Für unsere Firma haben wir daraus klare Schlüsse gezogen – und nicht mehr in Stellen, sondern nur noch in Bereichen und Budgets gedacht. Wir haben uns einerseits genau überlegt, wie viel Kapazitäten wir für bestimmte Aufgaben wirklich benötigen und auf der anderen Seite alle zukünftigen Teammitglieder gefragt, was ihre bevorzugte Wochenarbeitszeit wäre. Diese haben wir bisher in allen Fällen möglich gemacht und in Bereichen, in denen wir noch mehr Power brauchten, einen Jobsharing-Partner oder Teamkollegen hinzu gesucht.

Das Ergebnis: Wir haben alle Vollzeitstellen mit einer 40-Stunden-Woche abgeschafft und niemand von uns vermisst sie.

Damit die Abschaffung der typischen Vollzeitstellen nicht mit der Abschaffung von Sicherheit einhergeht, arbeiten bei uns alle Mitarbeiter in unbefristeten festen Arbeitsverhältnissen. Unser Experiment basiert ganz maßgeblich darauf, dass alle Teammitglieder verbindlich und eigenverantwortlich agieren, sich in klarer Kommunikation und auch in Rücksichtnahme üben. Beim wöchentlichen Teammeeting zum Beispiel sind alle anwesend oder zumindest via Skype zugeschaltet. Denn ohne Planbarkeit und Verbindlichkeit funktioniert die maximale Flexibilität nicht.

Flexibilität versus Sicherheit

Das alles läuft im Alltag nicht immer rosarot ab, aber klappt in den allermeisten Fällen und Situationen so wunderbar, dass wir der 40-Stunden-Stelle keine Träne nachweinen. 

Wenn wir tatsächlich atmende Organisation schaffen wollen, agile Strukturen und Mitarbeiter, die angesichts des digitalen Wandels handlungsfähig und reaktionsschnell bleiben sollen, dann gibt es noch einiges zu tun. Veränderungen mögen kleineren Unternehmen wie unserem zwar leichter fallen als den großen. Allerdings dürfen wir das als Ausrede nicht gelten lassen. Denn gerade bei den großen Konzernen ist es nötiger denn je, flexible Strukturen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu schaffen: um der (digitalen) Transformation zu begegnen, sie aktiv mitzugestalten – und um für die Talente von Morgen attraktiv zu bleiben.

Viele Unternehmen täten gut daran, statt Einwänden nur noch Fragen zu stellen und schon heute anzufangen, die Arbeitswelt von morgen zu gestalten.