Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen in Deutschland nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung noch zu wenig aus. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Demnach hat nur jede dritte Berufsschule eine gute WLAN-Versorgung. 40 Prozent der Schulen haben laut Studie überhaupt kein WLAN.

Die Stiftung sieht darin ein erhebliches Problem und fordert eine neue Strategie von den Betrieben und Berufsschulen. "Digitales Lernen braucht gute Infrastruktur und Qualifizierung", sagt der Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Für Dräger ist ein guter Internetzugang die Grundlage für "pädagogische Innovation".

Neben der schlechten Infrastruktur zeigt die Studie auch, dass es Lehrkräften beim Umgang mit neuen Techniken an Unterstützung mangelt. 53 Prozent der befragten Lehrer und 43 Prozent der Ausbilder beklagten, dass ihnen Orientierungshilfen zum Angebot digitaler Lernhilfen fehlen. Der Großteil der beiden Gruppen (jeweils 60 Prozent) gab zudem an, dass zu wenig Zeit bliebe, sich mit den neuen Lernmethoden zu beschäftigen.

In vielen Ausbildungsbetrieben ist laut der Studie die Bedeutung der Digitalisierung noch nicht angekommen. Weniger als ein Drittel der Betriebe hält digitale Lernmethoden für strategisch relevant. In den Berufsschulen messen zwei Drittel der Rektoren digitalen Lernformen eine strategische Bedeutung zu. Und nur 33 Prozent der Lehrer an Berufsschulen halten die digitalen Lerntechnologien für eine Option, zu besseren Lernergebnissen zu kommen.

Schüler wünschen sich digitale Medien

Auszubildende und Berufsschüler würden sich dagegen mehr digitale Lernmethoden wünschen, heißt es im Studienbericht. So sagten 85 Prozent der befragten Auszubildenden, ihre Lehrer sollten "häufiger etwas Neues mit digitalen Medien ausprobieren". Die derzeit gut 1,3 Millionen Azubis in Deutschland stünden "der digitalen Welt sehr viel offener gegenüber als ihre Lehrer und Ausbilder", heißt es weiter. "Berufsschüler setzen digitale Medien beim Lernen zu Hause wesentlich häufiger ein als im Unterricht oder im Betrieb."

Das Bundesbildungsministerium hat Anfang dieses Jahres ein Sonderprogramm im Umfang von maximal 74 Millionen Euro bis 2019 vorgelegt, das die Digitalisierung in der beruflichen Bildung vorantreiben soll. "Auszubildende müssen beispielsweise mit 3-D-Druckern oder Drohnen umgehen können", heißt es dort. Das Ziel: "modernste Rahmenbedingungen zu schaffen und dadurch eine zukunftsfähige Qualifizierung der Ausbildenden zu ermöglichen".