Anja Koschemann war auf der Suche nach dem perfekten Sexspielzeug. Sie wollte einen Vibrator, der nicht nur schön verarbeitet sein, sondern auch ein ansprechendes Design haben sollte. "Bei den meisten Produkten waren Haptik und Aussehen wirklich unerotisch", erzählt sie. Also entwarf die gelernte Chemikerin selbst einen. Ihr Beruf war dabei hilfreich. Sie wusste, welche Materialien für die Herstellung infrage kamen und welche Inhaltsstoffe aus gesundheitlichen Gründen nicht verwendet werden dürfen.

Mit dem Ergebnis war sie nicht nur selbst zufrieden. Sie entschied sich für den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute gibt es ihre Dildomanufaktur SelfDelve seit zehn Jahren. Hier produziert sie verschiedene Sexspielzeuge. Bei den Kundinnen und Kunden sei vor allem ihre unterschiedlichen Obst- und Gemüsesorten nachempfundene Toykollektion Garten Eden beliebt. Die Kollektion umfasst fünf verschiedene Spielzeuge. "Bis die Qualität allerdings stimmte, war es ein weiter Weg", sagt Koschemann.

Sie experimentierte mit unterschiedlichen Materialien und Varianten. Vor allem der Formenbau hatte es in sich. Bis der erste Prototyp in Sachen Qualität, Aussehen und Verarbeitung stimmte und die Oberfläche gleichmäßig, authentisch und originalgetreu ausfiel, vergingen Monate. Schließlich jedoch hieß es: Herzlichen Glückwunsch, es ist eine Banane. Mittlerweile hat die Dildodesignerin auch andere Varianten im Angebot, etwa Dildos in geometrischen Formen oder Spielzeuge, die nicht sofort als solche zu erkennen sind, sondern aussehen wie eine kleine Skulptur.  

Egal ob Maiskolben, Mohrrübe oder Aubergine: Bei der Entwicklung eines neuen Modells überlegt sich die Designerin zuerst, was sich überhaupt eignet. Bei dem Entwurf der Eden-Kollektion fahndete sie in Obst- und Gemüseläden nach Früchten ohne Makel in ansprechender Form und mit toller Oberfläche. Zusätzliche Schwierigkeit: Das Obst oder Gemüse musste bestimmte Maße sowie eine bestimmte Dicke haben und natürlich auch funktional sein. "Ich suche dann solange, bis ich die perfekte Gurke gefunden habe", sagt Koschemann und lacht.

Das Gemüse oder die Frucht legt sie in eine Formmasse, die aus Harzen oder Kunststoffen besteht und aushärtet. In diese Form gießt Koschemann dann medizinisches Silikon. Wichtig während des Gießens: Das Silikon darf keine Lufteinschlüsse aufweisen. 

Abguss der Natur

Ihre Dildos lässt Koschemann im Freundes- und Bekanntenkreis testen. Fällt die Bewertung gut aus, geht der neue Dildo in die Serienfertigung. Jedes Spielzeug werde aber von Hand gegossen und bemalt, betont die Designerin. Außerdem achtet sie penibel auf Hygiene und Verträglichkeit. "Es gibt gesetzliche Vorgaben, welche Chemikalien nicht enthalten sein dürfen. Das berücksichtigen wir natürlich. Zusätzlich werden die Dildos einmal im Jahr von der Lebensmittelüberwachungsbehörde geprüft", sagt Koschemann.

Ob ein neues Produkt angenommen wird, zeigt sich erst im Laufe der Zeit. "Einige Toys werden gekauft, andere nicht. Von unserem Dildo in Form einer Aubergine war ich zunächst nicht überzeugt, bei unseren Kundinnen jedoch kommt er ausgesprochen gut an", erzählt die Designerin.

Für das Sexspielzeug nutzt die Designerin einen Abguss von echtem Obst oder Gemüse. © PR: Selfdelve

Für ihre Arbeit benötigt Koschemann in erster Linie handwerkliches Geschick, Geduld, Präzision, Kreativität und Erfindungsreichtum. Auch braucht sie ein Gespür, was den Geschmack der Kundschaft treffen könnte und was nicht. Kaufmännische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse benötigt sie für die Führung ihres Unternehmens außerdem. Chemikerin wie sie müsse man aber nicht sein, wenn man Sexspielzeug entwerfen und herstellen möchte. "Das nötige Wissen über die gesetzlich vorgeschriebenen Standards kann man sich auch im Selbststudium aneignen."

Koschemann schätzt ihre Tätigkeit auch nach zehn Jahren immer noch. "Ich kann kreativ arbeiten und meine Ideen verwirklichen. Jeder Dildo, der unsere Manufaktur verlässt, ist ein Unikat und wird mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Damit können wir die Bedürfnisse unserer Kundinnen erfüllen, viele sind uns dafür sehr dankbar."

  • Gehalt: abhängig vom Gewinn
  • Arbeitszeit: variiert, je nach Auftragslage
  • Ausbildung: keine spezielle Ausbildung nötig, kaufmännisches oder betriebswirtschaftliches Wissen von Vorteil