeistern kann, der ist der ideale Kandidat für einen Job als Fundraiser.

Viele könnten in der Wirtschaft mehr verdienen

Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, daher sind auch Bezeichnungen wie Spendensammler, Spenderbetreuer, Spendenverwalter oder Stiftungsmanager gängig. Eine staatlich geregelte Ausbildung gibt es nicht, dafür aber eine Vielzahl an Ausbildungsprogrammen bei privaten Weiterbildern – in der Regel kostenpflichtig. Jedoch ist Fundraising immer häufiger auch Teil von sozialwissenschaftlichen Studiengängen. Außerdem gibt es berufsbegleitende Fortbildungsangebote wie etwa von der Deutschen Fundraisingakademie.

Bundesweit gibt es etwa 3.000 hauptberufliche Fundraiser – Tendenz steigend. Viele von ihnen sind Quereinsteiger und haben vorher PR gemacht oder im Marketing gearbeitet. Neben gemeinnützigen Organisationen wie Unicef, Greenpeace oder dem WWF finden Fundraiser auch Anstellungen in auf Fundraising spezialisierten Agenturen. Viele arbeiten auch als Freiberufler und werden auf Honorarbasis engagiert. "Der Bedarf ist derzeit hoch", sagt Peper. 

Allerdings kann die Arbeit auch stressig sein. Man muss mit Ablehnung und Enttäuschungen professionell umgehen können. Auch ist das Image von Fundraisern nicht immer das Beste. Besonders, wenn ein Spendenmissbrauch öffentlich bekannt wird, leidet das Ansehen der Branche.

Die Vergütung ist jedoch gut. Im Schnitt verdienen Spendensammler zwischen 30.000 und 70.000 Euro Jahresgehalt. Die meisten finden ihre Tätigkeit zudem sehr befriedigend. Peper würden keinen anderen Beruf wählen: "Viele könnten in der Wirtschaft noch mehr Geld verdienen, bleiben aber dennoch beim Fundraising. Dort kann man seine Kenntnisse dafür einsetzen, etwas Gutes zu tun."

  • Gehalt: Je nach Erfahrung und Arbeitgeber liegt das Jahreseinkommen eines Fundraisers zwischen 30.000 und 70.000 Euro.
  • Arbeitszeit: projektabhängig zwischen 40 und 50 Stunden in der Woche;
  • Ausbildung: Keine staatlich geregelte Ausbildung möglich, diverse private Anbieter bieten oft kostenpflichtige Ausbildungen zum Fundraiser an.