Nach der Familienphase machte die Archäologin Ina Altripp eine Ausbildung zur Kirchenmusikerin. © privat

Hobby oder Beruf – oder doch wieder umgekehrt? Das Herz von Ina Altripp konnte sich nie so recht zwischen ihren beiden Passionen Archäologie und Musik entscheiden. Am liebsten hätte sie parallel beide Berufe ausgeübt, doch das ließen die äußeren Umstände nicht zu. "Meine Liebe zum Altertum begann eigentlich schon, als ich noch in der Schule war. Ich bin auf ein humanistisches Gymnasium gegangen und habe dort alte Sprachen erlernt. Das hat viel Spaß gemacht und ich wollte daraus mehr machen", erzählt die 50-Jährige. Kurzzeitig liebäugelte sie mit der Theologie, entschied sich dann aber doch für die Archäologie.

Eine zunächst halbherzige Entscheidung: "Drei Semester habe ich das Fach in Freiburg studiert, mich aber parallel für die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in Hamburg vorbereitet." Die leidenschaftliche Klavierspielerin wurde angenommen – und studierte drei Semester Schulmusik. "Doch dann merkte ich: Das ist nicht meins. Ich möchte nicht Musiklehrerin an der Schule werden", sagt Altripp. Also kehrte sie zur Archäologie zurück, setzte das begonnene Studium in Bonn fort und promovierte zum Abschluss über Athenastatuen.

Bevor sie richtig in den Beruf eintauchen konnte, zwang sie ein Arbeitgeberwechsel ihres Mannes, der ebenfalls Archäologe ist, im Jahr 2000 zum Umziehen. Von Bonn ging es nach Greifswald. Ein Job für Ina Altripp war zunächst nicht in Sicht. "Ich habe mir erst einmal Zeit für unsere damals noch kleinen Kinder genommen. Zudem zwang mich eine schwere Erkrankung ohnehin, kürzerzutreten. So hatte ich genug Zeit, mich neu zu orientieren."

Musik zum Überleben

Die Erkrankung verstand Altripp als Hinweis darauf, etwas grundlegend ändern zu müssen. Und so beschloss sie, ihre etwas vernachlässigte musikalische Seite doch noch weiter auszubilden. "Hinzu kam auch der Gedanke, dass sich mit der Musik als Handwerk immer irgendwie überleben lassen würde – jedenfalls leichter als mit der Archäologie", sagt sie. Und ein Archäologe war mit ihrem Ehemann ja sowieso bereits in der Familie vertreten.

So begann die wieder vollständig genesene Altertumsexpertin eine nebenberufliche Ausbildung zur Kirchenmusikerin, die sie mit der C-Prüfung abschloss. Doch das reichte ihr nicht: "Ich merkte, dass die Musik mir wirklich viel bedeutet und sie für mich doch mehr ist als ein Hobby." Altripp sattelte ein Diplomstudium am Institut für Kirchenmusik an der Universität Greifswald drauf und wurde damit B-Musikerin. 

In Grimmen fand sie damit für drei Jahre eine Stelle als Elternzeitvertretung und arbeitet seitdem freiberuflich. Ihre Liebe zur Musik gibt sie auch an Kinder weiter: An der Montessori-Musikschule Greifswald unterrichtet sie das Fach Klavier. Zudem komponiert Altripp seit einiger Zeit selbst, manche ihrer Werke wurden bereits aufgeführt, etwa während der Greifswalder Bachwoche.

Trotz ihrer Erfolge schlagen noch immer zwei Herzen in Altripps Brust: "Die Musik bietet mir momentan konkret bessere Arbeitsbedingungen. Kirchenmusiker werden gesucht, vor allem im ländlichen Raum. Aber auch die Archäologie ist für mich noch immer nicht abgeschlossen – auch wenn es momentan mein Hobby ist. Deswegen lebe ich am liebsten in einer Universitätsstadt, die ein Umfeld für beides bietet." Die Zweigleisigkeit – in welcher Form auch immer – wird Ina Altripp wohl weiterhin begleiten.