Seien wir ehrlich: Der Beruf des Industrietauchers ist fern jeglicher Romantik. In der Regel sehen sie bei ihrer Arbeit in Hafenbecken, gefluteten Baugruben oder Unterwasser-Baustellen nicht die Hand vor Augen. Bewegen sich dabei oft in sehr kalten Gewässern bei Temperaturen, denen die Tauchanzüge nicht trotzen können. Und riskieren nicht selten hierbei ihr Leben. Denn nicht nur das Risiko eines Unfalls droht unter Wasser, sondern auch gesundheitliche Langzeitrisiken durch die ständige Druckbelastung beim Tauchen.

Dabei kommen die Berufstaucher viel herum, denn ihr Arbeitsplatz ist überall da, wo gebaut und repariert wird – eben nur unter Wasser. Die Fähigkeit des Tauchens allein reicht allerdings nicht aus. Industrietaucher müssen in der Regel eine Ausbildung als Maurer, Schweißer, Zimmermann oder ähnliches mitbringen sowie einige Jahre Berufserfahrung vorweisen, bevor sie die Fortbildung zum Berufstaucher machen können.

Die Ausbildung dauert im Regelfall zwei Jahre, findet in einem Taucherlehrbetrieb statt und umfasst über 300 Fachunterrichtsstunden sowie etwa 200 Tauchstunden. Denn Berufstaucher müssen neben Tauchgrundlagen (z.B. Tauchmedizin, Umgang mit Tauchgeräten, Arbeiten unter Wasser) auch technisches Grundlagenwissen bezüglich der Arbeitsgeräte mitbringen sowie Rechtsvorschriften beherrschen. Außerdem kommen noch Fachzeichnen und -rechnen dazu. Rechnen müssen Berufstaucher auch mit rund 10.000 Euro Fortbildungskosten, die sie in der Regel selbst tragen müssen. Dafür sind die späteren Einkommensaussichten überdurchschnittlich gut. Gehälter von rund 10.000 Euro Monatsbrutto und mehr sind die Regel.

Weil die Tätigkeit unter Wasser ein Knochenjob ist, müssen Berufstaucher über eine gute gesundheitliche Verfassung verfügen. Konkret heißt das, man braucht ein tauchmedizinisches ärztliches Attest (die sogenannte G31-Untersuchung). Das Attest ist eine Grundvoraussetzung zur Berufsausübung und muss jedes Jahr erneuert werden. Und auch das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Bronze der DLRG gehört zu den Anforderungen, die Berufstaucher mitbringen müssen. Ausführliche Informationen liefert hier die Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Taucher/Geprüfte Taucherin, die seit dem Jahr 2000 in Deutschland existiert.

Und obwohl die Fortbildung zum Berufstaucher ab dem 21. Lebensjahr möglich ist, nimmt das Gros der Tauchfirmen gern etwas ältere Bewerber. Die haben nämlich einige Berufsjahre "auf dem Land" auf dem Buckel, bevor es unter Wasser geht. Dort warten dann sehr abwechslungsreiche Tätigkeiten, denn jeder Arbeitsort ist anders. Zum Einsatz kommen Berufstaucher außer in Hafenbecken, Baugruben oder Staudämmen auch in Talsperren sowie Offshore auf Ölplattformen und in Windparks auf hoher See.

Die Branche hat viel Potenzial, denn Fachkräfte werden gesucht. Neben den guten Berufsaussichten und ausgezeichneten Verdienstmöglichkeiten, die nach Arbeitgeber und Einsatzort leicht variieren, gibt es allerdings eine große Schattenseite: Der Beruf gehört zu einem der gefährlichsten und körperlich belastendsten hierzulande. Außerdem sind Industrietaucher oft lange für Einsatz von zu Hause abwesend. 

  • Gehalt: Angestellte Berufstaucher steigen mit mindestens 2.500 Euro brutto im Monat ein, häufig auch mehr. Wer viel arbeitet und/oder spezielle Arbeitseinsätze und -orte hat, kann durchaus bis zu 10.000 im Monat verdienen.
  • Arbeitszeit: Die Arbeitszeit richtet sich bei Industrietauchern nach Arbeitgeber und Einsatzort. Wer zum Beispiel Offshore auf einer Bohrinsel ist, arbeitet dort 14 Tage und hat anschließend 14 Tage frei.
  • Ausbildung: Für die zweijährige Ausbildung zum Berufstaucher benötigt man eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung, einige Jahre Berufserfahrung, muss mindestens 21 Jahre alt sein sowie über die gesundheitlichen Voraussetzungen verfügen.