An weiterführenden Schulen gibt es andere Probleme: Teilzeit wird hingenommen – mehr aber auch nicht. "Je mehr Teilzeit, desto schwieriger gestaltet es sich, einen guten Stundenplan zu erstellen", sagt ein Lehrer, der als didaktischer Leiter an einem großen Gymnasium am Rhein arbeitet und lieber anonym bleiben möchte. Der Mann ist Mitte 30 und verbeamtet. Er wird seinen Job, sofern er sich nicht einen wirklich groben Patzer erlaubt, bis zur Pensionierung behalten. Er kann sich in dieser Sicherheit einrichten und sein weiteres Leben planen. Er wird sich nie Sorgen machen müssen, ob er irgendwann vielleicht mit weniger Geld auskommen muss. Das Geld kommt sicher – und im Laufe seines weiteren Berufslebens steigt die Besoldung. Doch weil dieser Pädagoge eine Funktionsstelle anstrebte und auch in absehbarer Zeit noch mehr Geld verdienen möchte als ein normaler Lehrer, hat er darauf verzichtet, in Teilzeit zu unterrichten. "Hätte ich gerne nach der Geburt meines Sohnes gemacht. Aber dann hätte ich mir vieles verbaut – vor allem eine schnelle Beförderung", sagt er.

Dabei haben Beamte ein Recht auf Teilzeit und können sich sogar auf ein Benachteiligungsverbot für teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte beziehen, das es für Teilzeitbeschäftigte in der freien Wirtschaft so nicht gibt. Wo ist also der Haken?

In großen Schulen, so berichtet dieser Lehrer. Hier habe die reduzierte Teilzeitarbeit mehrere Effekte: "Du verdienst weniger, bist aber effektiv genauso lange an der Schule wie sonst auch." Wie das? So könnten Lehrer ihre Unterrichtsstunden zwar reduzieren, aber Zeugniskonferenzen und Besprechungen bleiben trotzdem, erklärt er. Offiziell heißt es zwar "anteilig", "aber wer geht denn nach der Hälfte der Konferenz nach Hause?"

Feierabend um 11:30 Uhr

Mehr noch: Wie die Teilzeit für einen Beamten oder auch Angestellten gehandelt werde, das werde schulintern geregelt. Ist ein Schulleiter gar nicht daran interessiert, kann es einer Lehrerin auch so ergehen: "Ich arbeite mit 16 Stunden an einer Gesamtschule und habe eine 6-jährige Tochter. Zweimal in der Woche unterrichte ich bis 16 Uhr. Einige Vollzeitkollegen haben keinen Nachmittagsunterricht. An einem Tag muss ich in der 1. und 8. Stunde unterrichten." Ihre Bedenken an diesem "familienfreundlichen Stundenplan" wurden abgebügelt. Extrawürste für Mütter gebe es nicht. Und weil die Männer im Kollegium das offenkundig verstanden haben, nehmen sie die Teilzeit gar nicht erst in Anspruch. "Bei uns machen das Frauen und gehen auf dem Zahnfleisch", berichtet der Gymnasiallehrer. 

Anders sieht es allerdings an Grundschulen aus. Hier ist die absolute Mehrheit der Beschäftigten weiblich, stellt ver.di dazu fest. Hier stießen Lehrerinnen meist auf viel Verständnis ihrer Kolleginnen, wenn sie ihre Wünsche zum familienfreundlichen Stundenplan vortrügen. "Ich habe Kinder und muss nachmittags zu Hause sein. Das reicht", erzählt diese Primarschullehrerin. Spätestens um 14 Uhr geht sie in den Feierabend. An manchen Tagen auch schon um 11.30 Uhr. Dann stellt sich bei ihr das wohlige Gefühl ein, alles richtig gemacht zu haben, sagt sie. Denn sie weiß, dass sie niemals den Stress haben wird, von dem andere Mütter berichten, die Familie und Beruf nur schwer oder unter größten Anstrengungen miteinander vereinbaren können. ,,Nein, was Besseres als Grundschullehrerin kannst du nicht werden, wenn du arbeiten und gleichzeitig Mutter sein möchtest", sagt die 39-Jährige. Ihre eigenen Kinder werden bald eingeschult. Dann wird sie da sein, wenn es um Hausaufgaben, Freizeit und eine gemeinsame Mahlzeit geht. Im vergangenen Jahr, als die Kleinen länger krank waren und sie ebenfalls das Bett hüten musste, machte sie sich keine Sorgen. "Mein Arbeitsplatz ist sicher. Niemand schaut mich schief an, wenn ich krank bin." Dass sie ihre Arbeitszeit reduzieren konnte und nun Teilzeitkraft ist, war selbstverständlich. Ihre Chefin hat das gefördert. Und die Karriere ist auch nicht verbaut. Wenn die Kinder größer sind, will sie wieder mehr unterrichten und vielleicht Schulleiterin werden. An Grundschulen durchaus möglich, auch wenn man viele Jahre Teilzeit gearbeitet hat.

Für alle anderen bleibt Teilzeit mit Hürden verbunden, auch im öffentlichen Dienst. "Es gibt zwar Gleichstellungsgesetze, die es den Gleichstellungsbeauftragten und Interessenvertretungen vor Ort leichter machen, gute Dienstvereinbarungen zum Thema Vereinbarkeit abzuschließen", sagt ver.di-Bereichsleiterin Karin Schwendler. Doch es komme immer auf die Kultur in einem Betrieb oder Abteilung auch im öffentlichen Dienst an, ob diese Gesetze wirklich gelebt würden.