Ihr Job ist sicher. Egal, ob sie ein Sabbatical einlegen, Kinder bekommen, Eltern- und später Teilzeit beanspruchen oder sich für 15 Jahre beurlauben lassen: Ihren Arbeitsplatz werden sie nie mehr los. Weil sie Beamte sind, Staatsdiener, und sich damit für ein Leben in Sicherheit entschieden haben. Und auch Angestellte im Öffentlichen Dienst genießen ähnliche Privilegien: Auch sie gelten nach 15 Dienstjahren als unkündbar. Auch sie haben einen garantierten Anspruch auf Teilzeit und können nach einem fest vereinbarten Zeitraum zurück auf eine Vollzeitstelle gehen.

Müttern und Vätern, die als Beamte oder Angestellte im Öffentlichen Dienst arbeiten, fällt daher die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Schnitt leichter als anderen Arbeitnehmern. Der öffentliche Dienst – ein Teilzeit-Paradies?

Hinter den häufig geneideten Kinderzuschlägen und Pensionen bei den Beamten oder auch den verlässlichen Arbeitszeiten oder Teilzeitgarantien bei den Angestellten in den Verwaltungen verblasst oft eine andere Realität. Wer sich im öffentlichen Dienst für Teilzeit entscheidet, um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, verbaut sich eine mögliche Beförderung. "Dieses Phänomen finden wir in allen Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes, auch und gerade dort, wo überwiegend Frauen tätig sind", kritisierte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der Bundesfrauenvertretung im Deutschen Beamtenbund (dbb) jüngst auf einer Fachtagung in Düsseldorf. 

Tatsächlich sind es auch im öffentlichen Dienst mehrheitlich die Frauen, die bei Karriere und Geld das Nachsehen haben. "Und auch hier sind es mehrheitlich Frauen, die in Teilzeit arbeiten", sagt Karin Schwendler, Bereichsleiterin für Frauen- und Gleichstellungspolitik im Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Als Beispiel: 2014 hatten von den bundesweit 820.000 Beamtinnen und Richterinnen im öffentlichen Dienst 332.000 Frauen die Arbeitszeit reduziert. Dagegen taten es von den 780.000 männlichen Beamten und Richtern nur 30.000 Männer, so das Statistische Bundesamt.

Veraltete Beurteilungsmaßstäbe sind laut Helene Wildfeuer mitverantwortlich dafür, dass Beamtinnen seltener befördert werden als ihre männlichen Kollegen. "Die Leistungsmerkmale, nach denen Beamtinnen und Beamte heute bewertet werden, folgen noch immer einem Wertekanon, der berufliche Tätigkeiten deutlich über die Familienarbeit hebt. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Eine Überarbeitung der dienstlichen Beurteilungskriterien ist daher dringend geboten", sagt sie.

Aufstieg nur in Vollzeit

Dass die Kriterien für die dienstliche Beurteilung besser auf die Lebens- und Arbeitsrealität der Beschäftigten abgestimmt werden müssen und die Anwesenheitszeit im Büro nicht länger als Maßstab für die Qualität der Arbeit herangezogen werden darf, wünschen sich auch die Frauen in der Polizei. Denn auch hier spielt die Teilzeit oder besser gesagt, die Abwesenheitszeit, eine gehörige Rolle, wenn es um die Beurteilung und Empfehlung zur Beförderung geht. Auf der einen Seite freuen sich die Polizistinnen, dass es gute Teilzeitmodelle gibt, die sie nutzen können, um Kind und Beruf miteinander zu vereinbaren. "Das ist alles prima. Vor allem in polizeilichen Verwaltungen klappt das gut. Auch bei Schichtdiensten ist die Polizei sehr flexibel", lobt die Vorsitzende der Bundesfrauengruppe bei der Gewerkschaft der Polizei GdP, Dagmar Hölzl. Doch gleichzeitig benachteilige man die Frauen. "Wenn es um die Beurteilung geht, ist die Präsenz ein entscheidendes Kriterium. Schwierig bei Teilzeit. Da haben Frauen das Nachsehen und werden nicht befördert", sagt sie. 

Kaum anders sieht es bei den angestellten Ärzten im öffentlichen Dienst aus. Auch hier hat die Teilzeit ihre Tücken. Und auch hier sind es meistens Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzieren möchten, weil sie ein Kind haben, dass irgendwie reinpassen muss in die Dienstpläne. Der Marburger Bund, der als Berufsverband und Ärztegewerkschaft mehr als 118.000 Mitglieder vertritt, stellt dazu fest: "Das Teilzeitgesetz bietet eine Möglichkeit, seine Arbeitszeit wegen der Kindererziehung oder Familienaufgaben zu reduzieren oder zu anderen Zeiten zu arbeiten. Das löst aber nicht das Problem, dass eine gewollte Teilzeitphase oftmals Karrieremöglichkeiten beschränkt oder die spätere Rückkehr in die Vollzeittätigkeit verschließt." 

Teilzeit in einem Krankenhaus sieht nach Angaben einer Teilzeit-Ärztin mit Kind dann so aus: ,"Ich wecke mein Kind um 6.30 Uhr und bringe es um 7.15 Uhr in die Kita. Mein Dienst beginnt um 8 Uhr und endet um 15.30 Uhr, was häufig nicht klappt. An jedem zweiten Wochenende lege ich eine 24-Stunden-Schicht auf der Intensivstation ein." Einen Karrierewunsch als Ärztin hegt diese Frau nicht. Ihr wäre schon mit einem Betreuungsplatz in der Kita geholfen, der auch die Schichtarbeit, 24-Stunden-Dienste oder Rufbereitschaft am Krankenhaus berücksichtigt.