In dem Unternehmen, das Füsun Kösker mit ihrer Schwester Funda Aktas gegründet hat, hängt noch ihr Diplom der Technischen Universität Berlin an der Wand. Beide Schwestern haben das gleiche Fach studiert – Technische Informatik. Aber sie machten sich nicht mit einer Softwareschmiede selbstständig, nicht mit einer IT-Beratung. Sondern mit einem Kosmetikstudio. Zehn Jahre ist das jetzt her, und Kösker bereut ihre Entscheidung keine Sekunde.

Eigentlich gehörten Aktas und Kösker zu einer begehrten Spezies. Frauen in IT-Berufen sind rar, der Branchenverband Bitkom schätzt ihren Anteil immer noch auf magere 15 Prozent. Es gibt mittlerweile Initiativen, die Mädchen für die Arbeit mit dem Computer begeistern sollen, und Mentoringprogramme für Informatikstudentinnen.

Tatsächlich fanden die Schwestern im Handumdrehen Jobs: Noch vor ihrem Abschluss bekam Aktas einen Job bei einer Bank in Frankfurt. Weil es ihr dort nicht gefiel, wechselte sie zu einer Unternehmensberatung, zurück nach Berlin, und blieb sieben Jahre lang. Kösker arbeitete nach ihrem Studium zwei Jahre lang bei einem Start-up in der internen Entwicklung.

Die Männer gaben den Takt vor

Von Unterstützung aber merkten sie damals noch wenig. Das fing im Studium an: Mit "Guten Morgen, meine Herren" begannen die Professoren ihre Vorlesungen. Und es ging im Job weiter: Die Männer gaben den Takt vor. "Offiziell hätte ich bis 18 Uhr arbeiten müssen", sagt Kösker, "aber wer um 19 Uhr ging, wurde schräg angeguckt." Vergütet wurden die Überstunden nicht, das Betriebsklima empfand Kösker als unangenehm. "Je mehr du gegeben hast, umso mehr wollten sie", sagt sie.

Ihre Schwester bekam zwar mehr Gehalt als sie, war aber ebenfalls unglücklich: Sie war unter der Woche nie in Berlin – und sah ihren kleinen Sohn deshalb kaum. Während sie weg war, war er in der Kita, bei Oma und Opa oder bei der Schwester, die damals noch studierte. Irgendwann hörte sie immer öfter: "Mama, wann kommst du nach Hause?" Sie begann, dienstags zurückzufliegen, um bei ihrem Sohn zu sein. Sie brachte ihn mittwochs in die Kita, flog wieder zum Kunden und kam freitags spät zurück. "Einen Job mit Reisetätigkeit machst du, wenn du keine Familie hast", sagt sie heute.

In der IT-Branche gründen? Bloß nicht

Beide Schwestern wollten raus aus ihren Jobs – und beschlossen, sich gemeinsam selbstständig machen. "Die Selbstständigkeit liegt bei ihnen in der Familie", sagt Filiz Sahinkaya, eine Freundin, die mit Füsun Kösker zur Schule ging, "sie haben das im Blut." Aber für die IT waren Aktas und Kösker verloren. "In der Branche zu gründen, kam nicht infrage", sagt Füsun Kösker. Sie empfanden sie als zu männerdominiert, zu konkurrenzgetrieben. "Und man braucht Vitamin B." Die Kontakte, so sahen es die Schwestern, fehlten ihnen. Aktas hatte durch ihren Beraterjob zwar Kunden kennengelernt, aber die saßen nicht in Berlin – und reisen wollte sie ja gerade nicht mehr.