Experimentelle Neugier ist angesagt, wenn Jung und Alt bei der BASF, Ludwigshafen, im Management zusammenarbeiten. Beim Jobsharing teilen sich in einem Pilotprojekt eine erfahrene Führungskraft und eine noch weniger erfahrene Führungskraft eine Stelle. "Der erfahrenere Mitarbeiter des Jobsharing-Tandems kann in einer verantwortlichen Position bleiben und hat gleichzeitig mehr Zeit für die privaten und familiären Herausforderungen", sagt Klaudia Czipri, Leiterin Work-Life-Management von BASF. Die weniger erfahrene Führungskraft profitiere davon, dass ihr ein Mentor zur Seite stehe und sie ebenfalls mehr Zeit für Familie und Privatleben habe. Gleichzeitig leiste das Modell einen wertvollen Beitrag zum Wissenstransfer im Unternehmen und geschätztes Wissen bleibt dem Unternehmen erhalten, sagt Czipri.

Auch bei Bosch, Stuttgart, hat eine ungewöhnliche Form der Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt begonnen: "Als etwa das Thema Social Media aufkam, haben junge Mitarbeiter, die sich gut auskennen mit Twitter oder Facebook, erfahrene Führungskräfte angeleitet", berichtet Heidi Stock, Expertin für Arbeitskultur bei Bosch, und nennt dieses Projekt "Revers Mentoring". Vom Mentoring spricht man, wenn ein erfahrener Mitarbeiter einem Kollegen mit weniger Erfahrung seinen Erfahrungsschatz weitergibt. Beim Reverse Mentoring sind die jungen Mitarbeiter die Mentoren und unterrichten die Top-Manager.

Impulse für die Kreativität

Erfahrene und junge Beschäftigte arbeiten vor allem in gemischten Teams zusammen. Darauf richten große Unternehmen wie Daimler und Deutsche Telekom, BASF und Bosch ein besonderes Augenmerk. Vielfalt – oder neudeutsch Diversity – lautet das Schlagwort dafür. Und deren erfolgreiche Teams setzen sich aus Jüngeren und Älteren, Männern und Frauen und ganz unterschiedlichen Nationalitäten zusammen. "Gerade gemischt zusammengesetzte Teams können Herausforderungen umfassender und damit besser lösen", heißt es in einer Mitteilung von Daimler. "Gemischte Teams stärken die Innovationskraft", sagt Heidi Stock von Bosch.

Jung und Alt harmonieren dennoch nicht auf Knopfdruck. "Das effiziente Miteinander der Generationen bei der Arbeit im Team braucht ein spezifisches Management", sagt Professor Jürgen Wegge, Arbeits- und Organisationspsychologe an der TU Dresden. "Führungskräften kommt hierbei eine besondere Rolle zu." Wegge hat für sie spezielle Trainings entwickelt.

Denn immer noch existieren in vielen Köpfen falsche Bilder vom Alter: In Ludwigshafen bei BASF werden Vorurteile gegenüber älteren Kollegen offen thematisiert. "Wir bieten Seminare an, in denen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren unbewussten Vorurteilen auseinandersetzen", sagt Silke Heinrichs, Leiterin Diversity and Inclusion bei BASF. "Dabei geht es auch um das Aufbrechen von Altersstereotypen." Kurse für erfahrene Führungskräfte beleuchteten diesen Aspekt im Hinblick auf Wahrnehmung, Kommunikation und Verhalten. Am Standort Ludwigshafen bei BASF sind von den rund 36.000 Mitarbeitern gegenwärtig 20 Prozent 55 Jahre oder älter. Angesichts der demografischen Entwicklung wollen sich zukunftsorientierte Unternehmen die Älteren als Leistungsträger erhalten.

"Es ist wichtig, dass man nicht die Haltung entwickelt: Da gehört jemand zum alten Eisen", sagt Heidi Stock von Bosch. "Als Technikunternehmen hat ein jahrzehntelang erworbenes Fachwissen für uns einen unschätzbaren Wert." Und eine Unternehmenskultur, die das lebenslange Lernen fördert, wolle natürlich auch die Älteren geistig und körperlich fit halten. Der künftige technologische Wandel erfordere weitere Qualifizierung von den Älteren: "Gerade im Hinblick auf die neuesten Entwicklungen, etwa Industrie 4.0 und die digitale Vernetzung von Produkten, begleiten wir alle Beschäftigten frühzeitig", sagt Heidi Stock. "Wir wollen, dass sie auf dem neuesten Stand bleiben. Entsprechend schulen wir auch alle Mitarbeiter altersunabhängig."

Stereotype aufbrechen

Zum lebenslangen Lernen gehören nicht nur Seminare. "Wir wünschen uns, dass sich alle Mitarbeiter, egal ob jung oder alt, in ihren persönlichen und fachlichen Kompetenzen eigenverantwortlich weiterentwickeln", sagt Silke Heinrichs. Im Vordergrund stünde dabei das Lernen von anderen, beispielsweise durch Coaching und Feedback, Job Rotation oder Auslandsaufenthalte, Übernahme einer Projektleitung oder On-the-job-Maßnahmen.

Für die Fitness nicht nur der Älteren gibt es bei Bosch, BASF oder Daimler eine Vielfalt an Gesundheitsangeboten und ergonomische Maßnahmen am Arbeitsplatz. Man berücksichtigt die Bedürfnisse der Beschäftigten und bietet innovative Arbeitszeitmodelle – ob Teilzeit, mobiles Arbeiten oder die Freistellungsoption. Und davon profitierten nicht nur die Älteren, sondern auch die Jungen.