Jeder dritte Beschäftigte hierzulande klagt über Dauerfrust im Job. Fehlende Wertschätzung, mangelnde Entwicklungschancen und zu wenig finanzielle Anerkennung sind dabei die am meisten genannten Gründe. Aber auch die Führungskräfte sind oft unzufrieden. Unzufrieden über die Arbeitsleistung von Beschäftigten, die bereits innerlich gekündigt haben und höchstens noch Dienst nach Vorschrift machen.

Dabei haben sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer in der Regel eine klare Grundlage für ihre Zusammenarbeit – den Arbeitsvertrag. Er ist die Vereinbarung über einen Tauschhandel. Und die lautet normalerweise: Leistung gegen Geld.

Arbeitsverträge sind für gewöhnlich Dienstverträge und keine Werkverträge. Das heißt, die Mitarbeiter schulden nicht ein bestimmtes Arbeitsergebnis oder die Erreichung quantitativer Ziele, sondern eine Dienstleistung und bestimmte Handlungsweisen. Unklar dabei ist oft die Frage nach der Qualität der Leistung.

Manager betrachten die Frage meist betriebswirtschaftlich. Sie wollen, dass die Arbeitnehmer die zielgerichtete, professionelle Umsetzung der vorgegebenen Prozesse durchführen. Aber das wird da zum Problem, wo Detailbeschreibungen unklar sind und sich Arbeitsaufgaben und Stellenprofile verändern, wo Arbeitsanforderungen und Aufgaben sich verdichten – und beide Seiten irgendwann frustriert feststellen, dass die Tauschkonditionen nicht mehr stimmig sind. Meist haben die Mitarbeiter das Gefühl, dass sie viel arbeiten und zu wenig Geld und Anerkennung dafür bekommen. Und die Arbeitgeber finden die Arbeitsleistung zu gering und Gehaltsforderungen der Beschäftigten überzogen.

Tauschkonditionen neu verhandeln

Es kann sich daher lohnen, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich häufiger vor Augen führen, dass es sich bei ihrer Beziehung um ein Tauschgeschäft handelt. Und dass die Konditionen dafür auch neu ausgehandelt werden können – oder das Geschäft notfalls auch aufgelöst werden kann. Spätestens wenn man den Eindruck hat, dass der Tausch nicht (mehr) zu befriedigenden Konditionen verläuft, sollte man neu verhandeln.

Viele Arbeitnehmer sehen sich hier aber als die Schwächeren. Statt sich für bessere Konditionen einzusetzen oder notfalls einen anderen Arbeitgeber zu suchen, bei dem sie vielleicht mehr Wertschätzung, Gehalt oder bessere Karrierechancen bekommen, bleiben sie beim bisherigen Unternehmen und schimpfen über den Chef. Mitunter handeln sie aus Bequemlichkeit so. Das ist menschlich, aber führt letztlich dauerhaft in eine Sackgasse. Man harrt in einem unbefriedigenden Job aus, fühlt sich finanziell abhängig. Schlimmer noch: Man nutzt sein eigenes Potenzial nicht und verspielt somit die Chance, Zufriedenheit und vielleicht sogar Erfüllung im Beruf zu erleben.

Nun mag man einwenden, dass Erfüllung durch Arbeit gerade in einfachen Jobs vielleicht schwierig zu finden sein mag. Das halte ich für einen Irrglauben. Denn auch einfache Tätigkeiten kann man selbstbestimmt gestalten.

Und genau diese Selbstbestimmtheit kann dann auch aus dem Frust führen. Wenn beide Seiten – Mitarbeiter und Chefs – sich häufiger bewusst machten, dass die Grundlage im beruflichen Miteinander ein fairer Tauschhandel ist, wäre der Arbeitsalltag befriedigender für alle.

Karrieretipp - Sich verändern – aber wie? Sie fühlen sich festgefahren? Veränderung im Job ist möglich, Sie müssen sich bei kleinen Schritten selbst ermutigen. Wie das geht, erklärt Business-Coach Simone von Stosch.