Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde – für professionelle Rennreiter dürfte das alte Sprichwort wohl gültig sein. "Der Rausch der Geschwindigkeit auf dem Rücken eines vor Kraft strotzenden Pferdes setzt auch bei erfahrenen Jockeys jedes mal aufs Neue Glückshormone frei", sagt Christian von der Recke. Er steht an der Spitze eines Verbands für Trainer und Jockey.

Allerdings ist nicht jeder Rennreiter gleich ein Jockey. Um sich so zu bezeichnen, muss man 50 Klasse-A-Rennen gewonnen haben. Bis dahin gilt man einfach nur als Berufsrennreiter.

Doch egal, ob Jockey oder nur Rennreiter – der Arbeitsalltag ist gleich und entspricht weitgehend dem eines Pferdewirts. Denn neben dem Reiten, sehr viel Training und der Teilnahme an Rennen sind die Reiter vor allem für die Pflege, Fütterung und Hygiene der Rennpferde zuständig. Auch Ausmisten, Fegen oder andere Arbeiten auf dem Hof gehören zum Job dazu. Meist kümmern sich die Rennreiter um mehrere Pferde, in der Regel reiten sie nicht nur ein Tier. 

"Insbesondere in der Lehrzeit und in den ersten Berufsjahren müssen diese Aufgaben noch selbst erledigt werden", sagt von der Recke. "Ein erfahrener Rennreiter kommt nur noch zum Reiten der Tiere. Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg."

Wer als Berufsrennreiter arbeiten möchte, der kommt um eine staatlich anerkannte, dreijährige Ausbildung zum Pferdewirt mit Schwerpunkt Rennreiten nicht herum.

Innerhalb der Ausbildung lernen die angehenden Rennreiter alles über den richtigen Umgang mit Pferden. Auch rechtliche Bestimmungen zählen dazu. Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere. Welche Pausen müssen während des Trainings eingehalten werden? Was kann ein Tier hinsichtlich der Trainingsintensität verkraften? "Dazu muss man umfangreiches Wissen über die Physiologie des Pferdes haben", sagt von der Recke. Last but not least ist natürlich das Reiten an sich wichtig. Bevor ein Azubi jedoch an das Rennreiten herangeführt wird, muss er das erste Ausbildungsjahr gemeistert haben. Erst dann dürfen im Training die ersten Rennen unter Aufsicht absolviert werden. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer theoretischen und einer praktischen Prüfung.

Kein Job, in dem man alt werden kann

Für die Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Rennreiten brauchen Anwärter viel Erfahrung mit Pferden. Die meisten sind erfahrene Reiter. Ausdauer und eine gute, körperliche Konstitution sowie Robustheit sind ebenfalls nötig. Außerdem braucht man Geduld und Mut. "Man rast mit 60 Stundenkilometern über die Rennbahn. Das muss man sich erst einmal trauen", sagt von der Recke. Das Wichtigste, und zugleich Ausschlusskriterien für eine Karriere als professioneller Rennreiter oder professionelle Rennreiterin, sind jedoch Körpermaße und Gewicht. Nur, wer nicht zu groß ist und zwischen 50 bis 65 Kilo wiegt, kommt für die Ausbildung überhaupt infrage. Die Schulbildung hingegen ist nicht entscheidend. "Mit Abitur reite ich nicht schneller", sagt von der Recke.

Jobs gibt es sowohl als Angestellter auf einem Hof oder als Selbstständiger. "Für viele pferdebegeisterte Menschen ist das der Traumberuf schlechthin", sagt von der Recke.

Bundesweit, so schätzt von der Recke, können vielleicht hundert Rennreiter hauptberuflich von ihrer Tätigkeit leben. Die allermeisten üben diesen Job aber nebenberuflich aus. Diese Form erfreut sich aber zunehmender Beliebtheit. Denn mit Reitsport lässt sich gutes Geld verdienen.

Allerdings müssen Rennreiter bei Wind und Wetter und oft am Wochenende arbeiten. Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll, mitunter gefährlich und nichts, was man bis ins hohe Alter machen kann. "Stürze und Verletzungen gehören beim Rennreiten dazu", sagt von der Recke. Viele Jockeys gehen für ihre Siege ans körperliche Limit. Dafür hat man als begeisterter Reitsportler die Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen, und man kommt durch die Rennen viel herum.

  • Gehalt: variiert stark und ist abhängig vom Arbeitgeber, von der Erfahrung und vom persönlichen Erfolg;
  • Arbeitszeit: sechs bis acht Stunden an Werktagen, außerdem Rennen an den Wochenenden;
  • Ausbildung: dreijährige, staatlich anerkannte, duale Ausbildung zum Pferdewirt mit Schwerpunkt Rennreiten;