In manchen Betrieben gar kein Problem, in anderen das Karriereende: Wenn Mitarbeiter den Wunsch nach Arbeitszeitreduzierung anmelden, stellt das Arbeitgeber zunächst einmal vor einen Organisationsaufwand. In der Regel muss ein Personalersatz her, der die Arbeitszeitlücke füllt. Kein Wunder, dass viele Betriebe immer noch überwiegend 50-Prozent-Stellen anbieten, wo halbtags gearbeitet wird. So ist es am einfachsten, ein passendes Gegenstück zum Teilzeitler zu finden. Oft fehlt es auch an Mut, andere Lösungen zu probieren. Die Personalsuche kostet. Allerdings sparen Arbeitgeber auch Kosten: Denn reduzierte Arbeitszeit heißt auch reduziertes Gehalt – und entsprechend geringere Sozialabgaben.

Trotzdem scheint das für viele Unternehmen und Personalverantwortlichen kein Argument zu sein, wie wir berichteten. Eine Abteilung mit vielen weiblichen Teilzeitkräften wird unter Personalern schon mal als "Hausfrauensammelbecken" bezeichnet und noch immer haftet der Teilzeitarbeit ein negatives Image an. Die Abstimmungsprozesse und der Kommunikationsaufwand seien hoch, das führe zu Effizienzverlusten, heißt es von Kritikern. Bisweilen wird Teilzeitkräften sogar Faulheit unterstellt.

In Deutschland gilt Teilzeitarbeit sowieso als Frauensache bzw. Müttersache, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts: 45 Prozent der Frauen haben ihre Arbeitszeit reduziert. Betrachtet man nur die Mütter, so arbeitet mehr als zwei Drittel von ihnen in Teilzeit. Als Grund geben die Frauen an, dass sie anders gar nicht Beruf und Familie vereinbaren könnten. Die Teilzeitquote der Männer beträgt dagegen gerade einmal sechs Prozent – und die meisten arbeiten auch nur deshalb in Teilzeit, weil sie keine Vollzeitstelle gefunden haben.

Zwar haben Arbeitnehmer in Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz einen Rechtsanspruch auf eine Teilzeitstelle – allerdings hat das Gesetz in mehrfacher Hinsicht Nachteile, wenn man wegen der Vereinbarkeit mit der Familie im Job reduziert. Es gibt kein Rückkehrrecht auf die Vollzeitstelle, sofern man nicht innerhalb der Elternzeit in Teilzeit arbeitet. Das möchte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) gerne ändern, allerdings gibt es von den Arbeitgeberverbänden erheblichen Widerstand. Wann eine gesetzliche Regelung tatsächlich kommt, ist unklar.

Und es gibt auch kein explizites Recht darauf, in der aktuellen Position die Arbeitszeit zu reduzieren. Arbeitgeber müssen lediglich einen vergleichbaren Arbeitsplatz in Teilzeit anbieten. Will das Unternehmen generell keine hohe Teilzeitquote, haben es Beschäftigte schwer. Vielfach werden sie auf unattraktive Stellen ohne weitere Aufstiegs- und Entwicklungschancen gesetzt. Der Wunsch nach Arbeitszeitreduzierung wird als Absage an die Karriere verstanden. Mehr noch:

Der Arbeitgeber muss gar nicht jeden Wunsch ermöglichen. Will ein Mitarbeiter vielleicht nur 80 Prozent arbeiten, das Unternehmen kann aber nur 50-Prozent-Stellen anbieten, muss sich der Arbeitnehmer entscheiden: Entweder die unattraktivere Teilzeitstelle mit entsprechend hohem Einkommensverlust akzeptieren – oder lieber nicht die Arbeitszeit reduzieren.

Positive Beispiele schaffen Bewusstseinswandel

Am Ende verwundert es nicht, wenn gerade Mütter davon berichten, wie ihnen trotz hervorragender Ausbildung und trotz Fachkräftemangel nach der Rückkehr aus der Elternzeit lieber ein Aufhebungsvertrag angeboten wurde statt der gewünschten Teilzeitstelle. Und es verwundert auch nicht, dass Beobachtungen wie diese die jungen Väter abschreckt. Zwar würden viele Männer insbesondere mit kleinen Kindern gerne mehr Familienpflichten übernehmen und können sich auch vorstellen, Teilzeit zu arbeiten – doch solange sie befürchten müssen, am Ende auf dem beruflichen Abstellgleis mit allen finanziellen Konsequenzen für die ganze Familie enden zu müssen, wird Teilzeitarbeit auch in Zukunft Frauensache und vor allem eine Karrieresackgasse bleiben.

Allerdings gibt es auch positive Beispiele: Unternehmen wie Bosch, die bewusst Programme für Väter und männliche Führungskräfte initiieren, um Teilzeit für die Herren attraktiver zu machen. Es gibt Firmen aus dem Mittelstand wie das Unternehmen Schmidt & Clemens, die davon ausgehen, dass sich prinzipiell jede Stelle zu einer Teilstelle umwandeln lässt, ohne dass es der Firma schadet. Oder das Unternehmen Lancom Systems, das der Leiterin der Unternehmenskommunikation ermöglicht, den Großteil ihrer Arbeit 400 Kilometer entfernt vom Firmensitz aus dem Homeoffice zu verrichten. Und immerhin jeder fünfte Arbeitgeber bietet Mitarbeitern auch Job-Sharing an.

Wir wollen wissen: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Hat sich der Wunsch nach Arbeitszeitreduzierung für Sie als Nachteil erwiesen? Wurde auch Ihnen ein Aufhebungsvertrag statt einer Teilzeitstelle angeboten – oder ist flexibles Arbeiten in Ihrem Unternehmen gar kein Problem? Gehen Führungskräfte vielleicht mit gutem Beispiel voran? Und was sagen Personalverantwortliche und Arbeitgeber dazu? Diskutieren Sie mit hier im Kommentarbereich oder schreiben Sie uns unter leseraufruf@zeit.de mit dem Betreff "Teilzeit". Wir werden aus den interessantesten Einsendungen eine Auswahl treffen und sie veröffentlichen. Bitte geben Sie dabei daher an, wenn Sie eine Anonymisierung wünschen. Wir freuen uns über viele Beiträge.