Angehörige einer Gewerkschaft erhalten häufiger Sonderzahlungen: Während 66 Prozent der Mitglieder Weihnachtsgeld gezahlt bekommen, sind es nur 51 Prozent der Nichtmitglieder. Noch wichtiger ist allerdings, ob der Arbeitgeber nach einem Tarifvertrag bezahlt oder nicht: In Unternehmen mit Tarifbindung erhalten 72 Prozent der Beschäftigten eine Sonderzahlung zum Jahresende. Gilt für den Betrieb kein Tarifwerk, bekommen nur 42 Prozent der Arbeitnehmer ein Weihnachtsgeld. Bundesweit erhalten immerhin 54 Prozent der Beschäftigten die Sonderzahlung zum Jahresende. In Ostdeutschland sind es allerdings nur 40 Prozent, in Westdeutschland dagegen 56 Prozent.

Das stellt eine Befragung der Internetseite www.lohnspiegel.de fest, die vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Rund 8.000 Beschäftigte wurden dafür befragt.

Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Während 56 Prozent der Männer die Zahlung erhalten, sind es nur 50 Prozent der Frauen. Der Grund: Männer arbeiten deutlich häufiger als Frauen in Branchen wie etwa der Metallbranche, in der es noch starke Flächentarife gibt.

Allerdings machen Arbeitgeber bei der Sonderzahlung einige Unterschiede: So erhalten 55 Prozent der unbefristet Beschäftigten einen Bonus aber nur 45 Prozent der Mitarbeiter mit befristeten Verträgen.

Eigentlich sind Arbeitgeber rechtlich an den Grundsatz der Gleichbehandlung gebunden. Allerdings sind gewisse Unterschiede erlaubt, die Ungleichbehandlung muss dabei jedoch sachlichen und klaren Kriterien entsprechen. Ein Grund kann beispielsweise die Arbeitsleistung sein. Auch darf der Arbeitgeber eine Sonderzahlung von unterschiedlichen Arbeitsbedingungen abhängig machen. Dafür ziehen Unternehmen beispielsweise häufig die Dauer der Betriebszugehörigkeit heran. Wer unterjährig eintritt, hat keinen Anspruch auf die volle Höhe einer Sonderzahlung, sondern erhält diese nur anteilig. Auch Mitarbeiter mit reduzierter Arbeitszeit erhalten in vielen Unternehmen das Weihnachtsgeld nur anteilig. Ausgeschlossen werden dürfen sie aber nicht, ebenso wenig wie es verboten ist, die Mitarbeiter nach Geschlecht oder Tätigkeit schlechter zu stellen. Leiharbeiter haben insofern ebenso Anspruch auf Weihnachtsgeld, sofern sie am jeweiligen Stichtag bei dem jeweiligen Unternehmen im Einsatz waren. Ihr Anspruch berechnet sich anteilig nach der Dauer des Einsatzes und damit nach der Betriebszugehörigkeit. Insofern stellt die neue Erhebung auch fest, dass immerhin 49 Prozent der Leiharbeiter die Sonderzahlung erhalten.

Ohne Tarif zählt nur das eigene Verhandlungsgeschick

Allerdings variiert die Höhe der Jahressonderzahlung erheblich. In diesem Jahr sogar besonders, weil es in vielen Branchen hohe Tarifabschlüsse gegeben hat – etwa 3,6 Prozent Gehaltssteigerung bei der Deutschen Bahn AG oder 5,1 Prozent in der Papier verarbeitenden Industrie. Je nach Branche und Berufsgruppe erhalten die Beschäftigten einen ganzen Bruttomonatslohn oder nur einen prozentualen Anteil. Im öffentlichen Dienst beispielsweise beträgt das Weihnachtsgeld je nach Vergütungsgruppe zwischen 60 und 90 Prozent. Beamte erhalten eine Sonderzahlung im Rahmen ihrer Besoldung.

Leider gibt es auch Tarifbereiche, in denen keine Jahressonderzahlungen ausgeschüttet werden: Dazu zählt etwa das Bauhauptgewerbe Ost und das Gebäudereinigerhandwerk.

Da, wo keine Tarifverträge greifen, können sich Beschäftigte nur über eine individualvertragliche Regelung einen Anspruch auf ein Weihnachtsgeld sichern. Das hängt aber erheblich vom Verhandlungsgeschick des Einzelnen sowie seines Werts auf dem Arbeitsmarkt ab.

Zudem gibt es Unternehmen, die freiwillig eine Sonderzahlung an die Beschäftigten ausschütten. In der Regel sichern die Arbeitgeber aber durch die Erklärung eines Freiwilligkeitsvorbehalts vor einem Anspruch auf diese Zahlung ab. Das heißt: Gab es in den Vorjahren eine solche Zahlung, können die Beschäftigten nicht generell mit diesem Weihnachtsgeld rechnen.