So wie Simona*, die in einem privaten Pflegeheim in einer Großstadt in Nordrhein-Westfalen als Teilzeitkraft arbeitet und für 20 Stunden Wochenarbeitszeit ein Monatsgehalt in Höhe von 900 Euro netto erhält. "Ich hatte einen Abschluss, aber nicht als Pflegekraft. In Polen gibt es das in dieser Form auch gar nicht, weil die Pflege meistens von den Familien übernommen wird", sagt die 50-Jährige. Die gelernte Bürokraft arbeitet seit sechs Jahren in einem Heim. Ein Drittel ihrer rund 150 Kolleginnen und Kollegen stammt aus Osteuropa. "Wir sind hier gern gesehen, weil wir mit Leidenschaft bei der Arbeit sind und Respekt vor alten Menschen haben." Sie ist froh, einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen, für die sie sich über eine Maßnahme des Jobcenters qualifiziert hat.

Sie ist Betreuungsassistentin. Keine Altenpflegerin. Dennoch übernimmt sie häufig Aufgaben, die sie eigentlich nicht erledigen dürfte. Sie, die Angelernte, wurde in 160 Stunden geschult und darf eigentlich nur Betreuungsaufgaben erledigen. Doch sie springt immer dann ein, wenn kein Pfleger in der Nähe ist. Und das ist häufig der Fall.

"Auf einen Altenpfleger kommen hier manchmal 17 Pflegebedürftige. Wenn Bedarf da ist und ein Mensch zur Toilette begleitet werden muss, dann hilfst du doch", sagt sie. Simona, die mit den alten Menschen spazieren gehen oder sich mit ihnen unterhalten soll, springt dann ein. Also fast täglich, auch wenn es immer an der Grenze zum Illegalen ist.

Arbeiten an der Grenze zum Illegalen

Auch Erika* aus Polen wird regelmäßig eingeteilt, wenn es um die Lagerung von Bettlägerigen geht. "Ich gucke immer, wie meine ausgebildeten Kollegen das machen und versuche, mir die Handgriffe zu merken", erzählt sie. Erika kam als junge Frau aus Polen nach Deutschland. Sie war lange im Einzelhandel als Verkäuferin beschäftigt und wurde arbeitslos. Als Langzeitarbeitslose wurde sie durch eine Maßnahme des Jobcenters qualifiziert. Sie hat nun eine Teilzeitstelle in einem Pflegeheim und ist Betreuungsassistentin.

Sie weiß sehr genau, was sie kann und was nicht – und trotzdem packt sie mit an, wenn zum Beispiel Toilettengänge anstehen. "Ich habe nicht die richtigen Handgriffe parat. Das geht auf den Rücken, ich weiß. Aber es interessiert hier niemanden, ob ich qualifiziert bin oder nicht", sagt die 45-Jährige.

Als sie ihre Arbeit aufnahm, fühlte sich Erika richtig gut. Sie wollte etwas Sinnvolles machen und alten Leuten Abwechslung in ihrem Alltag bieten. "Aber leider mache ich das fast gar nicht. Häufig kommt es vor, dass ich morgens nur putze oder drei Stunden lang Brötchen schmiere. Manchmal füttere ich Patienten, obwohl ich das nicht darf, weil es zu Schluckbeschwerden kommen kann. Ich wüsste dann nicht, wie ich helfen soll." Doch der Einsatz von Betreuungsassistenten als Pfleger scheint schon fast der Normalfall zu sein. "Ich bin nicht die einzige, die keine Fachkraft ist, aber häufig so eingesetzt wird. Natürlich wird das in keiner Pflegedokumentation aufgeschrieben."

Aber Erika ist auf diesen Job angewiesen, auch wenn sie sich ausgenutzt fühlt, weil sie für alles eingesetzt wird. Am meisten sorgt sie sich um die pflegebedürftigen Menschen. "Wenn ich nicht einspringe, steht das Essen eben unangerührt auf dem Tisch und sie haben Hunger, weil sie ohne Hilfe nicht mehr essen können", erzählt sie. Erika weiß, dass ihr Arbeitgeber einen Lohnzuschuss für ihren Arbeitsplatz bekommt. "Ich bin viel billiger als eine Fachkraft", sagt sie. Daher sei es logisch, dass viele Heime Leute wie sie beschäftigen. Für die Menschen sei das allerdings kein Gewinn. "Die Pflege wird dadurch schlechter."

* Alle Namen von der Redaktion geändert.