Blind, All In, Royal Flush: Bei diesen Fachbegriffen werden Pokerspieler sofort hellhörig. Jürgen Bachmann geht es genauso. Er sitzt täglich am Pokertisch – ist aber kein Spieler. Seine Aufgabe: Er fungiert als eine Art Spielleiter.

"Als Poker-Dealer bin ich einerseits als Dienstleister für Menschen aktiv, die miteinander Poker spielen wollen und die Aufgabe des Spielleiters, der die Karten ausgibt, jemand anderem übertragen wollen", sagt Bachmann. Gleichzeitig passe ein Poker-Dealer auf, dass die Spieler am Tisch die Regeln einhalten und das Pokerspiel so abläuft, wie es ablaufen soll.

Selbst spielt Bachmann jedoch nicht mit. Das unterscheidet den Poker-Dealer vom Croupier. "Croupiers sind, etwa beim Black Jack, als Spieler für das Casino in das Spiel eingebunden. Poker-Dealer sind das hingegen nicht", erklärt Bachmann. Anleiten und beobachten sind die wichtigsten Funktionen eines Poker-Dealers: In welcher Reihenfolge sind die Spieler an der Reihe? Wann muss der Spieleinsatz erhöht werden? Um wie viel darf er erhöht werden?

Zudem gehört es zu seinen Aufgaben, eventuelle Mogeleien der Spieler zu erkennen und zu unterbinden sowie unerfahrenen Spielern Hilfestellung bei Fragen rund ums Spiel zu geben. "Wir haben eine überwachende und koordinierende Funktion am Pokertisch. Wenn jemand etwas falsch macht, dann verbessern wir den Spieler auch", sagt Bachmann.

Die Schwierigkeit dabei: Der Poker-Dealer muss den Spagat zwischen einer gewissen Strenge und lockerer Atmosphäre am Spieltisch schaffen, damit alles reibungslos vonstatten geht. Denn nur ein reibungsloser Ablauf schaffe eine angenehme Spielatmosphäre, sagt Bachmann. Mitunter seien dazu auch deutliche Worte nötig. "Ein Poker-Dealer muss seine Spieler am Tisch auch ein Stück weit erziehen. Ich muss zeigen, nach welchen Regeln gespielt wird."

Neben kommunikativen Fähigkeiten braucht ein Poker-Dealer Organisationstalent. Außerdem muss er stets den Überblick behalten können, auch in stressigen Situationen, zugleich aber eine gewisse Lässigkeit ausstrahlen. Ein mathematisches Verständnis, gute Menschenkenntnis sowie Talent für den Umgang mit Menschen sind weitere wichtige Fähigkeiten für die Arbeit.

Elementar ist selbstredend der Umgang mit den Spielkarten. Hier ist Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit gefragt. "Ich muss mit Karten und Jetons flüssig umgehen können. Das spart Zeit, sieht gut aus und vermittelt eine lockere Spielatmosphäre", sagt Bachmann.

Trotz alleiniger Arbeit am Tisch ist die Tätigkeit als Poker-Dealer immer Teamarbeit. Alle 30 Minuten wird der Platz als Spielleiter geräumt und einem Kollegen oder einer Kollegin übergeben. Dann wird in einer kurzen Übergabe erklärt, was bisher während des Spiels abgelaufen ist und was es zu beachten gilt.

Ein Job für Abende und Nächte

Und wie wird man Poker-Dealer? In Deutschland gibt es dafür keine spezielle Ausbildung, stattdessen kann eine Ausbildung zum Croupier absolviert werden. Während der sechs- bis neunmonatigen Lehrzeit werden die Inhalte der in Casinos angebotenen Spiele wie Black Jack, Roulette und eben Poker vermittelt. Neben dem umfangreichen Wissen über die Regeln der einzelnen Spiele wird den Azubis der Umgang mit Menschen während des Spielens beigebracht.

Außerdem werden Verhaltensweisen in problematischen Situationen geübt. Dazu gehört ein Verhaltenskatalog, in dem detailliert erklärt wird, wie ein Poker-Dealer oder Croupier in bestimmten Situationen zu reagieren hat. "Wir versuchen immer, schlechte Stimmung am Pokertisch zu vermeiden", sagt Bachmann.

Erfahrungen als Pokerspieler sind hilfreich für den Lernprozess, jedoch nicht Grundvoraussetzung für den Beginn einer Ausbildung. "Grundsätzlich kann jeder, der Interesse an der Arbeit als Poker-Dealer hat, eine Ausbildung beginnen", sagt Bachmann. Ob die Ausbildung vergütet wird, hängt vom Unternehmen ab. Dafür ist sie kostenlos, und mitunter wird die Übernahme in ein Angestelltenverhältnis nach Bestehen der Abschlussprüfung garantiert.

"Man teilt eine Leidenschaft"

Poker-Dealer können als Angestellte in Voll- oder Teilzeit arbeiten, meist in einem Kasino. Es gibt aber auch die Möglichkeit, als freiberuflicher Poker-Dealer tätig zu sein. "Dann wird man für große Turniere für die Dauer von wenigen Tagen bis hin zu einigen Wochen engagiert. Und das europaweit", sagt Bachmann.

Sowohl die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz als auch die Jobchancen für fertig ausgebildete Croupiers und Poker-Dealer sind gut. Allerdings hat der Beruf auch Schattenseiten. Man arbeitet überwiegend abends und nachts, auch an Feiertagen und Wochenenden. Freiberufler sind zudem viel unterwegs, Reisebereitschaft ist daher ein Muss. Nicht ganz einfach sind ab und an die Menschen, mit denen man es am Pokertisch zu tun hat. "Hier ist jeder Menschenschlag vertreten, und manchmal hat man es mit schwierigen Charakteren zu tun", sagt Bachmann.

Davon abgesehen bringt der Beruf, neben den guten Berufschancen, weitere positive Aspekte mit sich. "Man kann mit etwas Geld verdienen, das einem Spaß macht und in der Regel als Hobby anfängt. Außerdem ist der Umgang unter Poker-Dealern und Pokerspielern schon irgendwie etwas Besonderes. Man teilt eine Leidenschaft, das hat mitunter schon fast etwas Familiäres an sich."

  • Gehalt: Das Einstiegsgehalt liegt bei etwa 2.000 Euro brutto monatlich, als erfahrener Freiberufler sind bis hin zu 5.000 Euro brutto monatlich möglich.
  • Arbeitszeit: Bei Ausübung in Vollzeit in der Regel 40 Stunden in der Woche, bei Freiberuflichkeit oder der Ausübung in Teilzeit variiert die Wochenstundenzahl.
  • Ausbildung: Sechs- bis neunmonatige Ausbildung zum Croupier, danach ist der gezielte Einsatz als Poker-Dealer möglich.