Viele Unternehmen setzen besonders bei ihren Wissensarbeitern auf Vertrauensarbeitszeit: Es gibt keine fixen, ganz starren Arbeitszeiten, die Arbeitszeit wird zudem nicht erfasst. Mitarbeitern soll damit eine bestimmte Zeitsouveränität gegeben werden. Sie können frei, aber natürlich anhand der betrieblichen Belange entscheiden, wie sie ihre Arbeitszeit legen. In der Regel ist die Vertrauensarbeitszeit durch sogenannte Rahmenarbeitszeiten flankiert, also ein fester Rahmen wie Bürozeit von 7 bis 19 Uhr ist vorgegeben, innerhalb dessen die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit legen können.

Vertrauensarbeitszeit gibt Beschäftigten also eine gewisse Flexibilität, die besonders von Mitarbeitern mit Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen immer stärker eingefordert wird. Aber Vertrauenszeit bedeutet auch mehr Eigenverantwortung im Umgang mit der Arbeitszeit: Natürlich gilt auch bei Vertrauensarbeitszeit die arbeitsvertraglich geregelte Wochenarbeitszeit. Und es gilt die durch das Arbeitszeitgesetz vorgeschriebene zulässige Höchstarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche, die nur unter bestimmten Umständen überschritten werden darf. Nur in bestimmten Fällen kann die Arbeitszeit für eine Weile heraufgesetzt werden – auf maximal zehn Stunden am Tag ohne Pause und 60 Stunden in der Woche. Das Gesetz schreibt hier aber vor, dass anschließend in einem Zeitraum von einem halben Jahr oder von 24 Wochen die werktägliche Arbeitszeit nicht mehr überschritten werden darf.

Der Arbeitgeber steht außerdem in der Fürsorgepflicht und muss daher auch bei Vertrauensarbeitszeit im Blick haben, welcher Mitarbeiter wie viel arbeitet. Er muss  überwachen, dass die Beschäftigten ihre wöchentliche Höchstarbeitszeit – im Grundsatz 48 Stunden pro Woche – nicht überschreiten und die Pausenzeiten einhalten. Zwischen den Arbeitseinsätzen müssen mindestens elf Stunden Pause liegen. In je­dem Fall muss der Arbeitgeber auch damit ein­ver­stan­den sein, dass Mitarbeiter länger arbeiten. Entdeckt er, dass Teammitglieder ihre Arbeitszeit permanent überschreiten, muss er sie nach Hause schicken.

Aber was tun, wenn die Arbeitnehmer freiwillig Mehrarbeit leisten, obwohl sie gar nicht dazu aufgefordert wurden?

Rechtlich gesehen weiß der Chef von jeder Überstunde

Tatsächlich kann es nach dem Arbeitsrecht gar nicht zu Überstunden kommen, von denen der Chef nichts weiß. Werden Überstunden bezahlt, weiß der Arbeitgeber ohnehin, wer wie viele Stunden geleistet hat. Da aber der Großteil der Mehrarbeit nicht vergütet wird, ist eher die Vertrauensarbeitszeit mit Überstundenausgleich in Form von Freizeit üblich. Und auch hier muss der Arbeitgeber über die geleisteten Überstunden informiert werden. Ein Teamleiter etwa darf gar nicht hinnehmen, dass Mitarbeiter täglich zehn oder mehr Stunden im Büro sind. Schickt er sie nicht nach Hause oder toleriert dies stillschweigend, gilt die Mehrarbeit damit als genehmigt. Mehr noch: Sind die Arbeitsvorgaben so, dass die Mitarbeiter ihre Aufgaben gar nicht in der dafür vorgesehenen Zeit schaffen und arbeiten sie deshalb länger, gilt die Mehrarbeit damit ohnehin als angeordnet.

Und auch bei Vertrauensarbeitszeit muss der Arbeitgeber nach dem Arbeitszeitgesetz die Überstunden dokumentieren und die Nachweise mindestens zwei Jahre lang aufbewahren. Gibt es im Unternehmen einen Betriebs- oder Personalrat, dann kann dieser auch jederzeit Einblick in die Überstundenaufzeichnung nehmen. Kann der Chef diese Dokumentation nicht vorlegen und geht die Arbeitnehmervertretung dagegen rechtlich vor, kann der Arbeitgeber sogar mit einer Strafzahlung vom Gericht belangt werden.

Allerdings: Echte leitende Angestellte – angestellte Geschäftsführer mit Prokura etwa – unterliegen nicht dem Arbeitszeitgesetz. Sie können so viel arbeiten, wie sie möchten. Es muss für sie auch keine Aufzeichnung geführt werden.