ZEIT ONLINE: Sie sagen, man kann jeder Krise mit optimaler Zusammenarbeit begegnen. Wie meinen Sie das, Herr Magnussen?

Christoph Magnussen: 2011 war der damals weltweit größte Mobilfunkkonzern Nokia dem Ende nah: Wir haben erlebt, wie die Nachfrage innerhalb des Jahres nach den klassischen Nokiatelefonen um ein Vielfaches sank. Wenig später vor dem Verkauf an Microsoft sagte Nokia-CEO Stephen Elop, dass ein wesentlicher Teil dieses Niedergangs auf die fehlende interne Zusammenarbeit zurückzuführen war.

Da mein damaliges Unternehmen auch mit Mobilfunkgeräten gehandelt hat, hat mich dieser Fall sehr beschäftigt und ich habe für mich daraus die Lehre gezogen: Ändert sich der Markt und das Umfeld, müssen Unternehmen nicht nur Geschäftsmodell und User Experience im Griff haben, sondern auch die interne Zusammenarbeit, also die Abläufe in der Operations transformieren. Das hat Nokia zu dem Zeitpunkt nicht hinbekommen und viele Unternehmen erleben es jetzt gerade mit der Digitalisierung

ZEIT ONLINE: Und Sie machen das anders?

Magnussen: Das will ich doch schwer hoffen. Wir haben uns die Technologie und moderne Tools zunutze gemacht. So haben wir gelernt, was moderne Kollaboration ausmacht. Denn die bedeutet nicht nur Umbruch, sondern auch unfassbare Geschwindigkeit. Viele kennen es selbst aus ihrem beruflichen Kommunikationsverhalten. Ich schreibe eine Mail und erwarte sofort eine Antwort. Zusätzlich bin ich mit anderen Tools ständig online und poste beispielsweise in firmeninterne soziale Netzwerke. Die einen verfluchen diese Entwicklung, andere empfinden es als genial. So oder so, die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind enorm. Jeder kann jederzeit reagieren, standortunabhängig und in Echtzeit. Und ist das Team dazu noch richtig aufeinander eingestellt, hat man gute Chancen, einer Fehlentwicklung sofort entgegenzuwirken. Viele Probleme, die man früher hatte, löst heute die Technologie.

ZEIT ONLINE: Können Sie ein Beispiel nennen?

Magnussen: Ein gutes Beispiel ist mymuesli. 2007 gegründet verfügt das Unternehmen heute über 800 Mitarbeiter. Und während am Anfang alles über einen eigenen E-Mail-Server lief und verschiedene Tools im Einsatz waren, um das Unternehmen in der kommunikativen Entwicklung  technisch zu begleiten, war es nie die perfekte Lösung. Denn die verschiedenen parallel nebeneinander agierenden Tools konnten nicht miteinander verknüpft werden. Als dann noch internationale Standorte hinzukamen, war klar, dass das Unternehmen in die Cloud gehen muss, um weiterhin die Mitarbeiter so erfolgreich zusammenarbeiten zu lassen. Es entschied sich dann zu einer Lösung bei einem sehr großen Anbieter. Aber natürlich wurde der Datenschutz stark diskutiert. Das ist auch richtig so.