Hier sind Forschungsergebnisse hochrelevant, mit denen das Unternehmen Google im Frühjahr an die Öffentlichkeit getreten ist. Ein Team um den Personalchef Laszlo Bock hatte sich auf den Weg gemacht zu verstehen, was wirklich gut funktionierende Teams von den weniger produktiven unterscheidet. Ursprünglich war die Forschergruppe der Auffassung, es würde an der individuellen Qualität der Teammitglieder liegen, ganz nach dem Motto: je mehr Intelligenzbestien mit Stanford-Abschluss, desto besser die Leistung. Doch sie wurden eines Besseren belehrt.

Der mit Abstand wichtigste Faktor, der Googles Top-Teams von den durchschnittlichen unterscheidet, ist die Art und Weise, wie die Menschen innerhalb der Gruppe miteinander umgehen – unabhängig von der individuellen Qualität. Von herausragender Bedeutung ist dabei, was die Google-Forscher Psychological Safety nennen. Gemeint ist, ob eine Gruppe es schafft, eine Arbeitsatmosphäre zu kreieren, in der alle Mitglieder, unabhängig von Hierarchie, Expertise, Geschlecht usw. das Gefühl haben, ihre Meinung und ihre Ideen frei aussprechen zu können.

Menschen haben das grundlegende Bedürfnis, vor anderen als intelligent und kompetent zu erscheinen – vor allem im beruflichen Kontext, wo es auch um Aspekte wie Beförderungen und mehr Gehalt geht. Wir mögen es nicht, wenn man unsere Fehler und Schwächen entdeckt. Doch genau an diesem Punkt zeigt sich das Geheimnis erfolgreicher Teams. Wenn wir Menschen um uns haben, die uns ermutigen, ins Risiko zu gehen, die unsere Verletzlichkeit sehen und achtsam damit umgehen, die uns ermöglichen, unser ganzes Selbst zur Arbeit zu bringen. Wenn all das sein darf, ohne dass wir befürchten müssen, ausgelacht oder benachteiligt zu werden – genau dann entsteht Höchstleistung.

So zumindest die Google-Studie. Doch die Forscher aus Mountain View stehen nicht alleine da mit ihrer Ansicht.

Emotionale Sensitivität und Diversität

2010 veröffentliche ein Forscherteam um Anita Woolley von der Carnegie Mellon University eine Arbeit zur Erforschung kollektiver Intelligenz im renommierten Magazin Science. Ähnlich wie das Google-Team gingen die Forscher der Frage nach, was hochperformante von weniger erfolgreichen Teams unterscheidet. Auch sie hatten die Hypothese, dass die individuelle Intelligenz der Teammitglieder der entscheidende Faktor für die Gruppenintelligenz sein müsse. Und auch sie mussten umdenken. Zwar hing die Gruppenleistung in ihren Experimenten mit der durchschnittlichen Intelligenz der Gruppenmitglieder zusammen, doch war dieser Beitrag vernachlässigbar.

Stattdessen kamen die Forscher zu Einsichten, die sehr nah an den Erkenntnissen von Google lagen. Ob eine Gruppe sich durch kollektive Intelligenz hervortat, hing erstens davon ab, wie viel soziale Sensitivität die einzelnen Mitglieder an den Tag legten. Dazu gehört unter anderem, die Gefühle anderer Menschen zu erkennen und sich darauf einzustellen.

Zweitens stieg die Gruppenleistung, wenn in der Problemerkundungsphase viele unterschiedliche Meinungen gehört wurden. Jene Teams, in denen alle Mitglieder gleichermaßenzu Wort kamen, waren erfolgreicher. Gruppen, die von einigen wenigen Individuen dominiert wurden, schnitten deutlich schlechter ab.

Schließlich zeigte sich, dass der Frauenanteil in den Gruppen signifikant positiv mit der Leistung korrelierte. Ergo: Je mehr Frauen, desto besser im Mittel die Problemlösungsfähigkeit. Der Frauenanteil war wiederum statistisch mit dem Maß an sozialer Sensitivität verknüpft. Frauen machen Gruppen effektiver, weil sie im Mittel ein höheres Maß an emotionaler Intelligenz an den Tag legen.

Unternehmen brauchen angstfreie Räume

Angst macht nicht nur den Körper, sondern auch das Denken eng, dies ist eine der zentralen Erkenntnisse der noch jungen Positiven Psychologie. Sich sicher zu fühlen und wertgeschätzt zu werden ist eine Vorbedingung für intrinsische Motivation und Kreativität. Wer als Mensch glaubt, dass seine Gedanken und Gefühle sanktioniert werden, der macht dicht. Das fällt vielleicht nicht gleich beim ersten Mal auf, aber wo Vertrauen erst einmal zerstört wurde, ist es zu spät.

Und so ist dies, so banal es vielleicht klingen mag, die wohl wichtigste Aufgabe für Führungskräfte und auch Personaler: Wir müssen sicherstellen, dass unsere Organisationen angstfreie Räume werden und bleiben. Professor Quinn sagt dazu: "Exzellenz entsteht dort, wo Menschen ermächtigt werden, sich frei zu entfalten. Diese Entwicklung setzt notwendigerweise einen inneren Wertewandel bei den Führungskräften voraus. Am Ende des Tages geht es um die Überwindung des eigenen Egos."

Ich bin sicher, dass wir in den nächsten Jahren mehr und mehr Unternehmen sehen können, die den Schulhof hinter sich lassen und erwachsen werden.