Von bisher unbekannten Wirkstoffen für Medikamente bis zu neuen Verfahren beim Recycling seltener Metalle: Wenn sich Patrick Bröker mit einem Wissenschaftler trifft, bekommt er immer etwas zu sehen, was vor ihm nur wenige Menschen bisher kennen. Bröker übt einen ungewöhnlichen Beruf aus – er arbeitet als Technologiescout im Transferservice an der Universität Potsdam.

Sein Job ist es, Wissenschaftlern bei der Publikation und Vermarktung ihrer Forschungsergebnisse zu helfen. "Ich berate Wissenschaftler über das Vermarktungspotenzial von innovativen Erfindungen und den möglichen Transfer in die Gesellschaft", sagt Bröker. Denn wenn es um die optimale Nutzung oder Vermarktung ihrer Entdeckungen geht, stoßen viele Forscher an ihre Grenzen. In Einzelgesprächen und in Workshops mit den Wissenschaftlern zeigt er Möglichkeiten auf, wie man eine neue Entdeckung, eine Entwicklung oder Technologie auf den Markt bringen kann. Ein Weg kann sein, ein Unternehmen zu finden, das in Kooperation mit der Forschungseinrichtung die Technologie zur Marktreife bringen möchte. Manchmal verkaufen Wissenschaftler ihre Erfindungen auch an Unternehmen. Und besonders junge Forscher nutzen die Zusammenarbeit mit Bröker, um ein eigenes Unternehmen mit ihrer Entwicklung zu gründen.

Der Technologiescout berät auch bei Fragen der Finanzierung oder hilft den Wissenschaftlern dabei, ein Patent anzumelden. "Es geht nicht nur um die bloße Veröffentlichung, sondern darum, Möglichkeiten aufzeigen, wie man eine neue Technologie auf den Markt bringen kann, damit die Gesellschaft einen Nutzen davon hat", sagt Bröker. Die direkte Zusammenarbeit mit Forschern macht aber nur einen kleinen Teil seiner Arbeit aus. Um überhaupt einordnen zu können, ob sich eine neue Entdeckung zu einem Produkt weiterentwickeln und vermarkten lässt, muss er sich viel mit Innovationen generell auseinandersetzen. Welche Trends zeichnen sich ab? Auf welchen Gebieten wird derzeit intensiv geforscht?

Ohne BWL-Kenntnisse geht es nicht

Und er muss sich selbst und seine Dienstleistung bekannt machen: Bröker steckt daher viel Arbeitszeit in den Aufbau eines Netzwerks zu Forschern und Unternehmen. Mit Erfolg: "In den letzten drei Jahren haben wir mit über 150 Wissenschaftlern über technische Neuerungen gesprochen", erzählt er.

Bröker ist kein Einzelkämpfer. Die Arbeit erfolge immer in Teams, sagt er. Überraschend auch: Man muss gar keinen mathematisch, technischen oder naturwissenschaftlichen Background haben. Viel wichtiger sind fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse und ein Verständnis für Marketing und Vermarktung. Der ideale Kandidat für den Job sei ein Naturwissenschaftler, der auch BWL studiert habe. Eine gesunde Neugier und die allgemeine Begeisterung für Wissenschaft und Technik sowie Kommunikationsgeschick runden das Anforderungsprofil ab. "Man muss wissen, wie Wissenschaftler ticken und wie Wissenschaftler denken", sagt Bröker.   

Die Ausbildung zum Technologiescout erfolgt in der Regel on the job in einer Art Hospitanz, in der erfahrene Technologiescouts neuen Kollegen an die Seite gestellt werden. Über kleinere Projekte können diese dann die erforderlichen Erfahrungen sammeln.

Immer mehr Universitäten aber auch Unternehmen beschäftigen Technologiescouts. Und es gebe zunehmend auch freiberufliche Scouts, sagt Bröker. Freie Stellen sind dennoch rar, auch wenn das Berufsfeld stetig wächst. Bröker könnte sich kaum einen anderen Job vorstellen, der seine wissenschaftliche Neugierde so befriedigt wie diesen: "Langeweile gibt es bei uns nicht."

  • Gehalt: In Anlehnung an die tariflichen Vergütungsgruppen E 9 bis E 13 für wissenschaftliche Mitarbeiter ab etwa 2.700 Euro brutto monatlich, eher höher.
  • Ausbildung: Abgeschlossenes Studium mit naturwissenschaftlichem und/oder wirtschaftlichem Background
  • Arbeitszeit: etwa 40 Stunden pro Woche