Er sei am besten in der Hauptschule aufgehoben. So lautete der Rat seiner Klassenlehrerin in der Grundschule, als Pascal Hofmann elf Jahre alt war. Also schickten ihn die Eltern zur Hauptschule. "Zwei Jahre habe ich mich dort gelangweilt, bis ich endlich auf die Realschule wechseln durfte", erzählt der heute 34-Jährige. Das war die Realschule am Hemberg in Iserlohn, seiner Heimatstadt. Mit knapp 100.000 Einwohnern ist es die größte Stadt im Sauerland und bekannt durch die Iserlohn Roosters, den Eishockey-Verein, der in der Deutschen Eishockey Liga spielt.

Mit fünf Jahren hat Hofmann diese Sportart dort angefangen und wurde als Stürmer mit den Junioren im Jahr 2000 Deutscher Meister. Eishockey spielt er noch heute, aktuell in der ersten Mannschaft in Esslingen. "Ich bin nicht der muskelbepackte Bodybuilder, sondern der flinke Läufer auf dem Eis", sagt er. Hofmann rammt seine Gegner nicht um und lässt sich selten umwerfen. "Ich versuche, immer schnell am Gegner vorbeizufahren."

Zum Ende seiner Schulzeit suchte Hofmann nach einem passenden Beruf. "Weiter auf die Schule wollte ich nicht, sondern etwas Praktisches lernen." Nur was? Der Sohn wurde, was der Vater ist: Automechaniker. Der junge Hofmann hatte zwei Ausbildungsstellen zur Auswahl. Er entschied sich gegen das Daimler-Autohaus und für Opel, "weil mir dort gesagt wurde, dass die Chancen auf eine Übernahme nach der Ausbildung wahrscheinlich seien". Am Ende kam es doch anders, und mit Daimler sollte er noch intensiv zu tun bekommen.

Schon während seiner Ausbildung wurde Hofmann klar, dass er anschließend weitermachen wollte. "Am Auto musste ich hart arbeiten und habe so wenig verdient wie ein Friseur", sagt er. Übernommen wurde er nach seiner Lehrzeit zudem nicht. Deshalb arbeitete er einige Monate als Kassierer an einer Tankstelle. Im Sommer ging er aufs einjährige Berufskolleg und machte die Fachhochschulreife. Dann studierte Hofmann Mechatronik an der Fachhochschule Südwestfalen. "Das Fach fand ich spannend, auch weil es Schnittstellen zur Mechanik, Elektronik, Informatik und Management hat und daher die beruflichen Einsatzmöglichkeiten ebenso breit sind wie es die Ausbildung selbst ist." Seinen Studienschwerpunkt legte er aufs Projekt- und Qualitätsmanagement. In dieser Disziplin schrieb er auch seine Diplomarbeit – bei Daimler. Aber wieder: Trotz der Traumnote 1,0 wurde er nicht übernommen. "Ich habe mein Studium 2009 abgeschlossen. Da war Weltwirtschaftskrise und bei Daimler Einstellungsstopp." 

Promotion in Norwegen

Seine Alternative war die Firma Düsterloh Fluidtechnik in Hattingen. Das Unternehmen entwickelt und produziert Hydraulik- und Pneumatikmotoren. Hofmann wurde eingestellt, um einen neuen Prüfstand zu entwickeln, an dem Hydraulikmotoren getestet werden sollten. Das Projekt schloss er innerhalb eines halben Jahres ab und kündigte noch innerhalb der Probezeit. Sein ehemaliger Professor hatte in angesprochen, dass er eine Promotionsstelle für ihn habe an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik in Trondheim. Mit rund 180.000 Einwohnern ist sie die drittgrößte Stadt des Landes. Dorthin zog Hofmann im Sommer 2010, "weil es für mich als Fachhochschüler in Deutschland nicht möglich war, zu promovieren und weil das Thema Manufacturing Systems Engineering sehr gut zu meinem Background passt."

Heute ist er promovierter Ingenieur: Pascal Hofmann © privat

Hofmann promovierte im Fachgebiet Produktions- und Qualitätsmanagement. "Das PhD-Programm in Trondheim ist adaptiert vom amerikanischen: Es besteht aus einer akademischen Weiterbildung, dozieren in und organisieren von Kursen sowie der wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas als Hauptaufgabe." Der Doktortitel wurde ihm im Februar 2015 verliehen.

Die anschließende Jobsuche war schwierig. "Als Doktorand hat man den Ruf weg, ein reiner Theoretiker zu sein." Genau das wollte Hofmann vermeiden, indem er ein Jahr seiner Promotionszeit eine Fallstudie in einem Hamburger Unternehmen erstellte. Dass Ingenieure am Arbeitsmarkt gesucht sind, hat er nicht erfahren.

Auch mit Doktortitel fiel Jobsuche schwer

Seit Februar 2016 leitet Hofmann das Geschäftsfeld Maschinenbau an der Technischen Akademie Esslingen, einem Weiterbildungsinstitut. "Ich optimiere bestehende und konzipiere neue Seminare, ausgerichtet am Bedarf von Unternehmen und der Industrie", erzählt er.

Der Aufstieg vom früheren Hauptschüler zum promovierten Ingenieur habe ihn fachlich kompetenter gemacht. "Menschlich bin ich bodenständig geblieben." Allerdings hätte er noch zu Beginn des Studiums keinen Augenblick an eine Promotion gedacht. "Sie hat sich einfach ergeben, so wie man auf seinem Weg einen Fuß vor den anderen setzt."