Erstmals seit sieben Jahren wurden 2015 weniger Menschen mit dem Meister-Bafög gefördert. Einen Rückgang von knapp sechs Prozent zum Vorjahr auf 162.000 Empfänger hat das Statistische Bundesamt verzeichnet. Udo Kleinegees leitet dort das Sachgebiet Ausbildungsförderung. "Ich gehe davon aus, dass jeder, der eine Aufstiegsfortbildung macht, zumindest den Zuschussanteil in Anspruch nimmt", sagt er. Das bedeutet: Die Anzahl der Geförderten entspricht den Menschen im Land, die an einer Aufstiegsfortbildung teilnehmen. Und diese Zahl sinkt.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hat jetzt auf diese Entwicklung reagiert, aus dem Meister-Bafög wurde zum 1. August das Aufstiegs-Bafög. "Mit der Novelle des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes setzen wir ein klares Zeichen für die Attraktivität eines beruflichen Aufstiegs", sagt Wanka. Das Aufstiegs-Bafög ist altersunabhängig. Es setzt sich aus einem Zuschuss für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren sowie für das Meisterstück und einem Angebot der KfW-Bank über ein zinsgünstiges Darlehen zusammen. Aber ob mehr Geld hilft, um die Zahl der Meister zu erhöhen, ist fraglich. Schließlich freut sich Wanka auch über den ungebrochenen Trend zum Hochschulstudium und dass das Bildungsniveau in Deutschland stetig steigt: Während 2000 ein Drittel eines Jahrgangs studierten, sind es laut Bundesbildungsbericht 2016 heute fast doppelt so viele. Mehr Studenten bedeuten im Umkehrschluss aber weniger Auszubildende und damit in einigen Jahren weniger Meister.

Mehr Geld für mehr Empfänger

Das Meister-Bafög wurde 1996 eingeführt, um Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung eine Aufstiegsfortbildung zu ermöglichen. In den vergangenen 20 Jahren sind 1,9 Millionen Empfänger mit insgesamt rund 7,4 Milliarden Euro gefördert worden. "Anfangs kamen sie zu über zwei Drittel aus dem Handwerk, jetzt ist es nur noch weniger als ein Drittel", sagt Kleinegees. Zwei Drittel der Geförderten waren 2015 Männer. Die häufigsten Berufe, in denen sie finanziell unterstützt wurden, waren Industriemeister Metall, gefolgt vom staatlich geprüften Maschinenbautechniker und dem Kraftfahrzeugtechnikmeister. Bei Frauen war es die staatlich geprüfte Erzieherin vor der geprüften Wirtschaftsfachwirtin und der Friseurmeisterin.

Durch die Novelle gibt es nicht nur mehr Geld, auch mehr Menschen können die Förderung in Anspruch nehmen. Zu den Förderberechtigten gehören nun auch Bachelorabsolventen, die einen Masterabschluss machen wollen oder Studienabbrecher, die mit einer Berufsausbildung einen Neustart wagen. Außerdem gibt es mehr Geld vom Staat für Fortbildungskosten und Unterhalt, bei angehobenen Freibeträgen. Den Beitrag zum Lebensunterhalt bekommen allerdings nur diejenigen, die an einer Vollzeitmaßnahme teilnehmen. Auf der eigens dafür erstellten Website des Bundesbildungsministeriums finden Förderberechtigte alle Informationen zur Online-Beantragung.