"Das Aufstiegs-Bafög sehe ich positiv, weil eine große Anzahl an Personen von der Förderung profitiert", sagt Michael Zibrowius vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln). Der Ökonom forscht im Bereich berufliche Qualifizierung und Fachkräfte. Jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland hat schon einmal an einer Aufstiegsfortbildung teilgenommen. Das sind etwa 3,5 Millionen Arbeitnehmer oder Selbstständige.

Zibrowius hat in einer Studie die finanzielle Situation von Meistern auf dem Arbeitsmarkt untersucht. Danach liegen Mitarbeiter mit Meistertitel oder vergleichbarem Abschluss auf dem Einkommensniveau von Uniabsolventen. Jeder Vierte verdient sogar mehr als ein durchschnittlicher Akademiker. "Der Meisterabschluss führt zu einem deutlichen Gehaltssprung", sagt Zibrowius. "Unsere Untersuchungen zeigen darüber hinaus: Meister übernehmen öfter Führungsaufgaben als ihre Kollegen mit Hochschulabschluss. Und sie laufen seltener Gefahr, arbeitslos zu werden. Die Arbeitslosigkeit unter Akademikern liegt bei 2,5 Prozent, die unter Meistern bei zwei Prozent."

Ohne Meister hat die Wirtschaft ein Problem

Meister, Techniker, Fachwirte, also Absolventen einer Aufstiegsfortbildung sind im deutschen Qualifikationsrahmen auf der gleichen Stufe eingeordnet wie Bachelorabsolventen. "Ihre Abschlüsse sind damit nicht unbedingt gleichartig, aber gleichwertig", sagt Zibrowius. Meister sind das Bindeglied zwischen Akademikern, zum Beispiel Ingenieuren, und den Menschen, die Maschinen bauen, bedienen, warten. Mit einem Meisterabschluss arbeitet man somit an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis – eine wichtige Aufgabe. Jedoch fehlen sie vor allem im Süden Deutschlands. Nach der IW-Studie haben die Unternehmen dort Probleme, Spezialisten in Elektroberufen und im Gesundheitsbereich zu finden.

Zuständig für Aus- und Weiterbildung sind auch die Industrie- und Handelskammern. Knut Diekmann ist Weiterbildungsexperte im Dachverband des Deutschen Industrie- und Handelskammertags in Berlin: "Nach unseren Prognosen wird es in den kommenden Jahren die größte Fachkräftelücke bei den Meistern und Fachkaufleuten geben." Die Vielzahl an Akademikern macht den Meistern Konkurrenz. "Und fast immer setzt sich in Industriebetrieben der Ingenieur durch und überholt den Meister", sagt er. In kaufmännischen Berufen sei das kein Problem. Dort ist ein Fachwirt einem akademischen Betriebswirt fachlich gleichgestellt.

"Wir brauchen weiterhin Meister, damit die Heizung funktioniert, Wasser fließt und Autos fahren", sagt Diekmann. Denn das können Bachelorabsolventen nicht sicherstellen. Roboter auch nicht. Für ihn ist ein Meisterabschluss daher "zeitgemäß und dringlich".