Conni, Felix, Liliana, Laura – so heißen die besten Freunde unserer Kinder. Sie lernen mit ihnen Fahrradfahren, reisen mit ihnen um die Welt, hören sie mit Tieren sprechen und kümmern sich gemeinsam um vom Himmel gefallene Sterne. Im Buch ist alles möglich. Doch bis diese fiktiven Freunde im Kinderzimmer Gestalt annehmen können, ist es oft ein langer Weg.

Julia Boehme träumte schon als Kind davon, Schriftstellerin zu werden: "Ich wollte meiner langweiligen Kindheit mit der Fantasie ein Schnippchen schlagen", sagt sie. Ein Jahr lang lief sie dann als 30-Jährige jeden Morgen zu ihrem Briefkasten und hoffte, darin die positive Antwort eines Verlages auf ihr erstes Manuskript zu finden. Doch sie erhielt Absagen mit der immer gleichen Antwort: "Passt nicht ins Programm".

Boehme gab nicht auf. Und dann kam der große Tag doch: Gleich zwei Verlage wollten die Anfängerin ins Boot holen. Und heute, 20 Jahre später, stehen 170 eigene Bücher im Regal der 50-Jährigen. Bekannt geworden ist sie vor allem für ihre Conni-Reihe und Tafiti. Eine Erfolgsgeschichte, die so nicht alle Kinderbuch-Autoren erzählen können. Ihr Beruf ist ein hartes Business. Bei einem Verlag unter Vertrag zu kommen, gleicht einem Hauptgewinn. Und wer schon veröffentlicht hat, und nicht gerade zu der Spitzenriege von Kinderbuch-Autoren gehört, muss ständig Neues nachliefern, um sich finanziell über Wasser zu halten. Die Dauer der Bücher im Verkaufsregal hält kaum eine Saison. "Man hat nie ausgesorgt", sagt sogar Boehme.

Harter Konkurrenzkampf

Dabei sind Kinder- und Jugendbücher insgesamt ein erfolgreiches Marktsegment: Laut dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels war es 2015 die drittwichtigste Warengruppe im Verlagswesen, gleich nach der Belletristik und den Ratgebern. Ihr Umsatzanteil lag bei 15,8 Prozent. Vergangenes Jahr erschienen in dieser Sparte in Deutschland 9.081 Neuauflagen.

Wer in den kommenden Jahren seinen Namen in dieser Liste sehen will, erhöht heutzutage seine Chancen, wenn er sich an eine Literatur-Agentur wendet. Sicher, wer sein Buch veröffentlichen will, kann sich auch auf Buchmessen von Lektor zu Lektor vorkämpfen oder sein Manuskript direkt an verschiedene Verlage ungefragt einschicken. Das kann funktionieren. Aber was in den USA schon lange gängig ist, wird für die Kinderbuch-Neulinge auch hierzulande immer selbstverständlicher. "Wir verkaufen nicht nur ein Buch an einen Verlag, wir entwickeln den Autor mit seinem Potenzial ähnlich wie bei einer Marke", sagt Birgit Arteaga.

Die Literatur-Agentin, die seit zehn Jahren im Geschäft ist, versteht sich als Kaderschmiede. Sie erhält im Jahr etwa 600 ungefragt eingesandte Manuskripte, von denen sie nur etwa zwei Prozent als marktfähig einstuft und deshalb weiterverfolgt. Die Literatur-Agenten verfügen über ein Netzwerk bei den Verlagen, deren Lektoren sich gerne einen Teil der Arbeit, nämlich die der Vorauswahl von Erfolg versprechenden Autoren, abnehmen lassen. Sie vertrauen auf deren Gespür. So auch Anuschka Albertz, die Verlegerin des Ravensburger Buchverlages: "Wer etwas kann, wird von den guten Agenten in deren Portfolio aufgenommen. Sie wissen, was Verlage suchen und coachen ihre Autoren entsprechend." Zudem behaupten die Agenten, sie könnten für die Autoren bessere Konditionen verhandeln. "Wir achten auf das Kleingedruckte wie zum Beispiel die Laufzeit der Verträge, die Höhe des Vorschusses, die Rechte über das Buch", sagt Cristina Bernardi von der Literatur-Agentur Michael Meller in München. Dafür erhalten die Agenturen zwischen 15 und 20 Prozent vom Gewinn des Autors an seinem Buch.