Wenn jetzt im Sommer die Touristen die Hafenstädte an Nord- und Ostsee bevölkern und in den Häfen oft direkt vom Kutter frische Krabben kaufen, entsteht ein romantisches Bild vom Beruf der Fischer. Doch so idyllisch ist der Job als Krabbenfischer nicht. Im Gegenteil, es ist harte, körperlich anstrengende Arbeit.

Meist beginnt der Arbeitstag früh am Morgen oder noch in der Nacht. Egal, ob es regnet, stürmt oder eine klirrende Kälte draußen ist – gefischt wird bei fast jeder Witterung und so gut wie jedem Wellengang. 

Die Crew ist allerdings auf die Tide angewiesen, denn die Fischer fahren bei Hochwasser hinaus in die Fanggebiete der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei. Vorher haben sie das Equipment klar gemacht: Krabbenschleppnetze und Fanggeschirre, die in den Gebieten ausgeworfen werden. Um mit reichlich Beute zurückzukehren, beobachten die Fischer  während der Schleppfahrt per Echolot den Meeresgrund.

Sind die Netze voll, beginnt die eigentliche Arbeit an Bord: Netze einholen und den Fang mit Sieben sortieren – die Krabben kommen in den Kessel, um vor dem Abfüllen in Plastikkisten abgebrüht zu werden. Alles andere, wie etwa kleine Fische, kommt in der Regel zurück ins Meer.

Wieder im Nord- oder Ostseehafen angekommen, wird der Fang gelöscht. Das heißt, der Kutter wird entladen. Vorbei ist der Arbeitstag damit jedoch nicht, denn auch die Wartung, Pflege und Instandhaltung der Netze und Maschinen an Bord gehören zu den Aufgaben eines Krabbenfischers. Und ist die Fangzeit für Krabben vorbei, wird kein Urlaub gemacht, sondern meist nach Fischen gefischt.

Zimperlich darf man in der Fischerei generell nicht sein. Neben der körperlich anstrengenden Arbeit sind die Wetterbedingungen für den Körper eine große Herausforderung. Auch bei sehr kaltem oder sehr heißem Wetter sowie starkem Seegang muss die Crew ihre Arbeit an Deck erledigen.

Nicht ohne Seemannsbuch

Ohne Know-how geht jedoch nichts: Für die Arbeit an Bord eines Krabbenkutters benötigt man neben einer Ausbildung in der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei ein gültiges Seemannsbuch sowie ein Zeugnis über die Seediensttauglichkeit. Und weil der Umgang mit Lebensmitteln nach dem Infektionsschutzgesetz eingehalten werden muss, braucht ein Krabbenfischer auch eine Bescheinigung nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Nicht zuletzt erfordert der Beruf auch eine hohe soziale Kompetenz, die Besatzung eines Fischkutters hockt oft tagelang auf engstem Raum zusammen.

Dafür gibt es in der Fischerei wieder allerlei Jobs. Denn nicht nur Fischereibetriebe brauchen Fischwirte, sondern auch fischverarbeitende Unternehmen sind auf der Suche nach Fachkräften. Die Berufsaussichten sind also nicht schlecht. Reich wird man in der Branche allerdings nicht. Das Lohnniveau ist gering. Und auch das Privatleben kann zuweilen unter den Arbeitszeiten leiden.

  • Ausbildung: Die dreijährige Ausbildung zum Fischwirt ist mit den Schwerpunkten Kleine Hochsee- und Küstenfischerei, Fischhaltung und Fischzucht, sowie Seen- und Flussfischerei in Fischereibetrieben möglich. Dabei werden Grundlagen der Krabben- und Küstenfischerei, Fischverarbeitung, Fang- und Ladungstechnik, Nautik sowie des Verkaufs vermittelt.
  • Gehalt: Fischwirte verdienen im ersten Ausbildungsjahr zwischen 450 und 630 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr zwischen 480 und 660 Euro und im dritten Ausbildungsjahr zwischen 530 und 730 Euro brutto monatlich. Nach der Ausbildung steigen Fischwirte mit einem Bruttomonatslohn von etwa 1.500 Euro ein. Mit mehr Berufserfahrung ist ein Bruttolohn von rund 2.100 Euro möglich.
  • Arbeitszeit: Die Arbeitszeit hängt von der Saison und Tide ab. Das heißt, der Kutter fährt bei Hochwasser los und ist in der Regel zwei, drei Tage unterwegs.