ZEIT ONLINE: Sie sagen, mit dem richtigen Licht kann man sein kreatives Potenzial besser ausschöpfen. Was ist denn das richtige Licht, Herr Haase?

Raphael Haase: Als ich in Kalifornien war, fühlte ich mich im Büro immer müde. Sobald ich draußen im natürlichen Licht war, fühlte ich mich deutlich aktiver. Zur gleichen Zeit stieß ich auf Forschungsergebnisse, die den Zusammenhang von Sonnenlicht und Produktivität belegten. So kam ich auf die Idee, ein Produkt zu entwickeln, das diese positiven Eigenschaften des Sonnenlichts in geschlossene Räume bringt.

David Austing, einer meiner Geschäftspartner, hatte sich bereits mehrere Jahre mit Lichttechnik und der Wirkung von Licht beschäftigt. Er hatte zwar den aktivierenden Effekt von hellem und blau angereichertem Licht erfolgreich mit einer Tageslichtleuchte am Schreibtisch ausprobiert. Ihn störte jedoch, dass diese viel Platz einnahm und zudem optisch nicht zum restlichen Bürodesign passte. Auch fehlte der Leuchte die notwendige Intelligenz, um sich im Tagesverlauf dem Biorhythmus anzupassen. Und so beschlossen wir, eine Lampe zu entwickeln, die sowohl den Farbverlauf von Sonnenlicht als auch das Lichtspektrum von diesem nachahmt – und dazu noch ein minimalistisches Design haben sollte.

ZEIT ONLINE: Herausgekommen ist Ihre sogenannte Coffein Lamp. Wie genau funktioniert die von Ihnen entwickelte Leuchte?

Haase: Wir haben eine Lampe entwickelt, die produktiver macht und das Wohlbefinden steigert. Unterstützt wurden wir hierbei von dem Münchner Schlafforscher Till Roenneberg. Unsere Leuchte steuert über einen zweiten Lichtaustritt gezielt Licht in die Augen, das aktivierende Effekte hervorruft. Dafür haben wir in einem aufwändigen Prozess eine Reihe von Kriterien beachtet, die auf die Physiologie des Menschen eingehen. Denn nur wenn das Licht die richtigen Wellenlängen hat und auch aus dem richtigen Winkel in das Auge trifft, ist es wirklich wirksam.

Außerdem kann man unsere Lampe quasi intelligent steuern. Denn draußen verändert sich das Licht ständig, und drinnen muss sich die Beleuchtung dann anpassen. Diese Veränderung haben wir in Lichtfarbe und Intensität mit einem speziellen Steuerungskonzept nachgebaut. Eine zugehörige Smartphone-App ermöglicht, auf den individuellen Bedarf des Nutzers einzugehen.

Und dann gibt es noch einen weiteren Clou – blaues Licht. Gut untersucht ist, dass blaues Licht wieder munter macht. Ein bisschen so wie Kaffee. Daher nennen wir die Leuchte auch Coffein Lamp. Wenn man sich müde fühlt, kann man mit einem Knopfdruck das blau angereicherte Licht in der Lampe aktivieren. Nach einer bestimmten Zeit geht die Leuchte automatisch wieder zurück auf das normale, der Tageszeit angepasste Niveau.